Haus Lüsse: Wohnungen sind seit Jahrzehnten illegal

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Dieser Plan von 1909 ist das jüngste Dokument, das sich Wilhelm Friesleben (links) und Architekt Andreas Acconci zufolge in den Unterlagen zu Haus Lüsse finden ließ. Gut zu erkennen ist oben links die Arztvilla mit dem sich rechts anschließenden flachen Anbau zum Kutscherhaus.

Bad Sassendorf – Verschiedene Umbauten in der Villa Lüsse im Lohweg 22 erfolgten ohne Baugenehmigungen, die jahrzehntelange Nutzung für Wohnzwecke genüge in keiner Weise dem Brandschutz und den Auflagen für Fluchtwege. Das erläuterten Investor Wilhelm Friesleben und sein Architekt Andreas Acconci jetzt in einem Gespräch mit dem Anzeiger.

Wohl in den Jahren von 1920 bis 1940 wurde das Haus umgenutzt, indem hier Kinder aus dem Ruhrgebiet untergebracht wurden, die im Kurort medizinisch betreut wurden, berichtete Friesleben, von einem Kinderheim könne aber keine Rede sein. 

Nach dem Tod des Arztes sei erneut eine Umnutzung zu einem Mehrfamilienhaus für sechs Parteien erfolgt. Beide Maßnahmen, so Friesleben, seien ohne Baugenehmigung erfolgt. Trotz intensiver Nachforschungen, ergänzte Architekt Acconci, seien bis auf die Pläne von 1909 keine Unterlagen zu finden gewesen. 

Wie die beiden weiter ausführten, genüge der aktuelle Zustand des Gebäudes nicht den Sicherheitsanforderungen. Zurückzuführen sei dies auch darauf, dass im Treppenhaus Wände eingezogen wurden, die Vorgaben für den Brandschutz könnten so aber nicht erfüllt werden. 

Kreis Soest sieht keine Gefahr im Verzug 

Seitens des Kreises Soest wird dies im Grundsatz bestätigt. Im Rahmen einer Anhörung im September 2018 sei festgestellt worden, dass das Wohnen in Haus Lüsse formal illegal ist, weil es keine Baugenehmigung gibt, erklärte Wilhelm Müschenborn, der Sprecher der Kreisverwaltung. 

Es sei allerdings keine Ordnungsverfügung erlassen worden, weil keine Gefahr im Verzug sei. Weil seinerzeit nur noch zwei Parteien in dem Haus wohnten – inzwischen ist es noch eine – sei das Thema Brandschutz nicht so bedeutsam. Dies gelte verschärft ab drei oder mehr Parteien. Der Kreis behandle die Angelegenheit daher als „gestrecktes Verfahren“. 

Friesleben betonte des Weiteren, es sei auch seine Absicht, das Gebäude als Denkmal eintragen zu lassen. Bezüglich der äußeren Erscheinung bestehe mit den Denkmalschützern Einigkeit. Was denkmalwerte Teile im Inneren des Hauses angeht, laufe die Diskussion mit den Experten des Landesdenkmalamtes in Münster noch. 

Unstrittig ist Acconci zufolge der Wert der ursprünglich frei stehenden Treppe. Sie sei durch eingebaute Trennwände aktuell aber sehr beeinträchtigt. 

Investor will Denkmal eintragen lassen 

Denkmalwert sind womöglich alte Fliesenspiegel oder aufwendig gestaltete Türen. Andererseits sei vieles unsachgemäß zerstört worden, sagte Friesleben. So seien ins Treppenhaus führende Türen zugemauert worden, bei anderen seien schmuckvolle Türblätter durch einfachste Zargen aus dem Baumarkt ersetzt worden. 

Ziel sei es nun, so Friesleben, das Gebäude behutsam weiter zu entwickeln. Als Sassendorfer sei ihm an einem harmonischen Ablauf gelegen. Das Äußere soll demnach so erhalten bleiben, im Gebäude selbst sollen kleine und bezahlbare Wohnungen entstehen, ob als Mieteinheiten oder als Eigentumswohnungen, sei noch nicht entschieden. 

Friesleben sicherte zudem den Erhalt der beiden Blutbuchen zu, die als Naturdenkmäler eingetragen sind. Auf seinen Grundstücken seien insgesamt sechs Bäume als Naturdenkmäler vorhanden, dies sei kein Problem. 

Zum Stand der Beratungen über die künftige Nutzung von Haus Lüsse bestätigte Bürgermeister Malte Dahlhoff, dass in der Frage des Denkmalschutzes noch Details verhandelt werden. Zudem bereite die Bauverwaltung eine Sitzungsvorlage über eine Bauvoranfrage bezüglich einer Modernisierung des Gebäudes vor. Die Sitzung des zuständigen Bauausschusses ist am 6. Februar.

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