Prozess vor Paderborner Landgericht

Nur durch dummen Zufall bei Cannabis-Ernte erwischt? Sassendorfer schweigen

Hanfpflanzen (Symbolbild)
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Hanfpflanzen (Symbolbild)

Eine Cannabis-Plantage als Ein-Mann-Unternehmen? Das behauptet ein Angeklagter vor dem Paderborner Landgericht - und will damit offensichtlich zwei Männer aus dem Kreis Soest aus der Schusslinie nehmen.

Bad Sassendorf/Paderborn – Zwei große Cannabisplantagen, mit allen technischen Raffinessen – und die will er ganz alleine betrieben haben. Das sagt der 49-Jährige, der als Haupttäter im Prozess um zwei Plantagen im Kreis Höxter angeklagt ist.

Ob der Iraner damit die beiden in Bad Sassendorf lebenden Mitangeklagten „aus der Schusslinie“ bringen will, muss die Strafkammer noch weiter aufklären.

Das ergab der erste Verhandlungstag: Wenn die Nachbarn das Gras schon riechen können.

Denn seine 34 und 35 Jahre alten Landsleute sagen selbst nach wie vor nichts zu den Vorwürfen.

Wie berichtet stehen die drei Männer zurzeit in Paderborn vor dem Landgericht, weil sie als Bande gleich zwei illegale Drogenplantagen aufgebaut und betrieben haben sollen – mitten auf dem Land im Kreis Höxter, im Nieheimer Ortsteil Sommersell und Brakel-Hembsen. In zwei maroden Einfamilienhäusern mitten in der jeweiligen Ortslage hatte die Polizei bei Durchsuchungen im vergangenen Oktober auf den Dachböden professionell aufgezogene Hanfplantagen gefunden.

Cannabis-Plantagen: Pro Jahr 125 Kilogramm „Gras“

Wie am zweiten Verhandlungstag seitens einer Sachverständigen des Landeskriminalamtes erläutert wurde, hätte sich eine Ernte anhand der Berechnungen mit den vorgefundenen Pflanzen auf insgesamt etwa 23 Kilogramm belaufen müssen – bei drei möglichen Ernten pro Jahr und vollem Ertrag von insgesamt 1000 Cannabispflanzen hätten beide Plantagen etwa 125 Kilogramm „Gras“ gebracht. Allerdings sei der festgestellte Wirkstoffgehalt mit durchschnittlich etwas über zehn Prozent THC eher unterdurchschnittlich gewesen.

Die alleinige Verantwortung für die beiden Plantagen wollte der 49-jährige Hauptangeklagte C. (Namen geändert) auf sich nehmen, der zuletzt seinen Wohnsitz im holländischen Den Haag hatte und der wie die Sassendorfer beim Zugriff der Polizei in Sommersell verhaftet wurde.

Seine Tochter habe zwei Häuser gekauft, er sei auf die Idee gekommen, jeweils eine Cannabisplantage unter dem Dach anzulegen, und habe sich aus Holland 1000 Setzlinge kommen lassen.

Cannabis-Plantagen: Sassendorfer sollten nur renovieren

Die habe er in den mit professioneller Beleuchtung ausgestatteten Plantagen aufgezogen. Seine Mitangeklagten B. und D., zwei in Bad Sassendorf lebende 34 und 35 Jahre alte Landsleute, seien lediglich mit Renovierungsarbeiten in den beiden Häusern beschäftigt gewesen.

Weil es angefangen habe „ganz fürchterlich“ zu riechen, habe er sich entschieden, die Ernte vorzuziehen – und die beiden jüngeren Männer gebeten, ihm dabei zu helfen.

Die Bad Sassendorfer hüllen sich zumindest hinsichtlich der Tatvorwürfe in Schweigen. Allerdings konnten mehrere Zeugen aus Höxteraner Polizeikreisen aus ihrer Erfahrung berichten, dass Cannabisplantagen in solchen Größenordnungen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erforderten – insbesondere diese hier, weil sie nicht mit einer automatischen Bewässerung versehen waren und die Pflanzen von Hand hätten gegossen werden müssen. „Es war völlig klar, dass hier immer jemand vor Ort sein musste, und dass Herr C. das gar nicht alleine machen konnte“, sagte ein Hauptkommissar, der die Ermittlungen geleitet hatte.

Cannabis-Plantagen: Sassendorfer schweigen

Während der begeisterte Freizeitfußballer B. schon bei der Polizei keine Angaben machen wollte, hatte D. beim ersten Verhör zunächst behauptet, er sei nur zum Fußballspielen nach Sommersell gekommen – dann bei einer weiteren Vernehmung, jemand aus Münster habe ihn zum Pflanzenschneiden in dem Haus abgeholt.

Anwohner hatten jedoch in Hembsen einen Miet-Lkw fotografiert, nebst dem Sassendorfer Freizeitkicker, und die Polizei im Laufe der Ermittlungen herausgefunden, dass B. das Fahrzeug angemietet hatte, jedoch der Führerschein des Hauptangeklagten C. vorgelegt worden war. B. will mit einem Leih-Lkw nichts zu tun gehabt haben: Er habe keinen Führerschein, und sei zum Zeitpunkt privat in München gewesen.

Die 8. Große Strafkammer muss noch in der Beweisaufnahme prüfen, in welchem Maße Chats aus sichergestellten Handys des Hauptangeklagten C. zur weiteren Aufklärung beitragen und will bereits am kommenden Montag ein Urteil sprechen.

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