Bock auf prächtige Böcke

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Die Kör-Kommission schaute genau hin. Sie begutachten die Jährlingsböcke vom Kopf bis zu den Hufen.

Bad Sassendorf-Ostinghausen.  Noch schnell ein paar letzte Striche mit der Bürste, einige herzhafte Streicheleinheiten, zuletzt ein aufmunternder Klaps, dann geht’s gut gestriegelt in den Ring: 50 Jährlingsböcke, lauter starke Kerle, hinterließen  bei der Frühjahrsauktion auf Haus Düsse einen blendenden Eindruck. 

Vertreter der Rassen Schwarzköpfige Fleischschaf, Suffolk und Texel zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Geduldig ließen sie sich von allen Seiten begutachten. Harmonisch gebaut sollen sie sein, robust auf den Beinen stehen, gleichmäßig laufen, keine Schwierigkeit haben, sich gesund und fit zu halten, durch ihre Muskulatur, Fleischfülle sowie solide Zähne überzeugen. „Auch die Wolle ist wichtig, denn sie muss die Tiere trocken halten“, sagt Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Nordrhein-Westfalen. Sie weiß: „Ein guter Bock ist die halbe Herde.“

Äußere Werte zählen ebenso wie die inneren, denn es geht um eine erfolgreiche Zucht und um gesunden, starken Nachwuchs. Interessenten riskieren deshalb unbedingt einen fachkundigen Blick zwischen die Hinterbeine. 

Es ist noch am Morgen, doch auf dem Gelände des Landwirtschaftszentrums herrscht schon reger Betrieb: Züchter aus dem ganzen Land reisen mit ihren vierbeinigen Kandidaten zum Schaulaufen an. Ortrun Humpert weist auf die Bedeutung gerade dieses Tages hin: Wegen der Blauzungenkrankheit sei manche Veranstaltung bereits abgesagt worden. Der Termin auf Haus Düsse sei klein, aber fein, die Tiere überzeugten und zeichneten sich durch hervorragende Qualität aus. 

Sie liebt ihren naturverbundenen Beruf, es gibt keinen schöneren für sie. Doch sie weiß auch um die Schattenseiten: Durch die heftige Dürre im vorigen Jahr stehe weniger Futter zur Verfügung, um die Tiere satt zu bekommen. Bei ständig steigenden Kosten gelte es, genau abzuwägen, ob nun noch die Ausgaben für einen neuen Bock drinsitzen. Ortrun Humpert: „Mit der Schafhaltung Geld zu verdienen, ist schwierig, auskömmlich zu verdienen schier unmöglich.“

Umso wichtiger sei es, vorzügliches Material zu bieten – und das sei in Bad Sassendorf-Ostinghausen wieder der Fall. Die Vorsitzende erinnert sich an frühere große Auftriebe, die zum Beispiel in Paderborn eine komplette Halle füllten. Auf Haus Düsse geht’s etwas gemächlicher zu. Aus den Gattern erklingt das vertraute„Mäh“, und die Kör-Kommission mit Andreas Humpert, Fides Marie Lenz sowie Burkhard Schmücker waltet ihres Amtes. Kollegen treffen sich und kommen ins Fachsimpeln. Sie reden auch übers Wetter und hoffen, dass nicht eintritt, was gerade aktuell in den Nachrichten zu hören ist, denn angeblich steht wieder ein Sommer mit großer Trockenheit bevor. „Bloß nicht“, heißt es in den Gesprächen am Rande.

Petra Jochmann hat sich morgens zeitig auf den Weg gemacht. Sie ist am Niederrhein zuhause und stellt zehn Böcke vor. Wuchtige Burschen sind zu sehen, die gar nicht bockig ihre Runden drehen. Aufrecht und strammen Schrittes präsentieren sich die Prachtexemplare dem Publikum. Für die Halter eine spannende Angelegenheit. Klaus Michels ist der Mann mit dem wohl gewichtigsten Wort an diesem Tag: Er ist der Preisrichter und lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Am frühen Nachmittag beginnt die Versteigerung. „Jetzt kommen die Böcke unter den Hammer“, rufen sich zwei Besucher schmunzelnd zu und schauen mal, ob sie mitbieten.

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