Einsatz für Archemed - Ärzte für Kinder in Not

Bad Sassendorfer Orthopäde hilft Kindern in Eritrea

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Christoph Schräder und der kleine Tamrath, dem schon als Säugling beide Unterschenkel amputiet werden mussten. 

Bad Sassendorf - Der Bad Sassendorfer Arzt Christoph Schräder ist von einem Einsatz der Hilfsorganisation Archemed in Eritrea zurückgekehrt. Der Projektleiter für die Kinderorthopädie freut sich über den Erfolg der Mission, die wie schildert, 250 Kindern zugute gekommen sei.

In Asmara gab es auch ein bewegendes Wiedersehen mit dem kleinen Tamrath, der als Säugling wegen einer Durchblutungsstörung beide Unterschenkel amputiert bekam. „Eine prothetische Versorgung war bis dahin nicht möglich gewesen“, schildert Schräder. 

Bei einem vorherigen Aufenthalt hatten ihm die Helfer daher mit Unterstützung eines Sanitätshauses zwei Stumpen mitgebracht. Mit diesem Provisorium sollte er lernen, zu krabbeln und sich aufzurichten. Das hat der Junge prima geschafft. „Er ist mit seinen Gehhilfen erstaunlich mobil“, erzählt der Projektleiter.

Über den Verein

Kindern in Not die Chance zu geben, gesund ins Leben zu starten und die Grundlagen für bessere Zukunftsperspektiven zu verstärken, das ist das Anliegen des gemeinnützigen Vereins Archemed unter Vorsitz des Soester Arztes Peter Schwidtal. 

Wesentlicher Bestandteil ist die praktische Anleitung der eritreischen Kollegen sowie die Weitergabe des Wissens an Ärzte und Pflegekräfte, damit sie sicherer werden in Diagnose und Therapie. Gemeinsam geht es darum, eine gut funktionierende medizinische Infrastruktur zu schaffen, sich um die Kinder sowie um ihre Mütter zu kümmern. 

Mobiles Ultraschall-Gerät im Gepäck

Zu der Gruppe um Christoph Schräder, die sich kürzlich auf den Weg zum Horn von Afrika gemacht hatte, gehörten Orthopäden, ein Handchirurg, Schwester, Pfleger, ebenso Physiotherapeuten wie die Angela Schulze-Wiehenbrauk aus Soest. Im Gepäck befand sich unter anderem ein heiß ersehntes mobiles Ultraschall-Gerät. 

Christoph Schräder sieht die Fortschritte und weiß dennoch, wie viel es noch zu tun gibt. Er berichtet vom Paediatric Orthopaedic Center of Asmara (POCA) das als Anlaufstelle für Kinder mit Behinderungen jeder Art aufgebaut werden soll. 

Er schreibt auch über das Screening im Halibet-Hospital gleich nach der Ankunft: Es warteten über 100 Kinder und Jugendliche aller Altersklassen mit Deformitäten und Kontrakturen an Armen und Beinen, häufig unfallbedingt und in Fehlhaltung verheilt, aber auch sehr viele angeborene Störungen und seltene Syndrome.“ Am Ende des Tages standen 21 kleine Patienten auf dem OP-Plan, und 50 erhielten Termine bei den Physiotherapeuten. 

Schulungen vor Ort

Der Arzt besuchte die Klumpfußambulanz, dort wartete ebenfalls eine Schar Kinder, die das Team der Clubfoot-Clinic zur Beurteilung bestellt hatte. Schräder hebt hervor, wie wichtig kontinuierliche Schulungen vor Ort sind. 

Als Beispiel nennt er die Weiterentwicklung des „Casting-Technician“. Hierbei sollen Physiotherapeuten aus allen Regional-Krankenhäusern Eritreas eine Zusatzqualifikation im Bereich Gips-Behandlung erhalten. „Ein guter wie sinnvoller Ansatz“, so der Orthopäde, „da hier eine Verbesserung in der Basisversorgung von Patienten – besonders in der Peripherie des Landes – erreicht wird und somit die Rate an posttraumatischen Komplikationen durch fehlende oder falsche Ruhigstellung gesenkt werden soll. 

Viele junge Patienten

Die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme erleben wir bei jedem Screening durch die hohe Anzahl gerade junger Patienten mit unnötig erworbenen Fehlstellungen der Handgelenke, die dadurch erhebliche Einschränkungen der Gebrauchs- und damit auch zukünftigen Arbeitsfähigkeit erleiden.“ 

Nach einer Woche hieß es wieder, Abschied zu nehmen. In der Rückschau auf zwei Jahre und fünf Missionen denkt Christoph Schräder an die mehr als tausend Kinder, die untersucht, behandelt, operiert wurden. 

Sein Fazit: „Dass wir schon soweit kommen konnten, verdanken wir unseren Spendern, unseren aktiven Teammitgliedern aber auch den vielen Helfern im Hintergrund ohne die ein solches Unterfangen nicht zu stemmen wäre.“

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