Glasfasernetz kommt, dann wird's für die unterversorgten Dörfer schnell

+
Über den Stand des Breitbandausbau informierten (von links) Westnetz-Projektleiter Jürgen Höttecke, Reinhold Häken vom Ausschuss für Wirtschaftsförderung der Gemeinde, Innogy-Kommunalberater Uwe Varlemann sowie Tiefbau-Ingenieurin Bernadette König und Bürgermeister Malte Dahlhoff seitens der Gemeindeverwaltung.

Bad Sassendorf – In Sachen schnelles Internet mussten die Einwohner von Enkesen, Herringsen, Neuengeseke, im Lohner Klei oder Beusingsen bislang in die Röhre schauen, doch die letzten werden demnächst die schnellsten sein. Der Aufbau eines Glasfasernetzes für die bisher unterversorgten Ortsteile der Gemeinde läuft auf Hochtouren, bis Ende 2020 sollen nach aktuellem Stand 188 förderfähige Adressen angeschlossen werden, davon allein 19 Gewerbebetriebe, erläuterte Jürgen Höttecke, Projektleiter der Westnetz. Ist der Anschluss erfolgt, steht einem rasanten Datentransfer nichts mehr im Wege. „Glasfaser ermöglicht eine nahezu verlustfreie Übertragung“, so Höttecke.

Verluste können auch deshalb nicht auftreten, weil die Glasfaserverbindungen bis ans Haus gelegt werden, anders als in anderen, vor Jahren erschlossenen Ortsteilen, wo die „letzte Meile“ vom Verteilerknoten zu den Endkunden mit leistungsmindernden Kupferkabeln bewältigt wird. 

Für den Ausbau der Glasfaserversorgung im Kreis Soest baut Innogy zum einen eine Ringleitung als stabiles Rückgrat (Backbone) für den Anschluss an die zentralen Server. 

Hinzu kommt der Ausbau in den betroffenen Kommunen Wickede (Ruhr), Werl, Ense, Welver, Lippetal, Soest, Bad Sassendorf, Möhnesee, Lippstadt, Erwitte, Warstein, Rüthen und Geseke. Für den Aufbau dieser Infrastruktur sind 51 Baulose vorgesehen, zwei entfallen auf Bad Sassendorf. 

Den Stand der Arbeiten für das erste dieser Baulose, das Soest-Kutmecke, Enkesen im Klei und Lohne umfasst, erläuterten Höttecke und Innogy-Kommunalberater Uwe Varlemann auf der Baustelle am Neuen Weg in Lohne. Inzwischen seien 5,5 der 11,5 Kilometer langen Tiefbauarbeit erledigt, so Höttecke. 

Soweit möglich, setzt die beauftragte Firma auf ein Bohrverfahren zur Verlegung der Leerrohre.

Das erste Baulos in der Gemeinde soll bis Ende des Jahres erledigt sein, das zweite Los, das Beusingsen, Neuengeseke und Herringsen umfasst, ist im kommenden Jahr an der Reihe. Verlegt werden zunächst die Leerrohre, sind einzelne Abschnitte zwischen bestimmten Knotenpunkten fertig, werden die Glasfaserkabel eingeblasen. 

Nutzen wird Innogy die Tiefbauarbeiten zudem zur Verlegung von Stromkabeln in die Erde, so etwa bezüglich der Zehn-Kilovolt-Leitung im Lohner Klei. In vielen Fällen setzt die Westnetz bei der Verlegung der Leerrohre auf eine Bohrtechnik, im Verlauf des Neuen Weges innerorts in Lohne wurden die Leerrohre hingegen in offener Bauweise verlegt. 

Der Hausanschluss für die Immobilien in dem Ausbaugebiet ist kostenlos, wenn die Eigentümer sich vorher für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Einige Tage vor Baubeginn werden die jeweiligen Adressen eines Bauabschnitts über Flyer informiert. Über die Grundstückseigentümer-Erklärung kann dann zugestimmt werden, dass der Glasfaseranschluss auf dem Grundstück verlegt werden darf. 

Bei einer späteren Entscheidung für einen Hausanschluss wird dessen Anlage kostenpflichtig. Innogy weist zudem darauf hin, dass keine Aktivierungsgebühr anfällt, sofern ein Glasfasertarif für schnelles Internet während der Bauphase abgeschlossen wird. Bei späterer Aktivierung werde von Innogy eine Gebühr von 398,65 Euro erhoben.

„Open Access“ – Glasfasernetz muss offen sein für alle Anbieter

Die „innogy TelNet GmbH“ errichtet im Kreis Soest mit der Innogy-Tochter „Westnetz GmbH“ das Glasfasernetz. Das Glasfasernetz muss diskriminierungsfrei betrieben werden, der Fachbegriff dafür lautet „Open Access“ und ist eine Bedingung bei staatlich geförderten Ausbauprojekten wie dem im Kreis Soest. 

Das heißt, dass jeder Anbieter, der seine Leistungen über das entstehende Glasfasernetz anbieten möchte, dies auch tun kann, wenn er mit der innogy TelNet die notwendigen vertraglichen und prozessualen Voraussetzungen dafür geschaffen hat. 

Genau daran hapert es derzeit noch. Die genauen vertraglichen Konditionen müssten noch ausgehandelt werden, das dauere nun einmal seine Zeit, erläuterte Westnetz-Projektleiter Jürgen Höttecke. Letztlich werde sich aber ein Zustand einstellen vergleichbar dem bei anderen Versorgungsleistungen wie Strom oder Gas. 

Gleichzeitig buhlen die Anbieter um die Gunst der Kunden. So ist die Telekom dem Vernehmen nach derzeit bestrebt, mit den Kunden in den Ortsteilen des Glasfaserausbaus schon jetzt langfristige Versorgungsverträge abzuschließen. Hier ist womöglich ein Abwarten und Vergleichen mit den anderen Anbietern ratsam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare