Für 15.000 Euro

Ruine des Kidnappers in Bettinghausen versteigert: Dieser Bieter bekam den Zuschlag

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Das Fachwerkhaus am Kapellenweg in Bettinghausen soll abgerissen werden.

Soest/Bad Sassendorf – 15.000 Euro zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten: Mit dem Höchstgebot, abgegeben kurz vor Schluss von Kämmerer Karl-Heinz Ricken hat die Gemeinde Bad Sassendorf am Donnerstag das Fachwerkhaus des verurteilten Kidnappers in Bettinghausen ersteigert.

Die Gemeinde will das durch die kriminellen Umtriebe des Eigentümers negativ belastete Gebäude im Sinne der Bettinghauser Bürgerschaft abreißen lassen und das Grundstück vorerst brach liegen lassen. 

Rechtspfleger Erwin Gördes verkündete im Saal des Soester Amtsgerichts unter dem Applaus vor rund 50 Interessenten und Schaulustigen die Vergabe des bebauten rund 205 Quadratmeter großen Grundstücks am Kapellenweg 7. Damit erwirbt die Gemeinde das Grundstück und alles, was im Haus fest angebracht und im Garten angewachsen ist. 

Der Porsche, der noch in der Garage stehen soll, ist allerdings bewegliches Hab und Gut und gehört daher laut Gericht nicht zum erworbenen Objekt.  Was damit passiert, bleibt ungewiss. Eigentümer ist unabhängig vom Parkplatz des Sportwagens der Besitzer des Fahrzeugbriefes. 

Gebäude macht "sehr schlechten Eindruck"

Das Mindestgebot für die Immobilie hatte das Amtsgericht auf rund 2450 Euro festgelegt, es setzte sich aus dem Verkehrswert von 1000 Euro, den 290 Euro Schulden des Eigentümers an Grundsteuer B, die der Gemeinde Bad Sassendorf zustanden sowie den Verfahrenskosten samt Gutachten zusammen. 

Der Porsche, der noch in der Garage sehen soll, gehört nicht zum Objekt.

Das Gutachten beschrieb das zurzeit unbewohnte Gebäude auf dem Grundstück als „baufälliges Wohnhaus“, das einen „sehr schlechten Eindruck“ mache. 

Gläubiger war in dem Fall die Sparkasse Soest-Werl, die eine Grundschuld von 20 000 Euro vom bisherigen Eigentümer beanspruchte, dabei erfolglos blieb und daher die Zwangsversteigerung betrieb. 

Die Versteigerung begann das Gericht um Punkt 10.45 Uhr zögerlich mit einem Gebot von 2550 Euro, weitere Bieter steigerten den Betrag auf 3000 und 5000 Euro. Mit 8000 Euro stieg Kämmerer Ricken ins Geschehen ein. Mit zwei weiteren Bietern lieferte er sich ein reges und spannendes Überbieten von 9000 bis 13000 Euro. Um 11.19 Uhr kurz vor Ende der 30-minütigen Versteigerung setzte Ricken mit dem Gebot von 15 000 Euro den Schlusspunkt.

Die Vorgeschichte: Ermittler finden eine Art Verlies

Der damals 34-jährige Besitzer des Hauses wurde wegen versuchter Kindesentführung im Dezember 2017 vor dem Marburger Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. 

Der Mann mit Wohnsitz in Hamm und Bettinghausen hatte 2012 in der Nähe eines Spielplatzes im hessischen Niederweimar ein damals neunjähriges Mädchen in sein Auto gezerrt und mit Klebeband geknebelt. Das Mädchen konnte entkommen, aber der Täter blieb jahrelang unentdeckt, obwohl auf dem Klebeband Fingerabdrücke gefunden wurden. 

Erst als der 35-jährige in einem Schwimmbad in Hamm 2017 ein weiteres Mädchen unsittlich berührte, kamen die Ermittler ihm auf die Schliche. Bei den weiteren Ermittlungen stießen Polizeibeamte in seinem Fachwerkhaus in Bettinghausen auf eine Art Verlies. Hinweise auf eine weitere Straftat wurden in diesem Zusammenhang allerdings nicht gefunden. 

Nach Revision durch den Bundesgerichtshof wurde das Urteil im Dezember 2018 vor dem Landgericht Marburg erneut verhandelt. Die Strafe wurde um drei Monate gekürzt. Der BGH hatte den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs gestrichen.

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