Reparierbarkeit von Computern nimmt wohl weiter ab

Nachhaltigkeit wird in PC und Co. nicht wirklich verkabelt

Die Entwicklung von Smartphones und Computern geht schnell voran, die Reparierbarkeit bleibt oft auf der Strecke.
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Die Entwicklung von Smartphones und Computern geht schnell voran, die Reparierbarkeit bleibt oft auf der Strecke.

Bad Sassendorf – Was die Nachhaltigkeit angeht, haben viele Hersteller Nachholbedarf. Wie es geht, demonstriert das Bad Sassendorfer Unternehmen Maconline/Gebrauchtmac.de seit rund 20 Jahren. Die Aufarbeitung hochwertiger Computer und ähnlicher Geräte wird in Zukunft jedoch womöglich komplizierter. Zugleich würde damit eine Initiative der EU-Kommission für eine generell bessere Reparierbarkeit von Elektrogeräten unterlaufen. 

Zur Begründung verweist Felix Vietze, Geschäftsführer von Maconline, auf Nachfrage auf die neueste Computergeneration von Apple. Alle wichtigen Komponenten würden nun wie bei einem Smartphone auf einer gemeinsamen Platine zusammengelötet. Das Gerät wird schneller und spart Strom. Aber: Der Wechsel einzelner Komponenten wird unmöglich. Die Platine insgesamt müsste ausgetauscht werden.

Das Mainboard sei aber das Teuerste am ganzen Computer, es auszutauschen, sei wirtschaftlich meistens nicht sinnvoll, erklärt Vietze. Hinzu kommt, dass die Geräte nicht mehr durch den Wechsel einzelner Komponenten wie Arbeitsspeicher, Festplatte oder Grafikkarte an gestiegene Anforderungen angepasst werden können. „Geräte, die so produziert werden, werden schneller nicht mehr up to date sein und zum Beispiel zu langsam werden“, befürchtet der Experte. Ein weiteres Ärgernis bestehe darin, dass zum Beispiel die Akkus von Smartphones zunehmend mit den Geräten fest verklebt werden. Für den eigentlich simplen Tausch eines Akkus müsse der Kleber aufwändig erwärmt und abgezogen werden. „Das ist keine schöne Arbeit“, berichtet Vietze.

Alles auf einer Platine erschwert Tausch von Komponenten

Für mehr Nachhaltigkeit wäre es wünschenswert, dass einzelne Komponenten einfach austauschbar bleiben: „Bei einigen Herstellern ist das noch der Fall, aber ich denke, dass Apple den Trend setzt.“ Zudem sei zu erkennen, dass die Produktzyklen immer kürzer werden, bei Smartphones liege sie bei den großen Herstellern inzwischen bei einem Jahr.

Das Bad Sassendorfer Unternehmen Maconline/Gebrauchtmac.de ist seit der Gründung vor 20 Jahren darauf spezialisiert, hochwertige Computer oder Smartphones, überwiegend von Apple, aufzuarbeiten und wieder auf den Markt zu bringen. Häufig handle es sich um Leasinggeräte, die nach maximal zwei, drei Jahren ausgetauscht werden. Nach der Durchsicht seien die Geräte noch für sieben, acht Jahre einsatzbereit.

Nachhaltigkeit ist dem Unternehmen wichtig, betont Vietze. Erforderlich sei dafür jedoch aus wirtschaftlichen Gründen eine gute Qualität der Komponenten. Die eingesetzte Arbeitszeit müsse sich am Ende rechnen, bei Billigcomputern sei dies nicht möglich. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben national und europaweit einer der größten und erfahrensten Anbieter für gebrauchte und generalüberholte Apple-Geräte sowie Zubehör und Software. Das Unternehmen hat vor gut einem Jahr einen neuen Firmensitz im Lohner Klei bezogen. Diese Investition in weiteres Wachstum habe das Unternehmen deutlich weiter gebracht, so der Geschäftsführer.

EU möchte Reparierbarkeit fördern

Schon ein kleiner Defekt kann die Kaffeemaschine oder den Waschvollautomaten lahm legen. Und dann? Weg damit und her mit dem Neuen? Vielen Herstellern würde das wohl so passen. Vielen ist die zumindest gefühlt immer kürzere Lebensdauer der Geräte und die immer größere Verschwendung von Ressourcen jedoch ein Ärgernis. Die EU-Kommission will dem mit einer Verschärfung der Öko-Design-Richtlinie entgegenwirken. Die Reparierbarkeit von Leuchten, Kühlschränken, Spülmaschinen, Fernsehern oder Waschmaschinen soll dadurch verbessert werden, auch hochwertige Elektronikgeräte sollen mit der Zeit einbezogen werden. Felix Vietze, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Maconline/Gebrauchtmac.de mit Sitz im Lohner Klei ist jedoch skeptisch: „Die Initiative der EU wäre sinnvoll, ob sie hilft…?“

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