So feiert die Moorpackung ihr Comeback im Kurort

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Lukas Grave durfte als Erster eine der neuen Moorpackungen testen. Über das wieder zum Leben erweckte Angebot freuen sich (von links) Burkhard Busemann und Udo Hahlhege, Kurt Fandrey, Dr. Walter Jesse, Malte Dahlhoff, Klaus Tillmann und Hans-Peter Vogelhofer.

Bad Sassendorf - Nach einer längeren Pause können ab sofort in Bad Sassendorf wieder Moor-Anwendungen verabreicht werden. Die Verantwortlichen stellten nun vor, wie das Comeback der Moorpackung funktioniert.

Lukas Grave bekommt als Erster eine Packung ab. Nicht die volle, die den ganzen Rücken abdecken würde, nur die halbe, denn es ist ja nur zum Zweck der Demonstration. Der junge Mann hat ja auch keine Rückenprobleme, als Badeaufsicht hat er von Berufs wegen eine gute Rückenmuskulatur.

Aber als „Vorführobjekt“ bekommt er jetzt einfach mal eine Moorpackung, die waren früher ein Kerngeschäft im Kurort. „Das Moor hat Bad Sassendorf erst zu dem gemacht, was der Ort heute ist“, betont Bürgermeister Malte Dahlhoff. „Jedoch hat sich nun einmal gezeigt, dass sich der technische Zyklus im Kurmittelhaus dem Ende zuneigte. Eine neue Mooranlage ließ sich aber wirtschaftlich nicht umsetzen“, denn den Kosten stand eine deutlich nachlassende Nachfrage gegenüber – nur sieben Prozent dessen, was in Spitzenzeiten von den Ärzten verordnet wurde. Und so gab es eine ganze Weile kein Moor mehr – bis jetzt. Ganz weg war es nie, aber eine Weile schwirrte es eben nur noch als Idee durch die Köpfe der Kurbetriebe. 

Einer, der immer noch sehr viel von heilenden Wirkungen der Schlammpackungen hält und sich für den Erhalt einsetzte, ist der Bad Sassendorfer Arzt Dr. Walter Jesse. „Ich gebe zu, ich habe von Anfang etwas genervt, als bekannt wurde, dass die Mooranwendungen eingestellt werden sollten“, räumt der Mediziner ein, „aber es gab in der Zwischenzeit Patienten, die nicht buchten, weil es kein Moor mehr gab. Insofern freut es mich, dass wir die ortsgebundenen Heilmittel Moor und Sole auch über das reine Thermalbad hinaus installieren können.“

Abbau findet weiter in der Woeste statt

Das Novum, das die Verantwortlichen am Donnerstag vorstellten, besteht darin, dass die heilbringende Schlacke von Couppée, einem externen Unternehmen aus Bad Pyrmont, das sich auf die Herstellung von Heilmoor- und Fangoerzeugnissen spezialisiert hat, in der Woeste abgebaut und zu Platten verarbeitet wird. „Unten drunter ist eine Folie, drüber ist ein Vlies, das alle Mineralien und Bestandteile durchlässt, sodass der Körper sie genauso über die Poren aufnehmen und in die Blutbahnen weitergeben kann wie früher, als das Moor noch als Brei aufgelegt wurde“, erklärt Burkhard Busemann. Er leitet mit seinem Kollegen Udo Hahlhege das Medy Well in der Soletherme – der zweite Kooperationspartner neben Couppée. Hier werden die Anwendungen künftig durchgeführt werden. „Es ist alles eingerichtet, wir können schon in den nächsten Tagen starten,“ verspricht Hahlhege.

Zulassung dauerte länger als geplant

Das sei allerdings später als erhofft, gibt Hans-Peter Vogelhofer, Geschäftsführer der Soletherme, zu: „Wir hatten uns das alles viel leichter vorgestellt, zum Beispiel, die entsprechende Krankenhaus-Zulassung zu bekommen. Es hat wirklich bis Anfang Januar gedauert, bis wir die frohe Nachricht von den Kassen bekamen und wollen jetzt möglichst schnell starten.“ 

Indes wird Lukas Grave auf Betriebstemperatur gebracht. „Unter der Platte liegt ein Wärmeträger, der die Wärme bei 48 Grad hält“, fährt Busemann fort. Der junge Mann legt sich mit blankem Oberkörper auf die Moorpackung, wird von Busemann in ein Handtuch „verpuppt“. 20 Minuten liegt man dann in der Regel da. Es ist ohnehin gut geheizt im Medy Well, Grave kommt nun ordentlich ins Schwitzen. „Eine wunderbare, angenehme Wärme“, schwärmt er hinterher, „es hat auf jeden Fall die Muskulatur gelockert, und indem sich die Moorplatte dem Rücken anpasst, liegt man auch sehr bequem.“

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