Kabarettist Stefan Verhasselt überzeugt mit Charme und schwarzem Humor

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Stefan Verhasselt hat dem Volk aufs Maul geschaut. In Bad Sassendorf rückte er mit Witz Charme, und ein wenig schwarzen Humor kleine und große Dinge des Lebens in den Blick.

Bad Sassendorf - Witz, Charme, ab und zu eine Prise schwarzer Humor gewürzt mitgroßer Empathie: Stefan Verhasselt, Radiomoderator beim WDR 4 und Kabarettist, begeisterte sein Publikum am Freitagabend in der Kulturscheune mit seinem Programm „Wer kommt, der kommt - Kabarett 4.0“.

Kleine und große Dinge aus dem alltägliche Leben, Beobachtungen, Erzähltes, Gespräche – Verhasselt hat dem „Volk auf‘s Maul geschaut“ und die Resultate fantastisch pointiert in sein Programm integriert. Feinsinnig verstand er es auch, aktuelle Themen wie Trump und Obamacare in einem kabarettistisch-kritischen Licht zu sehen. Aber zurück zum Titel seiner Vorstellung. „Man kann zu spät kommen, zu früh kommen, zu kurz kommen, in die Gänge komme, zu Tode kommen oder überhaupt nicht kommen“, sinnierte Verhasselt und schaute in den nicht ganz gefüllten Saal der Kulturscheune. Böse war er den „Nichtkommern“ nicht. 

Im Gegenteil. Der sympathische 52-Jährige hatte viel Spaß mit seinem Publikum, das immer wieder herzhaft lachte und ihm oft genug die Bälle zuspielte. Das gefiel dem Kabarettisten, und er lief zur Höchstform auf. „Sie waren super“, lobten ihn viele Gäste zum Schluss, als Stefan Verhasselt gern Autogramme gab. „Dankeschön, das freut mich“, strahlte er und bedankte sich für die Einladung nach Bad Sassendorf. Die Tanten mit dem Tosca-Taschentuch Bevor der Moderator so richtig loslegte standen familiäre Veränderungen, die es vor Jahren überhaupt noch nicht gab, als „Eisbrecher“ im Mittelpunkt. „Silber- oder Goldhochzeiten? Die heutige Jugend weiß doch gar nicht mehr was das ist, muss erst mal googeln“, schoss er spitze Pfeile in Richtung kurzlebiger Ehen und somit hoher Scheidungsraten ab.

Viele Zutaten, aber kein Durcheinander

Moderne Technik, Kindheitserinnerungen, aktuelles Tagesgeschehen – der Moderator mixte sein Programm mit vielen unterschiedlichen Zutaten, die aber keineswegs ein Durcheinander ergaben. Die Gäste hingen amüsiert an den Lippen des Niederrheinländers und warteten gespannt auf die nächsten ulkigen Begebenheiten, die sie oft selbst erlebt hatten. Das kannte nahezu jeder: Wer sich als Kind den Mund mit Schokolade beschmierte, wurde von der Mama mit Spucke gesäubert. Verhasselt setzte noch eins drauf. „Meine niederrheinischen Tanten machten das mit in Tosca getränkten Taschentüchern und Spucke“, erzählte er und seine Mimik sprach Bände, wie eklig das für ihn war. 

In brillante Redewendungen verpackt erzählte er von Schnäppchenjagden, Gesprächen, die plötzlich unterbrochen wurden „Guck mal da ist ein Eichhörnchen“ und Besuchen im Restaurant, wo ihm „ein ganzer Tisch“ angeboten wurde. Das ist Realität, das ist das wahre Leben. Kaum jemand macht sich wohl Gedanken über den Sinn oder Unsinn solcher Aussprüche. Verhasselt hat sie alle gespeichert. Vom Hochdeutschen rutschte er ab zu zu ins Niederrheinische ab, was die Besucher nur noch mehr amüsierte, wie die es sprachliche Eigenheit „ein Tun“. Damit assoziiert er das Verbinden mehrerer Tätigkeiten ohne großen Aufwand. Ein Besuch des Hermannsdenkmals, der Externsteine, der Kasseler Wilhelmshöhe und gar noch Goslar und Wernigerode hielt er dem Publikum schmunzelnd als „ein Tun“ vor. 

Der Kabarettist beendete sein Programm mit einen „Ausblick“ in seine künftige Himmelswohnung. „Da warten schon meine drei Tanten auf mich“, schmunzelte er. „Mit dem Tosca-Taschentuch und Spucke in der Hand“, schallte es aus dem Publikum. Und alle hatten ihren Spaß bis zur allerletzten Sekunde.

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