Jahresabschluss 2018: Gemeinde legt an Vermögen zu

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Allein die Renaturierung der Rosenau mitsamt dem Bau neuer Brücken für den Kurpark schlug 2018 mit fast 700 000 Euro zu Buche, diese Investitionen erhöhen aber zugleich das Anlagevermögen der Gemeinde.

Bad Sassendorf – Statt des vorhergesagten Defizits hat das Haushaltsjahr 2018 einen Überschuss von knapp 1,32 Millionen Euro ergeben. Jetzt wurde der Jahresabschluss 2018 vom Gemeinderat abschließend festgestellt und dem Bürgermeister Entlastung erteilt. Da nach dem ursprünglichen Haushaltsplan ein Defizit von rund 567 000 Euro erwartet wurde, macht das konkrete Ergebnis eine Verbesserung von 1,88 Millionen Euro aus. Ein Grund für die deutliche Verbesserung liegt darin, dass höheren Erträgen deutlich niedrigere Aufwendungen gegenüber standen, allein die Einsparungen machen rund 1,4 Millionen Euro aus.

Anhand verschiedener Kennzahlen wird zudem deutlich, dass die Gemeinde auch in 2018 kräftig investiert hat. Um einen Substanzverlust zu vermeiden, muss eine Kommune in gleicher Höhe investieren, wie Abschreibungen fällig werden. Statt einer Investitionsquote von 100 Prozent erreichte die Gemeinde im vorigen Jahr jedoch eine Quote von 386,2 Prozent: Dem Investitionsvolumen von 12,3 Millionen Euro standen Abschreibungen in Höhe von 3,34 Millionen Euro gegenüber. Unterm Strich hat die Gemeinde folglich erheblich an Substanz gewonnen. 

Die Investitionstätigkeit wirkte sich folglich beim Gesamtvermögen der Gemeinde aus, das für 2018 etwa 168 Millionen Euro ausmacht, wobei 158 Millionen Euro auf das Anlagevermögen entfielen. Dies entspricht einem Anteil von 94,1 Prozent und ist damit deutlich höher als in den Nachbarkommunen, wie Kämmerer Karl-Heinz Ricken auf Nachfrage erläuterte. 

Der hohe Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen hänge insbesondere mit den besonderen kommunalen Aufgaben zusammen. Insbesondere die Aufwendungen als Kurort kommt hier zum Tragen, denn zu dem Anlagevermögen gehören auch die Finanzanlagen der Gemeinde, die wiederum in den Beteiligungen an den Gemeindewerken, dem Tagungszentrum oder der Sole-Therme stecken. Allein die Beteiligung an der Bäder-Holding ist demnach auf 32,2 Millionen Euro zu taxieren. 

Die Investitionen, unter anderem durch die Sole-Therme oder die Bäder-Holding, müssen auch finanziert werden. Damit kommt die Frage der Schulden in den Blick. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 stieg der Schuldenstand der Gemeinde auf 29,5 Millionen Euro, das ist weniger, als nach der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen war, so Ricken. Wichtig sei bei der Betrachtung der Schuldenlage auch, wie stark das Finanzergebnis der Gemeinde durch die Kredite belastet wird. Mit rund 70 000 Euro pro Jahr sei dies nämlich ausgesprochen wenig. Die Zinsbelastung je Einwohner entsprach 2018 daher lediglich 5,90 Euro. 

Die günstige Zinsbelastung hat damit zu tun, dass die Gemeinde die Kommunaldarlehen, die zu überaus günstigen Konditionen vergeben werden, an die eigenen Beteiligungsgesellschaften wie Sole-Therme oder Bäder-Holding zu marktüblichen Zinsen weiter geben muss. 

Die Töchter müssen folglich zwar die Zinsen erwirtschaften, die Gemeinde selbst macht durch die Darlehen unterm Strich jedoch quasi einen Zinsgewinn. Ebenso ist dem Kämmerer zufolge zu bedenken, dass die Gesellschafterdarlehen in der Regel recht kurzfristig, etwa innerhalb von zehn Jahren, getilgt sein sollen. Der Schuldenstand werde folglich in einem absehbaren Zeitrahmen wieder sinken. 

Bleibt der Ausblick auf die Zukunft und die Chancen und Risiken: Gute Chancen rechnen sich Rat und Verwaltung bezüglich der Gemeindewerke und den dazu gehörenden Netzgesellschaften aus. Risiken werden dagegen bei den strukturell defizitären Betrieben Tagungszentrum und Sole-Therme gesehen. Allerdings wird bezüglich der Sole-Therme auch darauf verwiesen, dass der Betrieb vor der Baustellenphase positive Ergebnisse erbracht hat. Dieses Ziel soll nach Abschluss der Umbauarbeiten möglichst wieder erreicht werden.

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