46 Monate Haft

Im Drogenrausch: Randalierer zückt Messer und sticht zu

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Symbolbild

Voll mit Alkohol und Drogen randalierte ein Mann in Bad Sassendorf. Zwei Anwohner stellten ihn zur Rede.

Bad Sassendorf – Eigentlich hätte der Fall wegen versuchten Totschlags vor dem Landegericht in Arnsberg verhandelt werden sollen. Da aber von vorneherein verminderte Steuerungsfähigkeit und damit verminderte Schuldfähigkeit eine Rolle spielte, wurde der Fall vor dem Soester Amtsgericht verhandelt, das als Schöffengericht tagte.

46 Monate Haft

Dieses verurteilte den 34-jährigen Angeklagten nach einer fast vierstündigen Verhandlung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft ohne Bewährung. Denn das Schöffenbericht sah folgenden Sachverhalt als erwiesen an: Der junge Mann, ein gelernter, jetzt arbeitsloser Auto-Mechatroniker, hatte betrunken und voller Drogen spätabends im März 2019 vor einem Haus in der Weststraße des Heilbads randaliert. Kaum hatten zwei Bewohner die Tür geöffnet und gefragt, was der Lärm soll, da rammte der Angeklagte einem von ihnen ein Messer in den Bauch. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt und konnte nur durch eine Notoperation im Klinikum Stadt Soest gerettet werden.

Der andere Bewohner floh in seine Wohnung, während der Angeklagte weiter nach oben rannte und vor der Wohnung eines Drogendealers weiterrandalierte. Er gab bei der Polizei und vor Gericht an, er habe Drogen holen wollen.

Der Dealer rührte sich aber nicht, er hatte sein Bett von innen als Schutz gegen die Tür geschoben. Der Angeklagte zog unverrichteter Dinge ab. Erst am nächsten Tag meldete er sich bei der Polizei. Er habe gehört, dass man ihn suche, wisse aber nicht warum, sagte er.

Notoperation

Das Opfer überstand eine Notoperation, mehrere Tage auf der Intensivstation und einen langen Krankenhausaufenthalt. Der Angeklagte bat zwar um Entschuldigung, aber der Geschädigte, ein 64-Jähriger Rentner, der auch als Nebenkläger auftrat, wusste nicht, ob er die annehmen sollte. „Ist schlecht gelaufen“, kommentierte er den Abend. Sein Nachbar erzählte im Zeugenstand, dass der Rentner noch heute unter der Tat leide.

Die vergleichsweise milde Strafe hatte der Angeklagte seiner guten Prognose und der Tatsache zu verdanken, dass er sich freiwillig stellte und ein Teilgeständnis ablegte. Nur an die zentrale Tat, den Stich mochte er sich nicht erinnern. Mit dem Messer wollte der die Wohnungstür des Dealers aufbrechen, wie dieser ihm das schon oft gezeigt habe. Wo das Messer nach der Tat geblieben ist, weiß keiner – nur der Angeklagte.

Einschlägige Vorstrafen

Gegen ein mildes Urteil sprachen die einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten, die nur zum Teil schon verjährt waren. Und dagegen sprach auch sein Alkoholkonsum, obwohl er wusste, wie er darauf reagiert.

Mit dem Strafmaß von drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung schloss sich das Schöffengericht dem Antrag des Staatsanwalts an.

„Wir können hier nicht Täterschutz über Opferschutz stellen“, sagte Richter Gährken.

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