1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Bad Sassendorf

Die Mischung aus Läden, Gastronomie und schönen Flecken macht‘s

Erstellt:

Von: Ludger Tenberge

Kommentare

Schauen, shoppen, genießen: Der Jahnplatz mit Fontänenfeld, Eisdiele und dem Eingangsbereich der Kaiserstraße ist ein attraktives Ziel mit großer Aufenthaltsqualität.
Schauen, shoppen, genießen: Der Jahnplatz mit Fontänenfeld, Eisdiele und dem Eingangsbereich der Kaiserstraße ist ein attraktives Ziel mit großer Aufenthaltsqualität. © Peter Dahm

Als Kurort fällt Bad Sassendorf beim Einzelhandel im Vergleich zu „normalen“ Kommunen aus dem Rahmen. Angebote für die Tagesgäste und die Patienten der Reha-Kliniken bestimmen das Bild. Hinzu kommen viele gastronomische Angebote und Sehenswürdigkeiten. Dies stellt eine besondere Stärke des Ortes dar, die aber auch gepflegt sein will. Das lässt sich aus den Ergebnissen der Passantenbefragung „Vitale Innenstädte“ ableiten.

Bad Sassendorf - Das Einzelhandelsangebot im Kurort wird mit Noten zwischen Zwei minus und Drei plus bewertet, erläutert Thomas Frye von der IHK Arnsberg. Dabei kommt als Besonderheit zum Tragen, dass der Einzelhandel stark auf Kurgäste und Tagesbesucher ausgerichtet ist.

Diese Besonderheit spiegelt sich in der Bewertung Bad Sassendorfs als Einkaufsziel wider. Als Ort für den täglichen Einkauf sehen nur 45,2 Prozent der Befragten Bad Sassendorf, bei Orten vergleichbarer Größe liegt dieser Wert im Durchschnitt bei 59 Prozent. Dagegen sehen 66,8 Prozent der Befragten den Fußgängerbereich als Ort zum Bummeln und zum Shoppen (Ortsgrößendurchschnitt 64,2 Prozent). Als touristisches Ausflugsziel bewerten 78,2 Prozent den innerörtlichen Bereich (Ortsgrößendurchschnitt 62,1 Prozent). 84,1 Prozent bewerten den innerörtlichen Bereich als Ort zum Wohlfühlen und Leute treffen, 70,3 Prozent sehen ihn als Ort zum Ausgehen mit Cafés, Kneipen, Restaurant. Die beiden letzten Angaben liegen etwa gleichauf mit den Durchschnittswerten.

Aus diesen Ergebnissen lassen sich wichtige Schlussfolgerungen ableiten, so Thomas Frye. Die meisten Besucher der Innenstädte kämen heute nicht vorrangig wegen des notwendigen Einkaufs, viele kämen vielmehr wegen Kultur, Sightseeing oder Gastronomie. Der Mix dieser verschiedenen Aspekte werde immer wichtiger und Bad Sassendorf sei in dieser Hinsicht aktuell ganz gut aufgestellt, es gebe gemäß Befragung keine andere Kommune mit so einem ausgeprägten Mix.

„Wichtig ist aber“, so Frye, „dass der Funktionsmix erhalten bleibt, alle Branchen zusammen, Gastronomie und Einzelhandel, bilden eine Schicksalsgemeinschaft.“ Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Einzelhandel und gastronomische Betriebe wird mit dieser Feststellung Fryes eine wichtige Aufgabe erkennbar.

So bestätigte auch Marketing-Leiter Olaf Bredensteiner, dass der Mix aus Freizeitangeboten, Gastronomie und Handel im Kurort wichtiger sei als anderswo. Marco Milisenda, Geschäftsführer von Juwelier Fischer, kündigte im Namen des Gewerbevereins zudem eine Umfrage unter den Akteuren an, um im direkten Gespräch mehr über die Lage der Geschäfte zu ermitteln und eventuell Hilfestellungen zu geben. Bredensteiner verweist zudem darauf, dass in den nächsten Wochen mit dem Sälzermarkt oder der Oldtimerrallye etliche zugkräftige Veranstaltungen anstehen.

Die Umgestaltung des Jahnplatzes und die Renaturierung der Rosenau zwischen Hof Haulle und Sälzerplatz seien weitere Maßnahmen, um die Attraktivität des Zentrums zu steigern. Hier gelte es, ergänzte Bürgermeister Malte Dahlhoff, neue Laufwege zu initiieren, um die Besucher zum Beispiel vom Kurpark oder von den Salzwelten auch in die Fußgängerzone zu bekommen. Das gelte auch mit der geplanten besseren Anbindung des Tagungszentrums an die Kaiserstraße. Eine Maßnahme, die allerdings wegen der Lieferengpässe der Bauwirtschaft noch nicht recht in Gang gekommen ist. Als Fazit gilt also: Die Mischung macht’s, und die muss erhalten werden. Letztlich gehe es darum die Stränge zu verknüpfen, die Spezialitäten von Bad Sassendorf zusammenzubringen.

Die Befragung und einige zentrale Ergebnisse

Durchgeführt wurde die Befragung durch das Instituts für Handelsforschung (IfH) Köln in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern und lokalen Partnern. Zu den 106 teilnehmenden Kommunen gehörten aus dem Bezirk der IHK Arnsberg die Innenstadtbereiche von Arnsberg-Neheim, Meschede, Soest, Bad Sassendorf und erstmals auch Brilon.

In Bad Sassendorf wurden dazu an einem Donnerstag und einem Samstag im September 2020 fast 400 Passanten befragt. In der Summe bewerteten die Passanten das Bad Sassendorfer Ortszentrum mit einer „Zwei minus“. Gesamteindruck (Note 2,4) und Ambiente (Note 2,2) schnitten im Vergleich zum Jahr 2018 um jeweils 0,3 Punkte schlechter ab. Im vorigen September war der zweite Bauabschnitt zur Umgestaltung des Kurparks allerdings in vollem Gange. Die Baumaßnahmen an Thermalbad, Gradierwerk und Kurpark dürften folglich die Bewertung getrübt haben, so Thomas Frye von der IHK Arnsberg. Darauf verwies auch Bürgermeister Malte Dahlhoff. Interessant dürfte es sein, die Befragung in zwei Jahren zu wiederholen. Erkennbar sind gemäß der Befragung auch einige Folgen der Corona-Pandemie. So gaben inzwischen zwei Drittel der Innenstadtbesucher an, auch online zu shoppen, jeder Fünfte erklärte, die Innenstädte deshalb seltener aufzusuchen. Wichtig sei es daher, auch den stationären Einzelhandel mit Online-Angeboten und durch Social-Media-Maßnahmen zu stärken.

Auch interessant

Kommentare