Haus Lüsse: Diskussion um den Denkmalschutz

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Der fragliche Anbau rechts vom Haus reichte zuletzt noch bis zur Mauer auf der Grenze. Jenseits der Grenze standen früher die Stallungen des Arzthauses, sie wurden für einen Neubau abgerissen.

Bad Sassendorf – Kaum haben die ersten Arbeiten an Haus Lüsse begonnen, schon gibt es erneute Diskussionen. Dieses Mal drehen sie sich unter anderem um den Anbau an der Westseite des Gebäudes, der vergangene Woche abgerissen wurde. Aus den Reihen der Grünen gibt es Kritik, weil ein Anbau abgerissen wurde und im Treppenhaus ein Lift eingebaut werden soll. Der Architekt hält dagegen, beispielsweise werde der Einbau eines Liftes zugunsten der Barrierefreiheit gefordert. 

Jutta Riedel vom Ortsverband der Grünen berichtet in einer Zuschrift an den Anzeiger, dass es sich nicht um eine Garage handelte, bei der Benennung des Denkmalumfangs werde unter anderem unter „Laubengang“ aufgeführt: „Der noch vorhandene Teil des aus Holz errichteten Laubengangs an der Westseite des Gebäudes.“ 

Demnach sei ein Teil des Baudenkmals abgerissen worden und das offensichtlich mit Genehmigung: Riedel: „Da es offensichtlich möglich ist behördlicherseits den Denkmalschutz frei nach dem Motto, es muss sich doch für den Investor rechnen, auszugestalten, muss man sich fragen, was am Ende des Umbaus vom Denkmal übrig bleibt.“ 

Architekt Andreas Acconci bestätigt, dass der Gebäudeteil zunächst unter Denkmalschutz gestellt wurde. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass dieser Laubengang ursprünglich viel länger gewesen sei und zu den Stallungen der Arztvilla führten, die westlich des heutigen Grundstücks auf dem Areal standen, auf dem vor Jahren ein Neubau errichtet wurde. 

Wenn, wäre es sinnvoll gewesen, vor rund zehn Jahren das Gesamtensemble aus Arztvilla, zugehörigen Stallungen und dem Verbindungsgang insgesamt unter Denkmalschutz zu stellen. Dies sei seinerzeit aber nicht erfolgt, das Stallgebäude wurde abgerissen. 

Der Laubengang, von dem nur noch ein Stummel übrig war, sei selbstverständlich in Übereinstimmung mit der Baugenehmigung abgerissen worden. Die Genehmigung für den Abriss sei auch nicht einfach von der Baubehörde erteilt worden, dies sei in Abstimmung mit der Unteren und der Oberen Denkmalbehörde erfolgt. Über den Bevorstehenden Abriss sei zudem im Vorfeld der Sprecher der Bürgerinitiative informiert worden. 

Kritik übte Riedel aber auch daran, dass die Wiederherstellung des ursprünglichen Treppenhauszustands vom Einbau eines Fahrstuhls begleitet werden soll. Ihr Urteil: „Einen solchen Eingriff in ein Baudenkmal vorzunehmen verdeutlicht die Haltung des Investors: Alles egal, nur die Rendite zählt.“ 

Diese Behauptung weist Acconci zurück. Bei dem Einbau des Fahrstuhls gehe es um das Thema Barrierefreiheit und ein barrierefreier Zugang werde zugunsten der Teilhabe von Behinderten, Älteren oder auch Müttern mit Kinderwagen vom Gesetzgeber immer stärker betont. Dies zeige die jüngste Novellierung der Landesbauordnung. Bei dem Einbau des Fahrstuhls müsse daher ein Kompromiss zwischen den Belangen des Denkmalschutzes und der Barrierefreiheit gefunden werden, dies sei aber auch möglich. 

Mit dem Entfernen der Trennwände werde der Zustand des Treppenhauses jedenfalls wieder näher am Original sein. Zudem werde der Fahrstuhl nicht mitten im Treppenhaus platziert, sondern in dem galerieartigen Randbereich. Generell sei der Aufwand für den Umbau von Haus Lüsse – auch wegen der Erfordernisse des Brandschutzes oder des Schallschutzes – enorm. Acconci: „Wer ein Renditeobjekt sucht, wird so ein Objekt nicht kaufen.“

Landesbauordnung NRW fordert barrierefreies Bauen

Die neu gefasste Landesbauordnung NRW ist der wichtigste Bestandteil des öffentlichen Baurechts in NRW. Paragraf 49 „Barrierefreies Bauen“ regelt in Absatz eins: „In Gebäuden der Gebäudeklassen 3 bis 5 mit Wohnungen müssen die Wohnungen barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein.“ 

Des Weiteren heißt es in Paragraf 39, Absatz vier: „Gebäude mit mehr als drei oberirdischen Geschossen müssen Aufzüge in ausreichender Zahl haben. Ein Aufzug muss von der öffentlichen Verkehrsfläche und von allen Wohnungen in dem Gebäude aus barrierefrei erreichbar sein.“

Gebäudeklassen: Drei bezeichnet Gebäude bis sieben Metern Höhe mit mehr als zwei Nutzungseinheiten, insbesondere bei den Gebäudeklassen vier und fünf sind größere Mehrfamilienhäuser mit 13 Metern Höhe oder mehr definiert.

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