Bis bei der Soester Tafel wieder warm gegessen werden darf:

Sälzer-Hof gibt kostenloses Essen aus - jetzt auch direkt an der Soester Tafel

Jasmin Gockel und Pasqual Pulai vom Sälzer-Hof in Bad Sassendorf verteilen kostenlos warmes Essen.
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Jasmin Gockel und Pasqual Pulai vom Sälzer-Hof in Bad Sassendorf verteilen kostenlos warmes Essen.

[Update 12.11.] Bad Sassendorf - Als sie die Meldung lasen, die Soester Tafel könne derzeit keine warmen Mahlzeiten austeilen, stand für Jasmin Gockel, Inhaberin des Sälzer-Hofs, Pasqual Pulai, Geschäfts- und Serviceleitung, und ihren Koch Rainer Köckmann der Entschluss sofort fest, einzuspringen. Seit Samstag (7. November 2020) gibt es bei ihnen für Bedürftige unentgeltlich eine warme Mahlzeit – so lange, wie es in der Tafel nicht möglich ist. Ab dem 14. November gibt es auch Essen direkt an der Soester Tafel.

„Das war natürlich alles sehr kurzfristig“, meint Pulai am Samstag, dem ersten Tag des Angebots. Es gibt einen würzige Kürbis-Möhren-Eintopf. Allein: Viel ist nicht nicht los. Für die Tonne gekocht hat Köckmann dennoch nicht: Am Abend fährt das Team zum Soester Bahnhof, schaute dort nach Bedürftigen, verteilte die übrige Suppe an sie. Pulais zweiter Besuch dort an diesem Tag.

Essensausgabe nun auch direkt an der Soester Tafel

Das Sälzer-Hof-Team um Pasqual Pulai weitet das Angebot aus, teilt jeden Samstag und Sonntag zwischen 11 und 12.30 Uhr an der Tafel in Soest in Kooperation mit der Tafel Soest kostenlos warmes Mittagessen und Leckereien aus.

„Wenn wir Unterstützung bekommen in Sachen Hygienemittel (Shampoo, Creme, Seife etc) werden auch wir dieses austeilen! Im Moment wird dieses bei der Tafel Soest dringend benötigt“, berichtet Pulai.

Denn schon am Vormittag rührte er dort die Werbetrommel: „Wir müssen auf die Straße gehen und die Menschen gezielt ansprechen. Viele trauen ich einfach nicht. Als Bedürftige fühlen die sich in einem Restaurant unwohl.“ Die Erfahrung hat das Team bereits im vergangenen Jahr gemacht, als sie Bedürftige zu einem Weihnachtsessen einluden.

Am Bahnhof sowie an sozialen Einrichtungen hing Pulai Handzettel auf, drückte sie sogar Polizisten in die Hand, damit sie die Kunde weiter streuen. „Einigen Leuten gaben wir sogar etwas Kleingeld, damit sie nach Bad Sassendorf fahren können“, erzählt Pulai. Dadurch hat er also noch ein zusätzliches Minus in Zeiten, in der auch die Gastronomie auf dem Zahnfleisch robbt, „aber dann nehme ich mich eben lieber selber etwas zurück. Wenn ich einem anderem eine Freude machen kann, dann löst das bei mir ein Gefühl der Zufriedenheit aus. Man braucht nicht viel, um teilen zu können.“

Natürlich dürfen die Empfänger ihre Mahlzeit nicht vor Ort zu sich nehmen, sondern gemäß den Corona-Bestimmungen erst frühestens dann, wenn sie sich 50 Meter weiter entfernt haben. Bis dahin ist das Essen aber auf jeden Fall noch heiß, dafür sorgen die Einweg-Behälter aus Kunststoff, für die Pulai eigens zu diesem Anlass nochmals Geld in die Hände genommen hat – auch wenn es ihm ein Dorn im Auge ist, damit jede Menge Plastikmüll zu produzieren. Aber die Aktion ist ja kein Dauerzustand.

Die Tafel dagegen darf das Essen nur erkaltet abgeben, „warum auch immer, und viele ihrer Kunden dürften daheim nicht einmal eine Möglichkeit haben, es wieder aufzuwärmen, von den Wohnungslosen mal ganz zu schweigen“, meint Pulai. „Wir wollen erreichen, dass jeder Mensch wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommt.“

Zugleich kann das Restaurant auf die Weise noch Lebensmittel verarbeiten, die bis zum Lockdown noch nicht verbraucht worden waren, bis Dezember aber bereits ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben werden: „Besser, wir verschenken es, als dass wir es wegwerfen.“ Der Soester Obst- und Gemüsehändler Mersch stiftet weitere Lebensmittel, „die haben uns das sogar direkt geliefert“.

Am Sonntag handelte es sich dabei um Wirsingrouladen mit Reis und Soße, am heutigen Montag gibt es Linseneintopf mit Bockwurst. Pulai: „Danach schauen wir, ob die Tafel wieder übernehmen darf – wenn nicht, machen wir weiter.“

Der Tafel verspricht er: „Sobald man dort irgendwann abermals kein warmes Essen mehr ausgeben kann, übernehmen wir direkt wieder. Auch unser Personal bietet sich an, dort jederzeit unentgeltlich zu helfen.“

An Weihnachten will der Sälzer Hof ebenfalls einspringen, dann vielleicht sogar im Verbund mit weiteren Gastronomen.

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