Tonnen an durchgehende Straßen stellen

Müllabfuhr meidet Rückwärtsfahrten in engen Stichstraßen

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Mülltonnen, aufgereiht am Hellweg in Lohne: Aus vielen Stichstraßen, in denen sonst rückwärts gefahren werden müsste, sollen die Mülltonnen künftig zu Sammelpunkten gebracht werden.

Bad Sassendorf – Die Tonne vors Haus geschoben, dann kommt die Abfuhr und man ist der Altlasten ledig – ganz so einfach wird es für etliche Bad Sassendorfer in Zukunft nicht zugehen. All diejenigen, die in Stichstraßen wohnen, in denen die Müllfahrzeuge nicht ohne Gefahren wenden können, müssen ihre Tonnen demnächst bis zur nächsten durchgehenden Straße ziehen und dort auf der vorgegebenen Seite abstellen, damit der Greifer des Müllautos sie packen kann.

Eine Regelung, die zum Beispiel von Anwohnern aus der Stichstraße am Bettinghauser Weg in Weslarn kritisiert wird. Die Bewohner sind 86 Jahre oder noch deutlich älter und sehen sich kaum in der Lage, die Mülltonnen zig Meter weit bis zum Einmündungsbereich zu ziehen. Und: Mehr als 50 Jahre sei es auch anders gegangen. 

Die Firma „Veolia Umweltservice“, die für die Abfuhr von Restmüll, Bioabfall und Gelben Säcken zuständig ist, will trotz dieser Kritik an der neuen Regelung festhalten. Dazu verwies Veolia-Sprecherin Sabine Siegel auf eine Weisung der Berufsgenossenschaften, die darauf abzielt, das Rückwärtsfahren bei der Müllabfuhr zu vermeiden, wo immer dies möglich ist. Auch mit Einweisern, so die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), sei das Rückwärtsfahren gefährlich, gerade auch für die Einweiser selbst. 

"Gefahr für Leib und Leben aller"

„Rückwärtsfahren ist eine Gefahr für Leib und Leben aller“, betonte Sabine Siegel. Auch technische Hilfen seien keine Lösung, wenngleich die Veolia-Fahrzeuge alle voll ausgestattet seien mit Heck- und Seitenkameras und dem vorgeschriebenen Piepton beim Rückwärtsfahren. Siegel räumte aber auch ein, dass Effizienz für den Entsorger ebenfalls eine Rolle spielt. 

Soll heißen: Stehen viele Mülltonnen an einem Ort und entfällt das zeitraubende Rangieren, kann die Tour schneller bewältigt werden. Zudem kommen die Müllautos mit dem seitlichen Greifer mit einem Fahrer als Besatzung aus. Einweiser fürs Rückwärtsfahren müssten extra mitfahren. 

Informiert wurden die Anwohner der betreffenden Stichstraßen durch die Gemeinde. Wie Kämmerer Karl-Heinz Ricken berichtete, sind letztlich 38 Stichstraßen von der neuen Regelung betroffen, die meisten davon im Zentralort. 

Zumeist seien dies Straßen wie Im Grund in Neuenkamp, die keinen Wendehammer haben, wo die Müllfahrzeuge umdrehen können. Überdies habe Veolia extra ein kleineres Müllauto in Dienst gestellt, um in engeren Straßen rangieren zu können. „Aber“, so Ricken, „es gibt halt Stichstraßen, wo es ohne Rückwärtsfahren nicht geht.“ Und dann werde es eben gefährlich. 

Für den Fall, dass betagte Anwohner die Tonnen nicht selbst zum Sammelpunkt ziehen können, sei vielleicht Hilfe durch Verwandte oder Nachbarn möglich. Zudem kündigte Ricken an, das Thema auch im Seniorenarbeitskreis vorzustellen. Vielleicht könne auch über die Taschengeldbörse Hilfe organisiert werden. 

Neu sind das Thema und der Unmut von Anwohnern nicht. Seit der Verabschiedung der Regel 114-601 im Herbst 2016 ist die Müllabfuhr bereits in vielen Kommunen, auch in der heimischen Region, entsprechend umgestellt worden.

Das sagt die Unfallversicherung

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat im Oktober 2016 die Regel 114-601 zum Thema Abfallsammlung verabschiedet. Die Regel sollen dabei helfen, staatliche Arbeitsschutzvorschriften, Unfallverhütungsvorschriften und verbindliche gesetzliche Regelungen umzusetzen, heißt auf der Internetseite regelrechtaktuell.de des Universum-Verlags Wiesbaden. 

Insbesondere empfiehlt die Branchenregel, die Müllabfuhr so planen, dass unfallträchtige Rückwärtsfahrten vermieden werden. Laut DGUV hat eine Auswertung des Unfallgeschehens in der Abfallwirtschaft (2008-2009) durch die Unfallkasse NRW für den Bereich Westfalen-Lippe festgestellt, dass in besagtem Zeitraum 30 Beschäftigte bei der Abfallsammlung von Fahrzeugen angefahren wurden. Bei sechs Unfällen sei der Einweiser vom eigenen, rückwärts fahrenden Sammelfahrzeug angefahren worden.

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