Kaum Lockerungen: Gastronomen sind frustriert

Corona-Regeln für die Tourismusbranche stoßen im Kreis Soest auf Unverständnis

Außengastronomie könnte ab dem 22. März wieder möglich werden, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz dies hergibt.

Nach vier Monaten Lockdown waren die Hoffnungen von Tourismus und Gastronomie auf Lockerungen groß. Die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch haben jedoch auf breiter Front Frust bewirkt. Allenfalls vage Hoffnungen ruhen darauf, dass die Außengastronomie ab dem 22. März wieder öffnen kann, sollte die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegen. Bei einem Wert zwischen 50 und 100 muss ein Schnelltest vorliegen und der Tisch vorbestellt werden.

Bad Sassendorf – Was Ferienreisen oder Hotelübernachtungen angeht, ist noch gar nichts absehbar. Darüber soll erst auf der nächsten Ministerpräsidentenrunde am 22. März beraten werden. Die angekündigten schrittweisen Lockerungen gehen somit fast vollständig am Gastgewerbe vorbei. Diese Ergebnisse seien für die Tourismusbranche enttäuschend, sagt Marketingleiter Olaf Bredensteiner.

Unverständlich sei vor allem, dass die Pandemie-Lage bezüglich dieser Betriebe so undifferenziert betrachtet werde. „Wieso kann ich mich nicht ins Auto setzen, und am Urlaubsort eine Ferienwohnung beziehen?“, lautet eine seiner rhetorischen Fragen, eine andere: „Im Supermarkt stecke ich mich nicht an, beim Kauf eines Pullovers im Fachgeschäft aber doch?“ So entstehe der Eindruck, dass Tourismus und Gastronomie als Spaß und Vergnügen abgetan werden, dies treffen aber in Kurorten keineswegs zu. Verärgert äußerte sich Bredensteiner auch darüber, dass einzelne Großkonzerne wie Lufthansa oder TUI oder Bereiche wie die Autoindustrie schnell Gehör finden, der Tourismus dagegen habe in Berlin offenbar keine Lobby.

Die wackeligen Aussichten auf eine Öffnung der Außengastronomie sind nach Einschätzung von Thomas Neugebauer, Inhaber des Hotel-Restaurants Haus Rasche-Neugebauer, allenfalls ein Lichtblick: „Für meinen Betrieb ist das sehr unbefriedigend, man wird von Woche zu Woche vertröstet.“ Wirtschaftlich gesehen sei die Erlaubnis der Außengastronomie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das ist alles viel zu schwammig: Liegt die Inzidenz bei 95, kauft man Ware ein, drei Tage später liegt sie über 100, dann macht man den Betrieb wieder zu, das ist eine ganz schwierige Kiste.“

Zudem, so Neugebauer, sei die Gastronomie kein Treiber in der Pandemie: „Wir haben seit Monaten geschlossen und die Zahlen gehen weiterhin nach oben.“ Private Feiern als Treiber der Pandemie würden dagegen mit einer Ausweitung der erlaubten Personenzahl weiter geöffnet. Gerade im privaten Bereich seien Kontrollen aber schwierig. In der Gastronomie gebe es dagegen ausgefeilte und immer wieder angepasste Hygienekonzepte. Neugebauers Lösung: „Ich fände es richtig die Gastronomie zu öffnen, aber die Öffnungszeiten einheitlich auf zum Beispiel 22 Uhr zu begrenzen.“

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Allerdings: Wie die Vorgaben aus der jüngsten Runde in Berlin in NRW gestaltet werden, bleibt Bredensteiner zufolge noch abzuwarten. Maßgeblich seien die Corona-Verordnungen des Landes, die durchaus abweichen können. Da ist sie wieder: Die Hoffnung auf ein Stück an Normalität.

Die Bedeutung der Tourismusbranche

Ernüchtert hat der Verband Tourismus NRW auf die Beratungen in Berlin reagiert. Die Ergebnisse seien ein Schlag ins Gesicht der gesamten Branche. Vor Ostern müsse es eine Öffnung für die Betriebe geben, sonst drohe eine Pleitewelle. Dies hätte durchaus drastische Folgen. Der Anteil touristischer Leistungen am Bruttoinlandsprodukt betrug 2015 immerhin 3,9 Prozent. Bundesweit waren in jenem Jahr 6,8 Prozent der Erwerbstätigen in der Tourismusbranche beschäftigt. Dies sind Durchschnittswerte, in regionalen touristischen Hochburgen wie Bad Sassendorf liegt die Bedeutung noch weitaus höher. Zudem bietet die beschäftigungsintensive Branche auch Aushilfen oder Ungelernten, zum Beispiel Studenten, Chancen auf ein Einkommen.

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