Osterspaziergang mit Faust im Kurpark: Keine Chance für böse Geister

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Nicht vom Eise befreit, sondern vom beengenden Bachbett (links) darf die Rosenau nun munter mäandern.

Bad Sassendorf – Der Osterspaziergang ist seit Goethe und dem einschlägigen Gedicht aus dem Faust untrennbar mit Ostern verbunden, und so wie Faust mit seinem Famulus in der Szene „Vor dem Tor“ die erwachende Natur durchstreift, geht es auch hier vor die Tore.

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick...“ – naja, mit Eis und klirrendem Frost wie in den Eingangszeilen des „Osterspaziergangs“ war es in diesem Winter nicht weit her, wie befreit darf sich die Rosenau aber trotzdem fühlen. Und wird damit zur ersten Station. Gesprengt sind die Fesseln der engen Ufer, befreit kann der Bach durch die renaturierte Auenlandschaft strömen. 

Faust erfreut sich während des Spaziergangs mit seinem Famulus Wagner nicht nur an der erwachenden Natur, sondern auch an dem fröhlichen Treiben der Menschen. Nach dem dunklen Winter und aus der Enge der Häuser drängt alles ans Licht: „Aus dem hohlen finstern Tor / Dringt ein buntes Gewimmel hervor.“ 

Und was ist, vor dem finstren Tor, das belebende Ziel für die Sassendorfer und ihre Gäste? Der Kurpark natürlich: „Hier ist des Volkes wahrer Himmel, / Zufrieden jauchzet groß und klein: / Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“ 

Zu sehen gibt es mit den Bauarbeiten am neuen Gradierwerk, in der Sole-Therme, auf dem Gelände der Kinderfachklinik und im Kurpark vielfältige Aktivitäten. Allerdings mag manchen der Zweifel packen, ob das gut gehen kann, mit den gewaltigen Investitionen von mehreren zig Millionen, die in der Gemeinde gestemmt werden, um Thermalbad, Kurpark und Kliniken fit zu machen für die Zukunft. 

Goethes Faust hat auch hier eine Antwort parat: „Aus Eins mach’ Zehn, / Und Zwei lass gehn, / Und Drei mach’ gleich, / So bist Du reich...“, so heißt es in der Zahlenkunde des Hexeneinmaleins und Faust denkt folglich, die Hexe deklamiert im Fieberwahn – doch dann lässt er sich von Mephisto trotzdem ein Zaubergebräu der Hexe verabreichen. 

In Goethes Werk versucht Mephisto, der Geist der stets verneint, Faust vom rechten Weg abzubringen. Dem Teufels begegnen wir im Kurpark nicht, seine Kennzeichen, Bocksbein und Pferdefuß, sind aber doch zu entdecken, einmal anhand der bronzenen Ziegenböcke, die ihre Kräfte erproben, und in Form des Fohlens mit Mädchen. 

Geister wie Mephisto, auch wenn man sie wie Goethes Zauberlehrling selber rief, möchte man unbedingt wieder los werden, wenn sie sich unkontrollierbar gebärden. Nach altem Aberglauben hilft es, Salz um sein Grundstück zu streuen, um Geister und Dämonen zu vertreiben. Von diesem Heilmittel gibt es in Sassendorf dank der Sälzer seit Jahrhunderten genug. Was für ein Glück, keine Chance für böse Geister.

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