Probleme mit dem Vergleich

Steiniger Weg bis zum Schadenersatz von VW

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Die Freude an seinem Fahrzeug ist Kurt Fandrey gründlich vergangen.

VW-Kunde Kurt Fandrey aus Bad Sassendorf wird wütend, wenn er an die Geschichte denkt. Trotz des Vergleichs, auf den sich der VW-Konzern aufgrund der Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen verständigt hat, ging es nicht voran.

Bad Sassendorf – Auch Fandrey hatte sich der Musterfeststellungsklage angeschlossen, und gemäß dem vor Gericht erstrittenen Vergleich hatten die betreffenden VW-Kunden bis zum 30. April 2020 Zeit, um sich ein Vergleichsangebot von VW unterbreiten zu lassen. Also unternahm Fandrey verschiedene Versuche, fristgemäß mit dem Autobauer Kontakt aufzunehmen. Mit den Zugangsdaten, die VW dem Kunden mitgeteilt hatte, konnte Fandrey sich auf dem Internetportal trotz vieler Versuche nicht anmelden. Daraufhin schickte er die Unterlagen mit dem Datum 19. März per Einschreiben mit Rückschein an die von VW eingerichtete Anlaufstelle „Mein VW Vergleich“ in Oldenburg. „In dem Schreiben war alles drin“, sagt Fandrey, den Zustellnachweis hat er erhalten und abgeheftet. Eine Annahme des Vergleichsangebots durch den Autobauer kam aber nicht zurück. 

Einschreiben wird ignoriert

Daraufhin schickte Fandrey mit Datum vom 30. März ein weiteres Schreiben. VW behaupte aber weiterhin, dass die Angaben nicht vorliegen würden. Der Vorgang könne nicht nachvollzogen werden. Fandrey hat den Schlichtungsantrag durch seine Rechtsanwältin daher erneut bei VW vortragen lassen. Der Bad Sassendorfer hat inzwischen den Eindruck, dass der VW-Konzern die Käufer hängen lässt: „Die hebeln den Rechtsstaat aus“, findet er. Dass der Konzern Einschreiben per Rückschein ignoriert, sei nicht hinnehmbar. Nicht nur ihm, sondern vielen anderen VW-Kunden ergehe es ebenso, berichtet Fandrey, der sich als SPD-Mitglied im Gemeinderat und als stellvertretender Bürgermeister für die Gemeinde engagiert. Das Vertrauen der Bürger in den Staat werde erschüttert. Diese Befürchtungen hat er inzwischen auch an die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten der SPD, Marlies Stotz und Wolfgang Hellmich, geschildert. In dieser E-Mail heißt es unter anderem: „Rechtsstaatliche Mittel wie Einschreiben, derer sich der Bürger ordnungsgemäß bedient, setzt VW außer Kraft, das darf und kann nicht so weiter gehen.“ 

VW bestätigt Probleme

Stotz habe wegen der Zuständigkeit auf den Bund verwiesen, das Büro Hellmichs habe die Erlaubnis eingeholt, Fandreys Unterlagen in dem zuständigen Bundestagsausschuss vorlegen zu dürfen. Und was sagt VW? Nicolai Laude, Communication Manager der Volkswagen AG, bestätigt, dass es in einzelnen Fällen Probleme bei der Registrierung der Kunden auf der Online-Plattform gab. Angesichts von 240 000 Menschen, die an dem Vergleichsverfahren teilgenommen haben, sei es nicht immer zu 100 Prozent so gelaufen wie wünschenswert. Auch bat er um Verständnis, dass bei den vielen zehntausend Mitarbeitern von VW Einschreiben womöglich nicht ordnungsgemäß weiter geleitet wurden. VW sei aber an einer Abwicklung interessiert und daher bereit, den Fall Fandreys zu prüfen: „Wenn die Voraussetzungen für einen Vergleich gegeben sind, dann kriegen wir das auch hin.“ 

Spaß am Auto verloren

Daher bot Laude an, dass sich Fandrey direkt an ihn wenden kann. Ein Angebot, das der Bad Sassendorfer wahrnehmen will. Vielleicht kann die Angelegenheit durch dieses unerwartete Angebot erledigt werden. Klar ist aber auch, dass Fandrey die Freude an seinem VW Tiguan längst verloren hat: „Das Auto fährt, keine Frage, aber ich hab’ eine Dreckschleuder, und das gefällt mir nicht.“

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