Parfümerie Droste hat in 35 Jahren Boomzeiten und Umbrüche miterlebt

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Gisela Droste vor ihrem Geschäft in der Kaiserstraße.

Bad Sassendorf – Zur Boomzeit der klassischen Kur, im Juni 1984, hat Gisela Droste den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Und in den folgenden 35 Jahren seither hat die Geschäftsfrau all die Umbrüche und Veränderungen mitgemacht, die den Kurort aufgrund der Gesundheitsreformen und der Anstrengungen für eine Neuausrichtung kräftig durchgeschüttelt haben. Die Entwicklung ihres Geschäftes „Gisela Droste Parfümerie und Hautnah“ spiegelt damit auch die wirtschaftliche Entwicklung des Kurorts.

Die Selbstständigkeit begann für Gisela Droste mit ihrer Schwester Gabriele Freieenstein und einer Beschäftigten als Mitarbeiterinnen mit einer typischen Drogerie. Der Rat des Inhabers, der ihr das Geschäft zur Übernahme angeboten hatte: „Hier dürfen Sie nichts Teures verkaufen, der Kurgast als Kunde kommt nur, weil er was vergessen hat.“ 

Badeschlappen, Bademode, Duschgel und Co., die Entwicklung der Fotos vom Kuraufenthalt: Das waren demnach die klassischen Angebote. Gisela Droste wollte aber mehr, und das war gar nicht so einfach. 

Wenn ein Kosmetikanbieter in einem Ort wie ihr damaliger Mitbewerber bereits ein Depot mit bestimmten Marken hatte, waren die seinerzeit für die anderen nicht verfügbar. „Alle Marken, die ich kriegen konnte, waren hochpreisig, es waren viele Dinge dabei, die nicht so bekannt waren, wo ich aber dahinter stand“, erinnert sich die Geschäftsfrau. 

Legendär waren die Modenschauen, die Gisela Droste für den Sälzermarkt mehrfach organisierte.

Zudem entwickelte sich vor allem der Bereich der Kosmetikbehandlungen zu einem wichtigen Standbein, das angestammte Geschäft in der Kaiserstraße 10 mit seinen 50 Quadratmetern erwies sich bald als zu klein, 1989 wurde im Malerwinkel ein gesonderter Standort für die Kosmetikanwendungen eröffnet, der später in die Bismarckstraße verlegt wurde; mit der Zeit ergaben sich für die Kosmetikbehandlungen zudem jeweils für einige Jahre Standorte im Hotel „Schnitterhof“ oder im Sole-Thermalbad. 

1991 und 1992 wurden die beiden Kinder geboren, und 2002 erfolgte, gemeinsam mit Betty Stoppa und ihrer Eisdiele als bewährter Nachbarin, der Umzug an den heutigen Standort in dem neu errichteten Wohn- und Geschäftskomplex gegenüber dem Jahnplatz. 

Hier können seither alle drei Bereiche – Bademoden und Textilien, hochwertige Parfümerie und Kosmetikanwendungen – unter einem Dach angeboten werden. 

Die ersten zehn, 15 Jahre habe sie mit ihrem Geschäft echt kämpfen müssen, berichtet Gisela Droste. Aber in den Boomzeiten der klassischen Kur kamen alle paar Wochen neue Kunden in den Ort, und wohl keineswegs nur solche, die etwas vergessen hatten: „Das waren lebenslustige Menschen, da hinkte keiner, die wollten sich hier erholen und ihren Spaß haben, die wollten auf die Sonnenbank.“ 

Von jetzt auf gleich nicht mehr das Gleiche

Gerade die Gaststätten und Cafés boomten, das Kurorchester sorgte für den guten Ton und zum Tanz ging es ins Parkhotel: „Da ist manche Ehe geschlossen worden und auch manche zerbrochen“, erzählt Gisela Droste. 

Mit den Gesundheitsreformen kam das Aus für die klassische Kur: „Von jetzt auf gleich war das nicht mehr das Gleiche.“ Droste war es allerdings gelungen, neben den Kurgästen eine treue Stammkundschaft aus der Region zu gewinnen, nach eigener Einschätzung auch ein Verdienst ihrer vielen Marketingaktivitäten und ihres Engagements bei verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen wie dem Frühlingsmarkt im Bürgerhaus oder, in der Nachfolge, dem Sälzermarkt. 

Legendär bis heute sind die Modenschauen, die Gisela Droste seit dem ersten Sälzermarkt 1988 mehrere Jahre unter freiem Himmel in der Kaiserstraße ausgerichtet hat. „Das habe ich alles selbst organisiert, die Textilien ausgesucht, im Anzeiger inseriert und Bekannte angesprochen, um Models zu finden.“ Die Schauen mit moderner Bademode zogen offensichtlich die Massen an, darunter viel junges Publikum, wie der Blick in Gisela Drostes Fotosammlung zeigt. 

Dank ihrer Stammkunden und der Tagesgäste hat das Geschäft große Einbrüche infolge der Gesundheitsreformen seit 1997 nicht erlebt, berichtet Droste. Heutzutage seien die Reha-Patienten kaum in der Lage, bis zu dem Geschäft zu kommen. So stellen sie maximal 20 Prozent der Kundschaft. 

Patienten sind nicht mehr so mobil

Die Patienten seien nicht mobil, es gebe nur schlechte Verkehrsanbindungen in den Ort und die Patienten seien voll gepackt mit Terminen für die Therapien. „Früher gab es morgens die Anwendungen und der Nachmittag war zu freien Verfügung“, so Droste. 

Profitiert habe der Ort sicher auch durch die Anstrengungen, den Wandel im Gesundheitswesen zu kompensieren. Die neue Fußgängerzone und der Jahnplatz mit dem Fontänenfeld sind Beispiele. Hinzu kamen die Neubauten in Höhe des Jahnplatzes, wo die Parfümerie heute ihren Sitz hat. „Vorher war da Wiese“, erinnert sich Gisela Droste. 

Große Erwartungen verbinden sich aktuell mit der Umgestaltung des Kurparks, der Sanierung der Sole-Therme und dem Neubau des Gradierwerks. Gisela Droste: „Das wird sicher ein Hype, aber man darf auch nicht vergessen, welche Einbrüche es gab. Uns fehlt der Tagesgast, der zum Schwimmen kommt und danach noch was einkaufen geht.“ 

Gerade hier könne man mit der verstärkten Akquise von Tagestouren mit dem Bus ansetzen.

Weitere Infos 

„... wie schnell die Zeit vergeht!“ Unter diesem Motto feiert die Parfümerie Gisela Droste im Juni 2019 mit ihren Kunden das 35-jährige Bestehen. Infos auch unter www.wellness-droste.de.

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