Corona-Test positiv

Reha-Klinik schickt alleinstehende 94-Jährige wieder nach Hause

Quellenhof Bad Sassendorf
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Corona stellt für die Reha-Kliniken im Kurort eine große Herausforderung dar. Der Fall einer 94-Jährigen Patientin aus der Klinik Quellenhof zeigt, dass die Schutzmaßnahmen harte Folgen für die betreffenden Patienten haben kann.

Eine 94-Jährige aus Dortmund, die nach einer Oberarmfraktur bereits gut zwei Wochen zur Reha in der Geriatrie der Quellenhof-Klinik weilte, wurde nach dem positiven Corona-Testergebnis nach Hause geschickt.

Bad Sassendorf – Jede Menge Patienten und Pflegekräfte unter einem Dach: Corona stellt für die Reha-Kliniken im Kurort eine große Herausforderung dar. Umfangreiche Hygienemaßnahmen sollen das Virus in Schach halten. Und wenn doch einmal ein positiver Nachweis auftaucht? Der Fall einer 94-jährigen Patientin aus der Klinik Quellenhof zeigt, dass die Schutzmaßnahmen harte Folgen für die betreffenden Patienten haben kann.

Die alte Dame aus Dortmund, die nach einer Oberarmfraktur bereits gut zwei Wochen zur Reha in der Geriatrie der Quellenhof-Klinik weilte, wurde nach dem positiven Testergebnis nach Hause geschickt. Das Problem: Die alte Dame ist zusätzlich gehbehindert und lebt allein. Angehörige schilderten in einer E-Mail ihren Eindruck, die Seniorin sei auf dem schnellsten Wege aus der Klinik nach Hause geschickt worden. Zu widersprechen habe sich die alte Dame nicht getraut, weder das Wohin noch die Frage der weiteren gesundheitlichen Versorgung während der erforderlichen Quarantäne oder die kurzfristige Beschaffung notwendiger Lebensmittel seien für die Verantwortlichen in der Klinik kein Problem gewesen.

Dieser Darstellung widerspricht Stephan Eydt, der Geschäftsführer der Holding Westfälisches Gesundheitszentrum, zu der die Quellenhofklinik gehört. Er bestätigte, dass Patienten nach einem positiven Corona-Test nach Hause geschickt werden. Dies sei aber in der Tat gerade bei den betagten Patienten der Geriatrie oft schwierig. Eydt bekräftigte: „Wir können Patienten nicht entlassen, wenn eine Betreuung nicht gewährleistet ist.“ Die Verlegung zu organisieren sei eine große Herausforderung, dabei sei die Klinik auch auf die Mitarbeit der Angehörigen angewiesen. Auch habe man die Patientin einige Tage länger da behalten und in ihrem Zimmer isoliert. Der Aufwand für die Betreuung sei jedoch hoch, weil das Personal jedes Mal die volle Schutzkleidung anlegen muss.

Das gilt jetzt auch für eine Bekannte der alten Dame. Die Helferin sei vom Fach, muss aber natürlich ebenfalls jedes Mal die volle Schutzkleidung anlegen. Trotz der Nachwirkungen durch den Oberarmbruch und die Gehbehinderung müsse die 94-Jährige derzeit ansonsten allein in ihrer Wohnung zurecht kommen. Alte Patienten so vor die Tür zu setzen, sei verletzend und erniedrigend, berichten die Angehörigen aus dem Raum Siegen, die wegen der Entfernung zu Dortmund selbst nur bedingt helfen können.

Eydt berief sich demgegenüber auf das Hygienekonzept der Holding-Kliniken, das mit dem Gesundheitsamt des Kreises regelmäßig abgestimmt und an die jeweils geltenden Corona-Schutzverordnungen angepasst werde. Neben dem Symptommonitoring gehören regelmäßige Tests bei Mitarbeitern und Patienten zu dem Konzept. „Dabei ermitteln wir immer wieder mal Fälle bei Patienten oder Mitarbeitern.“ Die Patienten würden nach Hause in die Quarantäne entlassen, ebenso gingen die Mitarbeiter in Quarantäne. Zudem würden die Kontaktpersonen ermittelt, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Besondere Vorsicht geboten

Besondere Vorsicht sei wegen der Geriatrie mit den betagten Patienten im Quellenhof erforderlich. Konkrete Zahlen bezüglich positiv getesteter Patienten oder Mitarbeiter in der Klinik Quellenhof nannte Eydt nicht. Gefühlt seien die Zahlen etwas höher als in den anderen Kliniken der Holding.

Dass in den Reha-Kliniken im Kreis Soest immer wieder mal Fälle mit einem positiven Corona-Test aufploppen, bestätigte Wilhelm Müschenborn, der Pressesprecher des Kreises. Die Klinik Quellenhof falle dabei nicht besonders aus dem Rahmen. Gerüchte, es habe in der Quellenhof-Klinik speziell im Dezember übermäßig viele Corona-Fälle gegeben, bestätigte Müschenborn nicht. „Wenn da ein Ausbruchsgeschehen wäre, hätten wir eine Abstrichaktion durchgeführt und das in den täglichen Pressemeldungen berichtet.“

Die alte Dame? Sie musste Montagabend mit dem Krankenwagen aus ihrer Wohnung abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht werden. Ihre Angehörigen zeigten sich froh, dass das Krankenhaus die dringend notwendige Versorgung nicht verweigert habe. Dennoch bleibe das Unbehagen über die Umgangsweise der Reha-Klinik mit einem hilfsbedürftigen alten Menschen. tbg

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