Kinderfachklinik blickt dank Bettenneubau auf fester Basis in die Zukunft

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Die Johanniter ziehen bei der Kinderfachklinik an einem Strang (vorne von links): Kommendator Wolf-Friedrich von Dallwitz, Dr. Joachim Belz, Herrenmeister Oskar Prinz von Preußen, Albert Simons von Bockum-Dolffs und Geschäftsführer Frank Böker. Grußworte sprachen Stellvertretende Landrätin Irmgard Soldat sowie (hinten von links) Bürgermeister Malte Dahlhoff und Andreas Petermann von der Deutschen Rentenversicherung.

Bad Sassendorf – „Unsere Reha rettet kein Leben – aber Lebensläufe.“ Mit diesen Worten, zitiert nach Chefarzt Dr. Matthias Kaminski, umschrieb Geschäftsführer Frank Böker die Aufgaben der Kinderfachklinik. Und für diese Arbeit ist die Traditionseinrichtung in Bad Sassendorf für die nächsten Jahre gerüstet, mit der offiziellen Einweihung des Neubaus am Mittwoch verfügt die Klinik inzwischen über ansprechende und moderne Zweibettzimmer für die jungen Patienten und gegebenenfalls für Begleitpersonen wie ein Elternteil.

Auf dieser Grundlage gelte es nun, die Rahmenbedingungen für eine gute Arbeit weiter zu entwickeln, so Böker. Als wichtiges Stichwort führte er die Flexibilisierung der Reha-Angebote um ambulante Hilfen an. Zudem gelte es die Konzepte und Maßnahmen der psychosomatisch ausgerichteten Kinderfachklinik anzupassen. Bedarf sei jedenfalls da, die Zahl der psychisch auffälligen Kinder steige in Deutschland leider. 

Wie die Einrichtung sich immer wieder an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit anpassen musste, schilderte Kurator Albert Simons von Bockum-Dolffs vom Stiftungsrat. Er erinnerte daran, dass die Geschichte der 1877 gegründeten „Kinderheilanstalt“ mit sieben Kurkindern begann, schon 13 Jahre später habe die Kinderheilanstalt über 380 Betten verfügt. 

Kriegsbedingte Einschränkungen, Wirtschaftskrisen, Materialengpässe mussten bis in die 1950er Jahre bewältigt werden, unter anderem durch den findigen Einsatz der vor Ort vorhandenen natürlichen Heilmittel. So seien nach dem Zweiten Weltkrieg die salzhaltigen Dämpfe einer reaktivierten Siedepfanne und die Ammoniakausdünstungen von rund um die Siedepfanne ausgestreutem Pferdemist genutzt worden, um die Atemwege der Kinder frei zu bekommen, kraftvoll zu intonierende Kirchenlieder gaben den zusätzlichen Anreiz tief Luft zu holen. 

Der Chor der Kinderfachklinik beziehnungsweise der Schule an der Rosenau trug unter anderem das Lied „Lieblingsmensch“ vor.

Statt auf solche improvisierten Behandlungsweisen stehen heute aktuelle Behandlungsformen an, unter anderem gilt es den Kindern neues Selbstwertgefühl und Hilfe bei psychosomatischen Störungen zu vermitteln. Damit, so Oskar Prinz von Preußen, der Herrenmeister des evangelischen Johanniterordens, entspreche die Klinik auf vortreffliche Weise dem christlichen Leitbild des Ordens. Die Erweiterung um die Kinderfachklinik stelle für die Johanniter eine echte Bereicherung dar. 

Diesen positiven Einschätzungen schlossen sich Andreas Petermann, Deutsche Rentenversicherung Bund, die stellvertretende Landrätin Irmgard Soldat und Bürgermeister Malte Dahlhoff in ihren Grußworten an. Und dass diese Einschätzung der Klinikarbeit passt, verdeutlichten die jungen Patienten selbst mit mitreißenden Trommelstücken und Liedern wie „Lieblingsmensch“. Eine Zeile daraus passt ganz sicher auch als Lob an die Kinderfachklinik: „Bei dir kann ich ich sein, verträumt und verrückt sein...“

Meilensteine in der Entwicklung der Kinderfachklinik

Die Kinderfachklinik ist eine Keimzelle des Kurbetriebs in Sassendorf. Die 1877 durch den Salzbeerbten und Johanniter-Ritter Franz von Bockum genannt Dolffs gegründete Kinderheilanstalt war der Inneren Mission und der Diakonie verbunden. Zum 1. April 2017 kam die Einrichtung als „Kinderfachklinik Bad Sassendorf GmbH“ als Tochtergesellschaft unters Dach der Johanniter Ordenshäuser. Gleichzeitig soll dieser Übergang sicherstellen, dass der Stiftungszweck, die Hilfe für bedürftige Kinder, weiter gewahrt wird. Albert Simons von Bockum-Dolffs ist heute als Vertreter der Gründungsfamilie Mitglied des Stiftungsrats.

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