Marihuana-Plantagen

Wenn die Nachbarn das Gras schon riechen können - Dreistes Drogen-Duo vor Gericht

Hanfpflanzen
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Hanfpflanzen (Symbolbild)

Ein Duo aus dem Kreis Soest wollte wohl im großen Stile ins illegale Geschäft mit Marihuana einsteigen und legten Plantagen an - doch sie verhielten sich ein bisschen zu auffällig. Jetzt stehen sie in Paderborn vor Gericht.

Bad Sassendorf/Paderborn - Es ist das Erfolgsrezept vieler Verbrecher: Nicht auffallen. Da kann man noch so professionell agieren beim Aufbau und Betrieb von Cannabis-Plantagen – wenn die Nachbarn Lunte, oder besser Marihuana riechen, dann wird’s eng. Und deshalb sitzen jetzt drei aus dem Iran stammende Männer, zwei von ihnen leben in Bad Sassendorf, in Paderborn auf der Anklagebank. Sie sollen gleich zwei illegale Drogenplantagen betrieben haben – mitten in der dörflichen Idylle im Kreis Höxter.

Nicht auffallen, das heißt auf dem Dorf: keine Fliesen Monate lang vor der Tür stapeln, keinen hässlichen Bretterzaun auf des Nachbarn Grundstücksgrenze stellen, keinen Marihuana-Geruch im Ort verbreiten, vielleicht auch besser nicht allzu oft Besucher mit fremden Autokennzeichen empfangen.

Ende Oktober vergangenen Jahres waren beide Plantagen zeitgleich miteinander aufgeflogen, unter anderem weil den Anwohnern eben die gerade genannten Dinge komisch vorgekommen waren. In Nieheim-Sommersell stellte die Polizei etwa 180 Cannabis-Pflanzen sicher mit einem Ertrag von annähernd zehn Kilogramm Marihuana, in Brakel-Hembsen waren es rund 14,4 Kilogramm Marihuana, die Ermittler gehen von mehr als 570 Pflanzen aus, die dort gezüchtet und abgeerntet worden seien. Fast 290.000 Euro wären die Drogen im Straßenverkauf wert gewesen. In beiden Fällen waren die seit längerem leer stehenden Wohnhäuser von ortsfremden Personen angekauft worden, die später dort – zumindest nach außen sichtbar – Renovierungsarbeiten durchgeführt hätten.

Dreistes Drogen-Duo vor Gericht: Zwei Sassendorer und ein Niederländer auf Anklagebank

Angeklagt als Bande sind C., ein 49 Jahre alter Iraner angeblich mit Wohnsitz in Den Haag, sowie zwei Männer aus Bad Sassendorf (34 und 35, B. und D., Namen geändert). Ermittelt wird noch gegen die Verlobte von B., ebenfalls aus Bad Sassendorf: Sie soll das Haus in Sommersell gekauft haben – dass sie die Frau ist, die während des mutmaßlichen Plantagenbetriebs dort regelmäßig mit einem Hund gesehen wurde, steht im Raum.

So professionell die Plantagen technisch aufgebaut gewesen sein sollen, so wenig hatten sich deren Betreiber offensichtlich an den alten Kriminellen-Grundsatz, nicht aufzufallen. Ein flugs aufgebauter Bretterzaun entwickelte sich statt zum Sichtschutz aufgrund seiner Hässlichkeit zum dorfbekannten Hingucker.

Dreistes Drogen-Duo vor Gericht: „Extremer Geruch“ von Marihuana

Ein Anwohner berichtete, dass ihm beim täglichen Spaziergang mit dem Hund vor dem Haus der „extreme Geruch“ nach Marihuana auffiel – den habe er sich nämlich nach einem Besuch in Amsterdam gemerkt, wo es ähnlich gerochen habe. Den letzten entscheidenden Hinweis hatte wohl ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts gegeben, der – rein privat – samstags abends in einem Elektrofachgeschäft zwei der Männer – mutmaßlich C. und B. –wiedererkannt hatte: Die hätten gleich drei Panzersicherungen dort gekauft, obwohl die ja nur von Fachkräften eingebaut werden dürften.

Bislang hüllen sich die drei Angeklagten in Schweigen, weitgehend. Denn nach einem Rechtsgespräch bot die Kammer ihnen Haftstrafen zwischen zwei und viereinhalb Jahren an, je nach Tatbeteiligung, sofern die Männer ein Geständnis ablegen würden. Ob sie auf das Angebot eingehen, wollen die Verteidiger am nächsten Prozesstag bekannt geben. Das alles hielt den mutmaßlichen Haupttäter C. nicht davon ab, bereits jetzt in der Beweisaufnahme seinerseits mehrere Zeugen befragen zu wollen – laut Strafprozessordnung sein gutes Recht.

Ob es an seinem Analphabetismus oder einer langen Leitung liegt: Statt Fragen an die Zeugen kamen dann diverse eigene Angaben zu deren Aussagen, über die die Kammer sichtlich erfreut war. „Das Auto habe immer ich gefahren“, versuchte er die Darstellung eines Beobachters zu korrigieren, der sich erinnert hatte, „ein jüngerer Mann“ habe stets am Steuer des schwarzen Mercedes gesessen. „Ich habe gar nicht geredet, B. hat gesprochen“, widersprach er der Begebenheit im Elektroladen – „schön dass wir jetzt wissen, dass Herr B. dabei war“, lobte Vorsitzende Richterin Anne Zacharias die Bemühungen des Angeklagten um weitere Aufklärung von Details.

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