Wegen Corona 

Leonie Bertram muss Argentinien früher verlassen

Leonie Bertram musste wegen der Krise vorzeitig aus Argentinien nach Deutschland zurückkehren.
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Leonie Bertram musste wegen der Krise vorzeitig aus Argentinien nach Deutschland zurückkehren.

So hatte sich Leonie Bertram ihren Abschied von Südamerika nicht vorgestellt. Doch Corona sorgte für ein rasches Ende.

Bad Sassendorf – Sie wäre auch noch gerne länger geblieben, um im Stadtviertel von Manuel Alberti (Großraum Buenos Aires) in einem gemeinnützigen Projekt zu helfen. Doch das sich rasch verbreitende Coronavirus machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Die junge Bad Sassendorferin trat entgegen ihrer Pläne vorzeitig die Heimreise an, allerdings betont sie: „Das Kapitel Argentinien ist für mich noch nicht abgeschlossen, und ich weiß ganz sicher, dass ich irgendwann zurückkehren werde.“

Mit dem Abi in der Tasche stand für Leonie Bertram fest: Sie möchte sich als Freiwillige sozial engagieren. Deshalb bewarb sie sich beim Weltwärts-Dienst und kümmerte sich 10 000 Kilometer von zuhause entfernt um Kinder und Jugendliche – eine Zeit, an die sie noch lange zurückdenken wird, so gut hat es ihr gefallen. Vor allem die Kinder, die sie begleitete, sind ihr ans Herz gewachsen. Jeden Morgen haben die „kleinen Sonnenscheine“ sie mit einem strahlendem Lächeln und einem Kuss auf die Wange begrüßt, schildert die 19-Jährige. Ab Mitte März allerdings hieß es, Abstand zu halten. Leonie Bertram erzählt: „Stattdessen gab man sich einen Ellenbogen- oder Fußkick, und manche Kinder haben sogar eine Begrüßungs-choreografie eingeübt.“ 

Videos vermittelten das richtige Händewaschen, in der Küche seien zur Sicherheit Handschuhe getragen wurden, erzählt die Helferin weiter. „Allerdings waren diese Maßnahmen irgendwann nicht mehr ausreichend, deshalb wurden Schulen, Freizeitangebote und andere Einrichtungen geschlossen“, fügt sie hinzu. Das galt auch für die Tagesstätte von „Personitas“, in der Leonie Bertram tätig war. Kinder aus der Nachbarschaft bekommen dort regelmäßige Mahlzeiten, ebenso stehen Hausaufgabenbetreuung, Sport, Kunst, Theater, Nähkurse und einiges mehr auf dem Programm. Für die Bad Sassendorferin bedeuteten die nun geltenden Einschränkungen: Von einem Tag auf den anderen durfte sie nicht mehr mit den Kindern arbeiten. 

Das fiel ihr sehr schwer. Es war ihr aber auch nicht mehr möglich, ihre Hobbys auszuüben, wie das Salsatanzen und Rollschuhlaufen. Dennoch gab es einen Weg, weiterhin für die Menschen in ihrem Umfeld da zu sein. Leonie Bertram: „Eine Aufgabe hatten meine Mitfreiwillige Iris und ich allerdings noch. Denn damit die Familien ihre Kinder versorgen konnten, haben wir Lebensmitteltüten mit Grundnahrungsmitteln gepackt und verteilt.“ 

Doch dann hieß es, die Koffer zu packen, in den Flieger zu steigen sowie das Land und den Kontinent zu verlassen. Die Entsendeorganisation IN VIA Köln schickte eine Mail und teilte mit, dass alle so schnell wie möglich nach Deutschland zurückkommen müssen. Ein „großer Schock“ für Leonie Bertram und die anderen Freiwilligen. Sie schreibt: „Die Nachricht kam ziemlich unerwartet, denn die Lage in Argentinien war und ist deutlich besser als in Europa.“ 

Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wie lange er noch bleibt und wann er wieder heimischen Boden betreten wird. Der Flugverkehr nach Europa lag einstweilen brach, einen konkreten Start-Termin gab es nicht. Da es aber jeden Moment soweit sein konnte und der Aufbruch dann zügig vonstatten gehen musste, galt es, seine Siebensachen im Gepäck zu verstauen und den wichtigsten Leuten schon einmal Lebewohl zu sagen. 

Über den Abschluss ihres Aufenthaltes berichtet die Bad Sassendorferin: „Bereits drei Tage später hat die Regierung die Cuarentena total – also die totale Ausgangssperre – beschlossen. Deshalb durften wir das Haus nur noch zum Einkaufen verlassen, und ich konnte mich von den Kindern und den meisten Freunden nicht mehr verabschieden.“ 

Die kommerziellen Linien stoppten ihre Maschinen ständig. „Wir mussten die Rückholflüge der deutschen Botschaft abwarten“, erläutert Leonie Bertram. Die Gruppe wusste die Zeit zu nutzen: Die Außenwände ihrer Wirkungsstätte wurden bemalt und Karten an die Familien geschrieben, verbunden mit vielen guten Wünschen und die Hoffnung, sich noch einmal wiederzusehen. Dann machten sie sich auf den Weg und riefen ein letztes Mal „Adios“.

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