Gradierwerk zum Anfassen

Tastmodell aus Bronze eröffnet Blinden demnächst weitere Möglichkeiten des Erlebens

Mit dem Künstler Felix Brörken schauten sich Antonius Bahlmann vom Förderverein Westfälische Salzwelten, Bürgermeister Malte Dahlhoff, Museumsleiterin Jeanette Metz und Angelika Hummelsheim als Regionalbotschafterin der NRW-Stiftung (von links) den Entwurf für das Blindentastmodell an.
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Mit dem Künstler Felix Brörken schauten sich Antonius Bahlmann vom Förderverein Westfälische Salzwelten, Bürgermeister Malte Dahlhoff, Museumsleiterin Jeanette Metz und Angelika Hummelsheim als Regionalbotschafterin der NRW-Stiftung (von links) den Entwurf für das Blindentastmodell an.

Bad Sassendorf - Für das neue Erlebnisgradierwerk im Kurpark wird derzeit ein Modell in Bronze erarbeitet, damit Menschen mit Handicap die Saline und die Therme anhand des Modells ertasten können. Jetzt wurde ein erster Modellentwurf vorgestellt, im Sommer soll das Bronzewerk fertig sein.

Erholsame und nach Salz riechende Luft, das Plätschern der Sole, die über die Schwarzdornzweige rieselt: Diese Sinneseindrücke vermittelt das Gradierwerk auch Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind. Aber wie sieht das Gradierwerk aus? Welche Dimensionen hat es, welche besonderen Gestaltungsmerkmale? Das können Blinde in absehbarer Zeit anhand eines Tastmodells aus Bronze erfühlen, aber natürlich wird das Modell auch für Sehende etwas ganz besonderes sein.

Wie das Bronzekunstwerk aussehen wird, vermittelte der Künstler Felix Brörken aus Welver anhand eines Modells aus Styrodur. In der Kulturscheune auf Hof Haulle wurde jetzt der erste Entwurf des Blindentastmodells aus Styrodur vorgestellt. Das berichtet die Gemeinde in einer Pressemitteilung. Im Verlauf der nächsten Schritte entsteht dann letztlich ein Tastmodell aus Bronze. Damit soll insbesondere dem Aspekt des barrierearmen Kurparks entsprochen werden, der hinter dem Projekt Kurpark 3.0 steht.

Möglich ist die Erstellung des Tastmodells durch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins der Westfälischen Salzwelten durch die NRW-Stiftung. Die Stiftung, die schon den Einbau des Fahrstuhles im neuen Gradierwerk unterstützt hatte, steuert für das Bronzemodell 20.000 Euro bei.

Bei dem barrierearmen Kurpark spielt das Gradierwerk als Markenzeichen des Kurortes eine besondere Rolle. Nach dem Abriss der alten Saline wurde im Sommer 2020 das Erlebnis-Gradierwerks fertiggestellt. Ein besonderes Merkmal sind die Aussichtsplattformen in den oberen Ebenen, die dank des Fahrstuhls barrierefrei erreichbar sind. So werde das gesamte Objekt auch für Menschen mit Handicap erlebbar, heißt es in der Pressemitteilung. Während die meisten Besucher das Gradierwerk mit allen Sinnen genießen könnten, bleibe Menschen mit Sehbehinderung die optische Wahrnehmung verborgen. Auch diesen Besuchern die Möglichkeit zur Teilhabe zu schaffen, war das Anliegen der NRW-Stiftung und Grund für die finanzielle Unterstützung. Inklusion spiele für die Stiftung eine wichtige Rolle. Nur so eröffneten sich allen Menschen die Chance, Zeugnisse der Kulturgeschichte zu erleben, wird Stiftungspräsident Eckhard Uhlenberg in der Pressemitteilung zitiert.

Antonius Bahlmann, Vorsitzender des Fördervereins der Westfälischen Salzwelten, verwies darauf, dass das Blindentastmodell von Anfang an eingeplant war, um Menschen mit Sehbehinderung die beeindruckenden Ausmaße des neuen Gradierwerkes und der Börde-Therme erfahren zu lassen und auch Menschen ohne Handicap noch einmal die gesamte Anlage überschaubar zu verdeutlichen. Zudem werde das Modell Menschen zusammenbringen, da die beeindruckende Kulisse zum Austausch und zum gemeinsamen Entdecken einlade. Das fertige Bronzemodell wird voraussichtlich im Sommer 2021 am Gradierwerk zu bewundern sein.

Künstler als Experten für Tastmodelle

Der Bildhauer Felix Brörken hat mit seinem Vater bereits mehr als 100 Stadtmodelle in Bronze entwickelt, viele auch im außereuropäischen Raum. In jedem Modell steckt durchschnittlich ein Dreivierteljahr Arbeit. Von detailgetreuen Fotos werden maßstabsgerechte Pläne entworfen, die zunächst in einem Styrodurmodell umgesetzt und geprüft werden. Im weiteren Verlauf wird ein Wachsmodell erstellt, aus dem dann die Vorlage für das Bronzemodell entwickelt wird. Allein hinter der Herstellung des Styrodurmodells stehen unzählige Stunden filigraner Arbeit. „Ich zähle die Stunden nie, weiß aber in etwa, wie viele Wochen mich erwarten“, so der Bilderhauer. Styrodur ist mit Styropor verwandt, weist aber nicht die für letzteres typische, perlartige Struktur auf. 

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