Sportwagen versteigert

Spannendes „Rennen“ um Porsche mit düsterer Vergangenheit - zwei Bieter legen Nachtschicht ein

Porsche des Kinderfängers
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Die Auktion ist beendet. Insgesamt 43 Gebote gingen ein (Screenshot)

Zwei Interessenten, die unbedingt den Zuschlag haben wollten, lieferten sich ein nächtliches Rennen um den Porsche 911 Carrera des „Kinderfängers“. Am Dienstagmorgen (13. September), Punkt 9 Uhr, endete die Versteigerung des 300 PS starken Sportwagens mit der düsteren Vergangenheit. Das Höchstgebot: 21 100 Euro.

Bad Sassendorf - Die Geschichte machte bundesweit Schlagzeilen: Denn der „Neunelfer“ gehörte einem inzwischen verurteilten Mann aus Hamm, der vor vier Jahren versucht hatte, im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf ein Kind zu entführen. Der Täter nutzte ein Fachwerkhaus in Bettinghausen als zweiten Wohnsitz. In der Garage stand auch der schwarze Porsche.

Das Haus befand sich in einem verlotterten Zustand, beim Prozess gegen den Mann berichtete eine Polizistin als Zeugin von einem gemauerten Verlies in einem der Räume. Ihr seien in Bettinghausen sofort die verschanzten Fenster aufgefallen, schilderte sie weiter. In der heruntergekommenen Immobilie erwartete die Ermittler zudem übler Gestank. Um einen Schlussstrich unter die bedrückende, finstere Geschichte zu ziehen, erwarb die Gemeinde das Anwesen in einer Zwangsversteigerung und ließ es abreißen. Das Coupé mit knapp 220.000 Kilometern auf dem Tacho bot sie jetzt über die virtuelle Auktionsplattform der Bundeszollverwaltung an.

Porsche mit düsterer Vergangenheit versteigert - Bieter leisten sich spannendes „Rennen“

Mindestens 15.000 Euro sollte das Fahrzeug der Edel-Marke einspielen, um die Kosten des Abbruchs zu decken. Alles, was darüber hinausgeht, solle, wie Bürgermeister Malte Dahlhoff erläuterte, in soziale Projekte und in die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde fließen.

Vor der Zwangsversteigerung seines Hauses in Bettinghausen hatte der Verurteilte seine Habe der Gemeinde Bad Sassendorf überlassen - inklusive des Porsche 911 Carrera.

Zum Schluss waren es noch zwei Bieter, die den Wagen unbedingt ihr Eigen nennen wollten, dafür nahmen sie auch eine Spätschicht in Kauf. Gegen zwei Uhr in der Nacht zu Dienstag wurde es spannend, wie sich auf der Internet-Seite von „Zoll-Auktion“ erkennen lässt: Um 2.01 Uhr, also nur wenige Stunden vor Toresschluss, ging ein Gebot von 20.700 Euro ein. Derselbe Kandidat legte um 2.27 Uhr noch einmal 300 Euro drauf – und wurde im Finale prompt von einem Konkurrenten überholt. Der hatte vorher schon reges Interesse gezeigt und erhöhte ebenfalls um 2.27 Uhr noch schnell um weitere 100 Euro.

Porsche von „Kinderfänger“ aus Bettinghausen versteigert - Höchstbietender soll sich melden

„Wir warten jetzt, dass sich der Höchstbietende bei uns meldet“, sagt Karl-Heinz Ricken, Bad Sassendorfs, stellvertretender Bürgermeister und Kämmerer. Das weitere Verfahren läuft dann so: Ist das Geld überwiesen, erfolgt die Übergabe.

Geld für Opfer von Missbrauch

Bürgermeister Malte Dahlhoff teilt mit, was mit den übrigen 6100 Euro geschieht: Das Geld geht an Institutionen, die sich um Opfer von Missbrauch kümmern, ebenso fließt in die präventive Arbeit, zum Beispiel in das Programm „Mein Körper gehört mir“ an Grundschulen.

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