Prozess in Marburg

Bettinghauser Kindesentführer muss sechs Jahre ins Gefängnis

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Der Angeklagte, der zuletzt in Bettinghausen wohnte,  im Gerichtssaal in Marburg.

[Update 20.40 Uhr] Marburg/Bad Sassendorf - Wegen einer versuchten Kindesentführung in Mittelhessen ist ein Mann aus Bettinghausen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Von Dominic Heitz
Im Fall der versuchten Kindesentführung in hessischen Niederweimar hat das Marburger Landgericht am Mittwoch den 34-jährigen Angeklagten, der zuletzt in Bettinghausen wohnte, zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass es sich bei dem Angeklagten um jenen Mann handelt, der 2012 am helllichten Tag versucht hatte, ein damals neunjähriges Mädchen zu entführen. Das habe er getan, „weil er zweifellos etwas Sexuelles mit dem Kind vorhatte“, führte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf in seiner Urteilsbegründung aus. 

Genau hier hatte Verteidiger Carsten Göthel seinen Angriff auf die Anklage der Staatsanwaltschaft angesetzt. In seinem Plädoyer – das genau wie die Schlusseinlassung der Staatsanwaltschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten wurde – kritisierte Göthel, dass die Täterschaft seines Mandanten nicht zweifelsfrei bewiesen sei. Dies wurde auf Nachfrage aus Justizkreisen bestätigt. Von zentraler Bedeutung bei der Beweisführung war das Klebeband, mit dem das Mädchen damals geknebelt worden war. Hierauf fanden die Ermittler Fingerabdrücke und DNA-Spuren des Verurteilten. 

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Die Verteidigung war allerdings der Meinung, dass diese Spuren auch vorher schon auf dem Klebeband hätten gewesen sein können. Der Verurteilte hatte nach seiner Festnahme im Mai gesagt, dass er sein Auto vor fünf Jahren häufig verliehen und die Rolle mit dem Kleber im Auto gelegen hatte. 

Staatsanwalt forderte härtere Strafe

Das Gericht folgte der Argumentation der Verteidigung nicht. Die Anordnung der Fingerabdrücke deuteten darauf hin, dass der Verurteilte das Klebeband auf den Mund des Mädchens geklebt habe, so der Richter.  Der 34-Jährige soll nun insgesamt sechs Jahre im Gefängnis verbringen. Staatsanwalt Jonathan Poppe hatte sieben Jahre und vier Monate gefordert. 

Insgesamt fünf Tatbestände

Mehrfach durchsuchten im Sommer Polizeibeamte und Experten der Spurensicherung das Fachwerkhaus in Bettinghausen, das dem Angeklagten gehört. Auch der Porsche des 34-Jährigen wurde unter die Lupe genommen.

Das Gericht verurteilte den Mann für insgesamt fünf Tatbestände: versuchte sexuelle Nötigung in besonders schwerem Fall, versuchter schwerer sexueller Missbrauch, versuchte Entziehung Minderjähriger, gefährliche Körperverletzung sowie sexueller Missbrauch von Kindern. Letztere Tat umschreibt den Vorfall in einem Hammer Schwimmbad, als der Mann einem Mädchen sekundenlang ans Gesäß gefasst hatte. 

In seiner Urteilsbegründung rekapitulierte der Vorsitzende Richter nochmal den Ablauf der Ereignisse: die versuchte Entführung im Jahr 2012, der Bau eines Verlieses im Jahr 2013 in dem Haus in Bettinghausen, verschiedene Vorfälle aus der Ausbildung des Verurteilten zum Kinderkrankenpfleger – nicht justiziabel, aber dennoch auffällig – sowie die Tat in dem Hammer Schwimmbad. Zudem ist ein weiteres Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Bochum anhängig, weil der Mann in einem weiteren Fall ein Mädchen in einem Schwimmbad angefasst haben soll. Alles zusammengenommen zeige, wohin sich der 34-Jährige in den vergangenen Jahren entwickelt habe, so der Richter. „Es fügt sich alles ein“, sagte er.

Verteidiger will in Revision gehen

Richter Wolf äußerte sich auch über die mögliche Außenwirkung des Urteils. Die versuchte Entführung habe „große Empörung und großen Schrecken verursacht“, so der Richter. Um das Strafmaß festzulegen, habe das Gericht aber vor allem einbeziehen müssen, dass es sich bei den meisten Vorwürfen um versuchte Taten handelt. Dies führe zwangsläufig zu einer Minderung des Strafmaßes. Verteidiger Carsten Göthel kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

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