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Ortsverein hat bereits für 4 000 Euro Bautrockner und Geräte beschafft und ausgeliefert

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Von: Ludger Tenberge

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Heizlüfter, Bohrhämmer, Verlängerungskabel: Diese Gerätschaften werden im Ahrtal dringend benötigt. Die Ankunft von Dietmar Cosmann (rechts) und Familie war daher hochwillkommen. Vor Ort kümmert sich Gitta Veldenzer (links) um den koordinierten Einsatz der Geräte.
Heizlüfter, Bohrhämmer, Verlängerungskabel: Diese Gerätschaften werden im Ahrtal dringend benötigt. Die Ankunft von Dietmar Cosmann (rechts) und Familie war daher hochwillkommen. Vor Ort kümmert sich Gitta Veldenzer (links) um den koordinierten Einsatz der Geräte. © Angelika Cosmann

Manche Häuser komplett fortgespült, andere stark zerstört und durch meterhohe Wasserstände beschädigt: Einige Flutopfer im Ahrtal haben alles verloren, viele stehen vor der schwierigen Aufgabe des Wiederaufbaus. „Da ist ganz schnell unkomplizierte Hilfe notwendig“, lautete die Schlussfolgerung von Angelika Cosmann. Für die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Bad Sassendorf war schnell klar, dass für die Menschen im Ahrtal Hilfe organisiert werden muss.

Bad Sassendorf - „Der DRK Ortsverein Bad Sassendorf möchte langfristig in der Region Ahrweiler Familien und Einzelpersonen direkt und persönlich unterstützen. Bei uns soll die Hilfe direkt ankommen und ein Gesicht haben. Wir möchten mit Geldspenden und Sachspenden ganz gezielt helfen und weitere persönliche Hilfspatenschaften vermitteln“, erklärt Cosmann.

Hebamme Andrea Mausberg aus Ahrweiler und das, was die Wassermassen vom Esszimmer ihres Fachwerkhauses übrig gelassen haben
Hebamme Andrea Mausberg aus Ahrweiler und das, was die Wassermassen vom Esszimmer ihres Fachwerkhauses übrig gelassen haben. © Christiane Mausberg Henriques

Das DRK Bad Sassendorf hat daher einen Teil der geplanten Investitionen zurück gestellt, zirka 4 000 Euro standen damit zur Verfügung, um Lüfter, Luftentfeuchter und Bohrhämmer zu erwerben. Am Wochenende machte sich Angelika Cosmann mit Helfern auf den Weg Richtung Ahrtal. Die Hilfe gilt unter anderem Mayschoß, einem Ort, der nach der Wasserflut bis heute nur über Nebenwege durch die Weinberge zu erreichen ist. Aufgrund persönlicher Kontakte hatte Cosmann sich nach der Lage erkundigt. Zehn Tage waren die Einwohner dort ohne Strom, das Trinkwassernetz ist außer Betrieb, die Versorgung läuft über allenthalben aufgestellte Wassertanks. Auf Nachfrage hatten die Einwohner berichtet, dass derzeit vor allem Geräte zum Trocknen der nassen Häuser gebraucht werden. In vielen Fällen müssen Putz und Estrich abgetragen werden.

Weil die Praxiseinrichtung zerstört ist, behandelt die Hebamme Ihre Patientinnen derzeit in ihrem eigenen Schlafzimmer
Weil die Praxiseinrichtung zerstört ist, behandelt die Hebamme Ihre Patientinnen derzeit in ihrem eigenen Schlafzimmer. © Christiane Mausberg Henriques

Angesichts dieser Perspektiven habe das DRK insbesondere Lüfter angeschafft, die auch heizen können, um Vorsorge für Herbst und Winter zu treffen. Ob zum Beispiel das Gasnetz bis dahin überall repariert ist, sei sehr fraglich, berichtet Cosmann. Von den Zerstörungen vor Ort zeigte sich die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins tief betroffen: „Wir kennen das Ahrtal von früher, wenn man es heute sieht, kommen einem die Tränen. Die vielen Geschichten, die wir an dem Tag der Spendenübergabe von den Betroffenen gehört haben, können wir jetzt erst nach und nach verarbeiten.“

Ein Beispiel ist die alleinerziehende Hebamme Andrea Mausberg. Die Wasserfluten haben Keller und Erdgeschoss ihres Fachwerkhauses zerstört. Weil davon auch der Praxisbereich betroffen ist, muss die Hebamme die Schwangeren nun im ersten Stock in ihrem eigenen Bett behandeln. Die Fahrt zu ihrem Zweitjob als Hebamme in Köln fällt flach, weil sie kein Auto mehr hat, die Zugverbindungen sind zerstört. Als erste Hilfe soll daher eine Behandlungsliege organisiert werden, berichtet Cosmann.

Klar ist für die Vorsitzende und das DRK, dass in Abstimmung mit den betroffenen Flutopfern weitere Hilfe organisiert werden muss. Im Moment werden besonders Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kochgelegenheiten für jene Regionen benötigt, in denen es wieder Strom und Wasser gibt.

Der DRK Ortsverein bittet daher um Geld oder Sachspenden, die über Gitta Veldenzer als Kontaktperson aus dem Ahrtal direkt an betroffene Familien verteilt werden. „Namen, Gesichter, Geschichten werden auf Anfrage zum direkten Kontakt gerne zur Verfügung gestellt“, betont Cosmann.

Wir kennen das Ahrtal von früher, wenn man es heute sieht, kommen einem die Tränen.

Angelika Cosmann, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Bad Sassendorf

Der DRK-Ortsverein plant zudem, Firmen und Institutionen wegen Spenden anzusprechen und vielleicht auch eine Jobbörse mit Unterkunftsmöglichkeiten besonders für gastronomische und serviceorientierte Betriebe einzurichten. Ein Problem ist im Ahrtal nämlich auch, dass zum Beispiel der Tourismus darnieder liegt. „Alle Servicekräfte haben ihre Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze für längere Zeit verloren und gerade in unserer Region fehlen sie“, erklärt Cosmann, „vielleicht können wir hier auch vermittelnd einspringen.“

Ideen für eine Hilfe gebe es genug, wichtig sei nun eine möglichst breite Unterstützung, um die Menschen im Ahrtal zu unterstützen. Der Ortsverein hofft auf Spenden und bereitet weitere Infos im Internet vor.

Infos und Kontakt

Weitere Infos unter www.drk-badsassendorf.de, drkhell4.drkms.de und drkfluthilfebadsassendorf.jimdofree.com. Angelika Cosmann ist erreichbar unter Telefon 0171/6868520.

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