Gemeinde hält ortsübergreifend Komponenten für den Hochwasserschutz bereit

Feuerwehr stellt die Spezialisten für Sandsäcke

Von Ludger Tenberge

Die Feuerwehrleute der Gemeinde Bad Sassendorf sind Spezialisten für Hochwasserschutz und Sandsäcke. Hier demonstrieren Gemeindewehrführer Ralf Suckrau (links) und stellvertretender Wehrführer Axel Kipp die Vorrichtung zur manuellen Befüllung von Sandsäcken.

Trotz der vermeintlich flachen Topographie: Hochwasser mit Gefahren für Leib und Leben können auch im Kurort vorkommen. Der Wasserstandsstein am Sälzerplatz ist ein stummer Zeuge. Eine Mahnung ist für die Orte am Hellweg zudem die Hochwasserkatastrophe von Ostönnen vom 15. Juni 1968 mit vier Toten. Als Schutz für den Zentralort besteht südlich der Bundesstraße das Sperrwerk Aakgraben, um zu verhindern, dass sich die Wassermassen aus einem großen Einzugsbereich bei Opmünden wie über eine schiefe Ebene ungehindert in den Ort ergießen. Hochwassergefährdet sind zudem viele Anrainer der Rosenau und der Ahse, namentlich in Bettinghausen und Ostinghausen ist die Gefahr bekannt.

Bad Sassendorf – Um den Gefahren zu begegnen, haben sich die Feuerwehren im Kreis Soest auf gemeinsame Maßnahmen verständigt. Früher hatte jede Löschgruppe von allem ein bisschen, berichten Gemeindewehrführer Ralf Suckrau und stellvertretender Wehrführer Axel Kipp. Gemäß der überörtlichen Koordinierung stellt Bad Sassendorf Hochwasserkomponenten, die Freiwillige Feuerwehr Bad Sassendorf bietet demzufolge zum Beispiel die Spezialisten für Sandsäcke auf. Eine Zuordnung, die nicht von ungefähr kommt. Wie Suckrau erläutert, setzt die Wehr mit dem Stützpunkt in Weslarn schon lange auf dieses Hilfsmittel. Überörtliche Hilfe gab es zum Beispiel vor vielen Jahren in Geseke-Mönninghausen oder vor kurzem in Hattropholsen. Auch die Anwohner der Neuengeseker Heide haben bei den wiederholten Überschwemmungen, die 2019 besonders krass waren, auf Sandsäcke gesetzt.

Das Verfahren klingt zwar simpel, aber es sei eine sehr wirksame Methode, betont Suckrau. Die Feuerwehr Bad Sassendorf hält derzeit 320 gefüllte und 2 500 leere Sandsäcke vor. Gemäß der Vereinbarung sollen alle Gemeinden im Kreis 500 bis 1 000 gefüllte und bis zu 10 000 leere Sandsäcke bereit halten. Angesichts des Klimawandels werde mit einer Zunahme extremer Hochwasserlagen gerechnet, sagt Suckrau. „Q100 extrem plus 90 Zentimeter“ lautet inzwischen die Formel. Gemeint ist damit ein extremes Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt, allerdings inzwischen ergänzt um zusätzliche 90 Zentimeter Pegelstand.

Dass Sandsäcke sich bewähren, um zum Beispiel gefährdete Deiche zu stabilisieren, hat Suckrau beim Elbehochwasser vor einigen Jahren erlebt. Das größte Problem ist die Logistik. Für einen 20 Meter langen und 50 Zentimeter hohen Damm werden 1 015 Sandsäcke gebraucht, weist der Sandsackrechner auf Suckraus Smartphone aus. 18 Kubikmeter Sand werden benötigt. Bei doppelter Höhe ist wegen des breiteren Damms etwa die dreifache Menge nötig, das sind mehrere Sattelzüge voll Sand.

In Bad Sassendorf hält der Bauhof eine größere Menge Sand vor, ansonsten geht auch das Material von Spielplätzen oder Beachvolleyball-Anlagen. Das manuelle Befüllen der Sandsäcke dauert eineinhalb bis zwei Minuten pro Sack. Zudem müssen die etwa zwölf Kilogramm schweren Säcke an Ort und Stelle getragen und abgelegt werden. Bei dem Hochwasser in Mönninghausen waren rund 40 private Helfer im Einsatz. Das Equipment soll daher um eine maschinelle Beladung ergänzt werden.

Sandsäcke zur Stabilisierung oder Erhöhung von Deichen werden in Zukunft bei zunehmend extremen Wetterlagen und etliche Zentimeter höheren Pegelständen wohl häufiger gefragt sein. Suckrau: „Man muss sich nur mal ansehen, wie viele Gewässer teils eingedeicht sind.“

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