„Fracking“: Konzern hat Hand auf dem Suchfeld

Bad Sassendorf liegt wie viele Umlandgemeinden in dem Suchfeld „Falke-South“, für das die BNK Deutschland GmbH eine „Aufsuchungserlaubnis“ beantragt hat. ▪ Quelle: Bezirksregierung

BAD SASSENDORF ▪ Fossile Energie ist knapp und wird immer teuer. Da lohnen sich in Zukunft womöglich auch aufwendige Verfahren zur Förderung von Energieträgern wie Gas. Stichwort ist die „unkonventionelle Förderung“ von Erdgas durch das „Fracking“.

Beim „Hydraulic Fracturing“, kurz „Fracking“ genannt, soll das in großer Tiefe in Tonsteinen oder Kohleflözen gebundene Erdgas gewonnen werden. Dazu wird nach einer Bohrung zunächst ein Gemisch aus Wasser, eventuell auch Quarzsand und Chemikalien in die Tiefe gepresst, um das Gestein aufzubröckeln. Dadurch kann das Gas entweichen und per Unterdruck abgesaugt werden. Gegner dieses Verfahrens verweisen auf Gefahren für die Umwelt und das Trinkwasser und berufen sich auf Erfahrungen aus den USA, wo das „Fracking“ schon eingesetzt wird.

Kritiker dieses Verfahrens befürchten allerdings, dass durch die Bohrungen und den Einsatz von Chemikalien das Grundwasser nachhaltig vergiftet werden könnte. Für Bad Sassendorf und die anderen Sol-Heilbäder im Kreis Soest stellt sich zudem die Frage, ob auch der unterirdische Solestrom durch dieses Verfahren gefährdet werden könnte.

Inwieweit Bad Sassendorf aktuell von der Suche nach geeigneten Standorten für diese „unkonventionelle Erdgasförderung“ betroffen sein könnte, fragte Ingo Schremmer (FDP) daher in der jüngsten Ratssitzung an. Nach seinem Kenntnisstand, so Bürgermeister Antonius Bahlmann, sei für Bad Sassendorf noch kein Suchfeld beantragt worden.

Nach einer Pressemitteilung der Bezirksregierung Arnsberg wird allerdings deutlich, dass das Thema „Fracking“ auch für den Kurort langsam näher rückt. So teilte die Bezirksregierung als zuständige Bergbaubehörde vor kurzem mit, dass ein neuer Antrag auf „Erteilung einer Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten“ vorliegt. Antragsteller ist die BNK Deutschland GmbH aus Frankfurt am Main. Das beantragte Feld, „Falke-South“ genannt, umfasst 2003 Quadratkilometer und erstreckt sich über Teile des Hochsauerlandkreises sowie der Kreise Soest, Unna, Paderborn, Gütersloh und Warendorf. Bad Sassendorf mitsamt seinen umliegenden Nachbargemeinden und den beiden anderen Sole bädern liegt mitten drin.

Die Zahl der Anträge auf Erteilung einer Aufsuchungserlaubnis hat sich laut Bezirksregierung mit dem besagten Antrag auf zehn erhöht. Von den neun anderen Anträgen sind zwei, nämlich für die Felder „WeselGas“ sowie „Donar“ bei Hamm, im vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren. Bei sechs Anträgen befinden sich verschiedene, konkurrierende Unternehmen noch in Abstimmungsgesprächen, bei einem Antrag liegen noch nicht alle Unterlagen vor.

Für 20 Felder wurden bereits Aufsuchungserlaubnisse erteilt. Eine Aufsuchungserlaubnis, so die Bezirksregierung, gestatte noch nicht, eine Erkundungsbohrung niederzubringen. Dafür seien gesonderte Anträge erforderlich. Derzeit liege landesweit nur ein einziger Antrag auf eine Erkundungsbohrung in der Gemeinde Nordwalde im Kreis Steinfurt vor. Was sich im Suchfeld „Falke-South“ tut, bleibt abzuwarten. Bürgermeister Bahlmann setzte in seiner Antwort auf Schremmers Frage jedenfalls darauf, dass die Kommunen im Zuge des Genehmigungsverfahren beteiligt werden. ▪ tbg

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