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„Weißes Gold“ fasziniert FSJlerin

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Von: Rotraud Grün

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Sara Heiden absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr in den Salzwelten in Bad Sassendorf.
Sara Heiden absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr in den Salzwelten in Bad Sassendorf. © Grün, Rotraud

Hamburgerin Sara Heiden absolviert Freiwilliges Soziales Jahr in den Salzwelten.

Bad Sassendorf – „Nach dem Abitur wollte ich nicht sofort mit dem Studium oder einer Ausbildung beginnen.“ Sara Heiden entschied sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das kannte die 19-jährige Hamburgerin von ihrer Mutter, die selbst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert hat. „Da ich mich schon immer für Geschichte interessiert habe, sollte das Thema des FSJ etwas in dieser Richtung sein. Ich habe lange gesucht und schließlich die Jugendbauhütten der Internationale Jugendgemeinschaftsdienste entdeckt, die solche Praktika vermitteln. Meine Bewerbung hatte Erfolg. Ich bekam ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege angeboten“, erzählt Sara Heiden mit strahlenden Augen von einem ersten Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Ihr Weg ins FSJ führte über die Jugendbauhütte Soest direkt in die Westfälischen Salzwelten. Um sich ihren Einsatzort vor Ort anzuschauen, fuhr die Norddeutsche im Sommer nach Bad Sassendorf. „Ich war begeistert. Nicht nur von der interessanten Sammlung an Museumsobjekten des Fördervereins, den vielen Bildern, die die Geschichte des Salzes weltweit dokumentieren, sondern auch von der Technik, der Interaktivität, dem Team und der schönen Umgebung. Das war mal etwas anderes als Hamburg“, lässt sie erste Kontakte Revue passieren. Jugendbauhütten gibt es in jedem Bundesland, auch in Hamburg. Sara Heiden hat sich jedoch ganz bewusst für eine Bewerbung in anderen Bundesländern entschieden. „Ich wollte erfahren, wie es ist, zuhause auszuziehen und auf sich selbst gestellt zu sein.“ Das ist ihr mit immerhin 400 Kilometern Entfernung gelungen.

„Die Salzwelten sind zwar nicht die typische Einsatzstelle. Das sind eigentlich eher Handwerksbetriebe wie zum Beispiel in der Restauration, Archäologie, Stadtarchiv oder die Stadtarchäologie in Soest – aber die Arbeit im Museum gehört auch dazu, ist spannend und macht mir Spaß.“ So lautet Sara Heidens Eindruck nach drei Monaten in den Salzwelten.

Sie fügte sich schnell in das Team des Museums ein. „Gleich am ersten Tag im September wurde ich mit einigen Aufgaben betraut, da Mitarbeiter erkrankt waren“, erinnert sie sich an den berühmten Sprung ins kalte Wasser. Flexibilität liegt ihr. Sie ist mittlerweile in vielen Bereichen der Salzwelten im Einsatz.

„Wir bieten jungen Menschen seit einigen Jahren ein FSJ an und freuen uns immer wieder über frischen Wind, der mit ihnen hier einzieht“, berichtet Museumsleiterin Jeanette Metz von guten Erfahrungen mit den ehrenamtlich tätigen Jugendlichen. Dass auf diese Weise neue Ideen entstehen, „wenn mal einer von außen drauf schaut“, wertet sie als Pluspunkt für eine kompatible Zusammenarbeit.

„Das Backhaus, das Wirtschaftsgebäude und der Speicher stehen unter Denkmalschutz“, weist Jeanette Metz auf die Basis des FSJ hin. Salz – ein eher alltägliches Thema war Sara Heiden natürlich bekannt. Wissenswertes über die universelle Geschichte des „Weißen Goldes“ erfuhr sie erst bei einem Besuch im Salzmuseum in Lüneburg. „Das Museum ist gut, aber nicht so spannend wie die Salzwelten“, sagt sie.

Eingebunden in das Team und die Abläufe ihres neuen Arbeitsplatzes erwartete die FSJlerin vielfältige Aufgaben. So unternimmt sie jede Woche einen kleinen Wartungsrundgang durchs Museum und schaut nach, ob die Exponate noch genügend Wasser haben und funktionieren. „Manchmal muss ich etwas auswechseln. Zum Beispiel Salz, was verschieden riecht“, erzählt sie. Texte für die Website oder für das Jahresprogramm schreiben oder zu verschiedenen Themen recherchieren gehört ebenfalls zu ihrem Tagesprogramm. Die kleinen und großen Halloween-Fans lauschten andächtig, als Sara Heiden am letzten Tag des Oktober eine isländische Sage vortrug. Das macht ihr ebenso viel Spaß wie für die YouTube-Videos „Salzwelten für Zuhause“ Texte zu liefern.

Neben der Ausstellung sind die Workshops zu verschiedenen Themen ein Schwerpunkt im Programm der Westfälischen Salzwelten. Klar, dass Sara Heiden auch in diesem Bereich mitarbeitet. Das Herstellen von Salz, Seifen, Käse und Gewürzsalz bedeutete eine neue Herausforderung, die sie mit Elan meisterte. Spaß bereitete ihr besonders das „Weihnachtskäsen“, das erstmals in der neuen, modernen Salzküche stattfand. Sie ging Elke Morch zur Hand und begrüßte so ganz nebenbei ihre Oma aus Hamburg, die schauen wollte, wie es ihre Enkelin in Bad Sassendorf angetroffen hat.

Im weiteren Verlauf ihres FSJ wird Sara Heiden in geplante Projekte involviert. Auf dem Programm 2023 steht unter anderem eine neue Sonderausstellung zum Thema Kinder und Badekuren, das Event „Taste Lab – Beer, Beats and Brine“ sowie etliche Workshops und Führungen.

Parallel dazu nimmt sie über die Jugendbauhütte Soest, die die FSJler in der Region betreut, an sechs Seminaren teil. Zwei, die auf dem Schloss Senden stattfanden, hatten das Thema Restaurierung zum Inhalt. „Das ist eine tolle Erfahrung und man kann sich mit anderen Praktikanten der Denkmalpflege austauschen“, erzählt die junge Frau von einem weiteren interessanten Schwerpunkt ihres Praktikums.

Die Entscheidung, auf diesem Weg erste berufliche Erfahrungen zu sammeln, hat Sara Heiden bisher nicht eine Sekunde bereut. „Ich kann nur jedem dazu raten.“ Einen konkreten Berufswunsch hat sie noch nicht. Dass er aber mit Historie, Denkmalpflege und vor allem mit Menschen zu tun haben soll, ist sicher. „Vielleicht auch mal ein Auslandsjahr“, schließt sie weitere Bildung nicht aus. So sehr sie ihren Aufenthalt in Bad Sassendorf genießt, jetzt freut die 19-Jährige sich erst einmal auf Weihnachten mit der Familie in ihrer Hamburger Heimat.

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