Landwirt ärgert sich über Ross und Reiter auf Abwegen

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Vorbildlich: Andrea Kerkhoff hat für ihren Jolly Jumper die neue Reitplakette bereits erworben. So steht einem Ausritt in Wald und Flur nichts im Wege.

Bad Sassendorf - Uneinsichtige Reiter, die durch Blühstreifen reiten, Naturschutzgebiete passieren und noch dazu keine Einsicht zeigen. Landwirt Ulrich Schulte ärgert sich über das Verhalten einiger Pferdefreunde, die damit die ganze Zunft in Verruf bringen. Neben der Landwirtschaft betreibt er eine Pferdepension.

Als Ulrich Schulte abends gegen halb neun sein Feld zwischen Weslarn und Brockhausen direkt am Naturschutzgebiet beobachtet, traut er seinen Augen nicht. „Da reitet eine Frau auf ihrem Pferd direkt über den Blühstreifen am Rand meines Feldes“, erinnert sich der Weslarner Landwirt. 

Mehr noch: Am Ende des Feldes reitet die Frau weiter, macht wegen eines umgefallenen Baumes eine Tour durchs Rübenfeld und bleibt schließlich vor dem Landwirt stehen. „Sie meinte dann, da wäre doch im Frühjahr ein Trampelpfad gewesen und deshalb sei das doch wohl in Ordnung“, sagt Schulte. 

Dass der Ritt durch Blumen, noch dazu am Naturschutzgebiet auf einem privaten Feld tabu sein sollte, das sah die Reiterin nicht ein. Es sind Vorfälle wie diese, die Schulte ärgern. Und auch Ehefrau Karin ereifert sich: „Manche sitzen im wahrsten Sinne des Wortes auf einem hohen Ross – und bringen damit die ganze Zunft in Verruf.“ 

Karin Schulte gibt Reitstunden in der heimischen „Pferdepension Schulte“, achtet dabei darauf, dass die „guten Sitten“ verinnerlicht werden. Dazu gehört ihrer Meinung nach unbedingt auch, dass Reiter die Hinterlassenschaften ihrer Pferde nach dem Ausritt beseitigen. „Die Zeiten, in denen sich die Leute über den kostenlosen Dünger für ihren Garten gefreut haben, sind vorbei“, sagt sie. Und auch hier gelte: Einige Uneinsichtige verderben das Image aller Reiter. 

Für die gilt grundsätzlich: Beim Reiten in der freien Landschaft oder im Wald muss ein gültiges Reitkennzeichen mitgeführt werden. Die Pflicht besteht für private und öffentliche Straßen und Wege. Wo ist das Reiten erlaubt? Generell ist das Reiten in der freien Landschaft, auf öffentlichen Verkehrsflächen und auf privaten Straßen und Wegen erlaubt. Zur freien Landschaft gehört nicht der Wald. Hier ist das Reiten auf den öffentlichen Verkehrsflächen und gekennzeichneten Reitwegen sowie auf den privaten Straßen und Fahrwegen gestattet. 

Fahrwege sind befestigte oder naturfeste Waldwirtschaftswege. Diese Wege sind in der Regel so breit, dass eine gefahrlose Begegnung zwischen Reitern und anderen Erholungssuchenden möglich ist. Wo ist das Reiten grundsätzlich nicht erlaubt? Nach Angaben des Kreises Soest dürfen Reiter im Wald abseits von Straßen und Wegen nicht unterwegs sein; ebenso wenig wie im Wald auf Trampelpfaden, Wanderwegen oder sonstigen Wegen, die nach Anlage und Beschaffenheit nicht für den Fahrverkehr bestimmt sind; tabu sind zudem Ausflüge außerhalb von Straßen und Wegen in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten und geschützten Biotopen. 

Der Reiter sollte natürlich auch die zivilrechtlichen Beschränkungen beachten. Für das Reiten in fremden Hofräumen, Parkanlagen oder Gärten ist stets das Einverständnis des jeweiligen Grundstückseigentümers erforderlich. „Wir erlauben das Reiten auf unseren Stoppelfeldern grundsätzlich“, sagt Ulrich Schulte. Dafür erwarte er aber auch, dass Bepflanzungen und Tabu-Zonen von den Reitern respektiert würden. Für den Mann bleibt das Reiten ein Spagat: Als Landwirt will er seine Felder schützen, als Betreiber einer Pferdepension seinen Reitern gute Bedingungen bieten.

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