Bad Sassendorf liegt mit dem neuen Gradierwerk voll im Trend

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Mit Wandelgängen auf zwei Etagen, Aufzug und Aussichtsplattform, dazu noch Saunakabine und -ruheräume plus die Nutzung der konzentrierten Sole im Schwebebecken bietet das noch nicht ganz fertige Bad Sassendorfer Gradierwerk viele verschiedene Möglichkeiten, das Bauwerk und seine Funktion zu erleben.

Bad Sassendorf – Eigentlich sind Gradierwerke technische Anlagen, um die Sole durch Verdunstung des Wassers stärker zu konzentrieren. Dass sich im Umfeld der Gradierwerke wegen der salzhaltigen Luft eine gesundheitsfördernde Wirkung einstellt, war anfangs nicht mehr ein Nebeneffekt. Salzproduktion in Siedepfannen gibt es heute kaum noch, Gradierhäuser werden für ihren eigentlichen Zweck nicht mehr gebraucht, der wohltuende Effekt und die touristische Anziehungskraft wirken aber nach wie vor. Dieser Nutzungswandel hat zur Folge, dass Gradierwerke heutzutage wie in Bad Sassendorf eher mit dem Erlebnisfaktor verbunden sind.

Die Gemeinde liegt mit ihrem neuen Gradierwerk und seinen vielfältigen und teils einzigartigen Funktionen wie der Nutzung der konzentrierten Sole im Schwebebecken somit voll im Trend. Ein Beispiel für ein „Erlebnis-Gradierwerk“ ist das 2007 neu errichtete Gradierwerk I in Bad Salzuflen, mit dem das 1767 durch den Salinenexperten Joachim Friedrich Freiherr von Beust errichtete älteste Gradierwerk Salzuflens ersetzt wurde. Das 80 Meter lange Bauwerk bietet in neun Metern Höhe eine Aussichtsplattform und im Inneren eine Sole-Nebelkammer. 

Die Sole-Arena in Bad Essen prägt dieses außergewöhnlich gestaltete Gradierwerk.

Wie in Bad Salzuflen werden Gradierwerke in historischen Sälzerorten oft in der überlieferten, „linearen“ Form saniert oder neu errichtet, zum einen aus Tradition, zum anderen wegen der vorhandenen Fundamente oder Solereservoirs, die weiter genutzt werden. Auch das neue Bad Sassendorfer Gradierwerk entspricht deshalb etwa den Grundabmessungen des Vorgängers. 

An Standorten, wo es die Tradition des Salzsiedens oder Vorgängerbauten nicht gibt, wird die Form eines Gradierwerks bisweilen deutlich freier definiert. Ein spektakuläres Beispiel ist die Sole-Arena in dem am Nordhang des Wiehengebirges gelegenen Bad Essen. Die Sole-Arena, geplant von der „ARGE Laga Bad Essen“ besteht aus einem zu einem Dreieck „gebogenen“ Gradierwerk, das zur niedersächsischen Landesgartenschau im Jahr 2010 errichtet wurde. Unregelmäßig geformte Rundungen bieten einen Zugang in den Innenraum, der mit Sitzbänken als Inhalatorium dient. Gewürdigt wurde diese außergewöhnliche Gestaltung mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2010. 

Der Grundriss des Gradierwerks in Kevelaer ist von der Jakobsmuschel abgeleitet.

Außergewöhnlich gestaltet ist auch das im Bau befindliche Gradierwerk der Wallfahrtsstadt Kevelaer am Niederrhein. Der Bau besteht aus fünf halbrunden nebeneinander stehenden Türmen aus Gradierwänden, die auf der Innenseite offen sind. Der Grundriss wurde von der Form der Pilgermuschel abgeleitet, schließlich führt auch eine Trasse des Jakobswegs über Kevelaer, so Sandra Kimm-Hamacher, von der Abteilung Tourismus Kultur der Stadt Kevelaer. Der im Bau befindliche Solegarten, in dem eine in den 1990er Jahre erschlossene Solebohrung genutzt wird, soll die Aspekte Gesundheit und Spiritualität verknüpfen. 

Eine interessante Mischung aus traditioneller Form und interessanten Akzenten bietet das Gradierwerk in Hamm, das aus einem linearen Hauptbau und einem turmartigen Rundbau besteht, zwischen beiden Teilen gibt es einen Durchgang, an der Ostseite lädt ein überdachter Wandelgang zum Verweilen ein. Auch der berühmte polnische Salzort Wieliczka bei Krakau kann übrigens mit einem Gradierwerk mit kurvigen statt linearen Gradierwänden und einem Rundturm aus Schwarzdornwänden aufwarten. 

Da es sich bei der Errichtung von Gradierwerken als Sonderbauten um ein ausgesprochenes Spezialgebiet handelt, trifft man übrigens immer wieder auf „alte Bekannte“. Architekt Peter Grund und das Team vom Architekturbüro Groger, Grund und Schmidt aus Kassel haben nicht nur das Gradierwerk in Bad Sassendorf, sondern zum Beispiel auch diejenigen in Bad Hamm und in Kevelaer geplant. Und die Firma Zimmerei und Lehmbau Langer aus Zwönitz, die das Sassendorfer Gradierwerk errichtet hat, zeichnete auch für die Zimmererarbeiten für die Sole-Arena in Bad Essen verantwortlich.

Wirkungsweise von Gradierwerken

Gradierwerke wurden ursprünglich genutzt, um den Salzgehalt der Sole zu erhöhen und beim Salzsieden Brennstoff einzusparen. Heute dienen sie gesundheitlichen Zwecken. An den stark verzeigten und spitzen Schwarzdornzweigen rieselt die Sole herab, dabei verdunstet ein Teil des Wassers, zudem wird ein gewisser Anteil der Sole zerstäubt. Die dadurch angereicherte Luft hat heilende Effekte bei Atemwegserkrankungen, zudem ist es an Gradierwerken wegen der Verdunstungskälte an heißen Tagen angenehm kühl.

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