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Mahnmal für „Verschickungskinder“ im Gespräch

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So wie die Kinder dieser Skulptur im Kurpark sich um das Wohlergehen des kleinen Vogels sorgen, sollten auch die Kurkinder behütet sein. Daran, dass manche „Verschickungskinder“ durch die Kur eher traumatisiert wurden, soll die geplante neue Skulptur erinnern.
So wie die Kinder dieser Skulptur im Kurpark sich um das Wohlergehen des kleinen Vogels sorgen, sollten auch die Kurkinder behütet sein. Daran, dass manche „Verschickungskinder“ durch die Kur eher traumatisiert wurden, soll die geplante neue Skulptur erinnern. © Peter Dahm

Die Kurortgemeinde erörtert derzeit die Aufstellung eines Kunstwerks zum Thema Kinderkurwesen. Insbesondere soll damit zur Diskussion über das Schicksal der „Verschickungskinder“ angeregt werden.

Bad Sassendorf – Das berichtet die Gemeindeverwaltung in der Vorlage für den Sozialausschuss. Vorgesehen ist demnach in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Generationen, Soziales, Schule und Sport (AGSSS) die Vorstellung des Leader-Projekts „Erinnerungsskulptur Kinderkuren“. Damit soll an die Geschichte der Betroffenen erinnert werden, die ihre „Verschickung“ mit bisweilen traumatisierenden Erfahrungen verbinden. Ziel ist laut Vorlage, dieses Leid anzuerkennen und in der Region einen Gesprächs- und Diskussionsort zu bieten.

Dazu plane der Förderverein Westfälische Salzwelten, an zentraler Stelle im Kurpark die Skulptur „Wundmal“ der Künstlerin Heike Fischer-Nagel als Bronze mit einem Sockel auf Grünsandstein aufzustellen. Die Skulptur könne dadurch ein Erinnerungsort werden, der über das Thema informiert und zur Diskussion anregt, heißt es in der Vorlage.

Zur Erläuterung werde eine Informationstafel aufgestellt, auf der die wichtigsten Informationen zu den Kinderkuren in Bad Sassendorf dargestellt werden. Zudem sollen ehemalige Betroffene über die Schautafel Kontakte zur Initiative der Aufarbeitung der Kinderverschickungen in NRW erhalten.

Die Vorlage für den Ausschuss erinnert zudem daran, dass die ersten Kinderkureinrichtungen im Ort in den 1870er-Jahren entstanden sind. Bis in die 1950er-Jahre seien tausende Kinder zu Heil- und Erholungskuren nach Bad Sassendorf in die Heime unterschiedlicher Träger verschickt worden. Über die Kuren gebe es aber nicht nur positive Berichte. Viele Betroffene hätten im Rahmen ihrer Kur Gewalt oder Missbrauch erlebt. In der Sitzung des Sozialausschusses wird Museumsleiterin Jeanette Metz von den Westfälischen Salzwelten einen Überblick über das Vorhaben und den Leader-Antrag geben.

Der Kurort Bad Sassendorf hat das Thema der Verschickungskinder bereits auf verschiedene Weise aufgegriffen. Insbesondere wurde in Kooperation der Westfälischen Salzwelten mit der Uni Münster eine Befragung einstiger Kurkinder durchgeführt, um auf dieser Grundlage wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten. Zudem wurde ein digital unterstützter Rundgang durch den Ort entwickelt, der wesentliche Inhalte an ausgewählten Stationen aus der Sicht eines Kurkindes darstellt. Nicht zuletzt fand im September 2022 im Tagungszentrum der vierte Fachkongress zum Thema „Das Elend der Verschickungskinder“ statt. Dabei hielt Dr. Lena Krull von der Uni Münster auf dem Kongress den Vortrag „Kinderkurheime in Bad Sassendorf. Forschungsergebnisse und Aufarbeitung im Ort“.

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Ausstellung unter dem Thema „Wunde Würde – bedrängte Erinnerung: Verschickungskinder“ mit Werken von Heike Fischer-Nagel, die während des Kongresses im Tagungszentrum gezeigt wurde. Über die Künstlerin Heike Fischer-Nagel und ihre Werke informiert diese Internetseite. Die öffentliche Sitzung des AGSSS findet am Dienstag, 14. November, ab 17 Uhr im Tagungszentrum statt. Die Vorlage ist hier einsehbar.

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