Pflegekräfte werden in den nächsten Jahren rar

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Mit Aktionen wie der Pflegebörse versuchen die Einrichtungen im Kreis Soest dem Pflegekräftemangel zu begegnen, möglicherweise werden in Zukunft aber weitere Maßnahmen nötig.

Bad Sassendorf – Prämien für Pflegekräfte, die in eine neue Einrichtung wechseln, ein Gesundheitsminister, der im Ausland auf Werbetour geht, um Pflegekräfte nach Deutschland zu holen: Solche Entwicklungen zeigen, dass Pflegekräfte für die Krankenhäuser, Reha-Kliniken oder Seniorenheime zunehmend schwieriger zu gewinnen sind. Nach Einschätzung der Experten laufen die Schwierigkeiten aber gerade erst an, wegen des demokratischen Wandels werde die Lage in den nächsten Jahren noch deutlich kritisch werden.

So berichtet Pflegedirektor Michael Schulte von der Bäder-Holding WGZH, dass in den drei Bad Sassendorfer Kliniken Lindenplatz, Hellweg und Quellenhof derzeit alle Arbeitsplätze besetzt sind, es sei aber festzustellen, dass insgesamt weniger Bewerbungen eingehen. Für den Moment seien die drei Kliniken der Bäder-Holding in Bad Sassendorf gut besetzt, so Schulte, aber es wird schwieriger werden. 

Auf diese Entwicklung reagieren die einschlägigen Behörden, also die Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland, die Bundesagentur für Arbeit, der Kreis selbst und das Jobcenter, seit Jahren mit der Ausrichtung der Gesundheits- und Pflegebörse, die auch für dieses Jahr wieder geplant wird. Im Austausch mit den Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen liegt die Zielrichtung zudem darin, entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote zu entwickeln. 

„Die nächsten fünf bis zehn Jahre sehe ich kritisch“ 

Ob dies allein reicht, um auf längere Sicht genügend Pflegekräfte zu finden, erscheint fraglich. Schulte verweist darauf, dass sich insbesondere der demografische Wandel zunehmend bemerkbar macht, weil die Arbeitskräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen sich in die Rente verabschieden, viele schon mit Altersteilzeit oder Rente ab 63. Schulte: „Angesichts dieser Fluktuation die Stellen zu besetzen, das sehe ich für die nächsten fünf bis zehn Jahre schon kritisch.“ 

Ein zusätzliches Problem für Reha-Kliniken bestehe darin, dass es generell schwierig sei, die Personalkosten in den Verhandlungen mit den Kostenträgern über die Pflegesätze zu refinanzieren. 

Die Möglichkeiten, auf die Entwicklung zu reagieren, sieht Schulte differenziert: „Es wird im Pflegebereich bereits verstärkt ausgebildet, der Nachschub an Kräften reicht aber nicht, wir brauchen eine gezielte Einwanderung.“ Dabei sei durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Bäder-Holding irgendwann auch selbst aktiv wird. 

Denkbar sei es aber auch, im Verbund mit anderen regionalen Einrichtungen ausländische Fachkräfte anzuwerben. Hier seien jedoch der Ausbildungsstand und die Sprachkenntnisse von großer Bedeutung. Im übrigen sei eventuell auch darüber nachzudenken, ob jede Stelle mit einer examinierten Kraft besetzt werden muss. 

Als wenig hilfreich bewertete Schulte in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Kartellamts, die Fusion der beiden Soester Krankenhäuser zu untersagen. Statt Personal effizient einsetzen zu können, müsse so manche Aufgabe doppelt abgedeckt werden.

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