Premiere der "Berlin Comedy Night" lockt 150 Gäste nach Neuengeseke

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Salim Samatou, Hans-Hermann Thielke alias Helmut Hoffmann, Michael Genähr und Thomas Nicolai (von links) waren die Stars der ersten „Berlin Comedy Night“, die am 29. Oktober in Lohne fortgesetzt wird.

Neuengeseke - Die erste „Berlin Comedy Night“ des Komikers und gebürtigen Soesters Michael Genähr war ein voller Erfolg: 150 Gäste kamen in die Neuengeseker Schützenhalle. Vielleicht wären es sogar noch mehr geworden, hätte er nicht geheim gehalten, wen er als Gäste mitbringen würde.

„Es gibt sehr viele gute Comedians, von denen hat man noch nie gehört“, kündigte Michael Genähr im Vorgespräch mit dem Anzeiger an, oder vielmehr stapelte er tief, als er noch geheim hielt, welche drei Kollegen sich mit ihm die Bühne teilen würden. Die Annahme, dass es wohl unbekannte Nachwuchsleute sein würden, war irrig: Es waren zwar keine Mittermeiers, Schröders oder Barths, aber dafür ein preisgekrönter Youngster und zwei erfahrene Vollprofis.

Vielleicht wäre die Schützenhalle aber aus allen Nähten geplatzt, hätte er die Namen vorab bekannt gegeben. Dafür hatte Genähr jedoch offenbar einen Riecher dafür, dass zum einen dennoch das Neue und Ungewohnte das Publikum locken würde, vor allem aber die Tatsache, dass die Menschen auf dem Lande dankbar sein würden, für eine solche Show einmal nicht weit fahren zu müssen.

Wiedersehen mit biederem Postbeamten

 So bot der Abend endlich ein Wiedersehen mit der wunderbaren Kunstfigur Hans-Hermann Thielke, einen durch und durch biederen, verklemmten Postbeamten. Er und Genähr traten bereits vor 15 Jahren mit einem gemeinsamen Programm in Soest auf. Mittlerweile hat sein geistiger Vater und Darsteller Helmut Hoffmann ihn in den Ruhestand versetzt – buchstäblich. 

Jetzt berichtet er aus seinem Leben nach dem Annahmeschalter, seiner Unfähigkeit, eine Partnerin zu finden, und rückblickend auf seine Karriere, vom Lehrgang „Humor im mittleren technischen Postdienst.“ Auch nach 25 Jahren hat die Figur nichts von ihrem Reiz verloren.

Thomas Nicolai hat sein Alter Ego schon lange beerdigt, einst kannte man ihn als den „blonden Emil“, trat vor Urzeiten auch unter diesem Namen bereits in Soest auf. Er glänzt vor allem durch seine stimmliche Vielfalt, wenngleich seine Idee einer Promi-WG, bestehend aus Grönemeyer, Horst Schlämmer, Gottschalk, Lindenberg, Kinski, Semmelrogge, Glööckler und Hitler sich nur als Konstrukt entpuppt, um eine Parodie beliebig an die nächste zu hängen. Umso origineller sein Schlaflied im Stile Rammsteins.

Salim Samatou ist mit 23 der Jüngste auf der Bühne, er gewann 2016 den RTL Comedy Grand Prix, war erst im März im Schlachthof zu sehen. Der junge Mann mit dem indischen Migrationshintergrund nimmt den Preis ironisch: „Wisst ihr, was ich da gewonnen habe? Richtig, eine Reise nach Neuengeseke.“

Er bringt klassischen StandUp, doch neben seinen Betrachtungen über die zunehmende Faulheit der Menschheit, die er am Wechsel von fester zu flüssiger Handseife festmacht, läuft er richtig zur Höchstform auf, als er beginnt, Publikumsreaktionen zu verarbeiten, was ihm selber offenbar klar ist: „Der Gag, der jetzt kommen sollte, ist deutlich schwächer als Eure Reaktionen, von daher: Das war’s von mir!“

Genähr geht ein wenig auf seine Herkunft ein, kommt von der westfälischen Langsamkeit, die ihn beim Abitreffen einholte, auf die Idee, was geschähe, wenn die Maikrawalle von Berlin nach Soest verlegt würden, („denn Pflastersteine gibt’s hier schließlich genug“), und Massen von Randalierern einem einzelnen Polizisten gegenüber stehen, „denn der andere muss ja auf der Wache bleiben“, der ihnen entgegnet: „Und? Was soll dat?“ – „Wissen wir auch nicht.“ Deeskalation auf westfälisch sei das.

Fortsetzung im Oktober in Lohne

Am 29. Oktober steigt in der Lohner Schützenhalle der zweite Testballon. Auch wenn Genähr wieder nicht damit rausrückt, wen er mitbringt, klar ist: So perfektionistisch, wie er diesen Abend durchgeplant hat, wird auch der zweite ausfallen, Freunde leicht verdaulicher Comedy-Kost werden voll auf ihre Kosten kommen.

Schützenvereine, die gerne einmal ihre Schützenhalle für die Show bereitstellen möchten, können sich an Michael Genähr über seine Homepage www.berlin-comedy.de wenden. Die Show vom Montagabend wurden vom Soester Filmclub aufgezeichnet, Ausschnitte werden in Kürze auf Genährs Youtube-Kanal „Berlin Comedy“ zu sehen sein.

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