Abschieds-Gottesdienst als Video

Pfarrer Dietrich Woesthoff geht in den Ruhestand

Pfarrer Dietrich Woesthoff
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Der Lieblingsplatz in der Kirche St. Johannes der Täufer: Die neue Beleuchtung im renovierten Gotteshaus rückt den Altarraum in ein besonderes Licht. Dort sagt Pfarrer Dietrich Woesthoff am Sonntag „Auf Wiedersehen“. 

Pfarrer Dietrich Woesthoff, seit 1992 Seelsorger in Neuengeseke und seit 2006 auch der Evangelischen Möhne-Kirchengemeinde geht in den Ruhestand.

Neuengeseke – Die Wege im Auge zu behalten, die frühere Generationen mit Bedacht gingen, aber auch eigene Ziele zu setzen, das sei den Gemeindemitgliedern bisher immer gut gelungen. Dass sie es schaffen, diese Balance zwischen Alt und Neu zu bewahren, das wünscht Pfarrer Dietrich Woesthoff den evangelischen Christen in der Börde und an der Möhne, die er lange als Seelsorger begleitete. Er nimmt Abschied – schweren Herzens und in einer sehr besonderen, herausfordernden Zeit. Denn in der Pandemie, so betont er, vermisse er viele liebe Menschen, denen er sonst in einem sehr lebendigen Gemeindeleben häufig begegnet sei.

Die Gläubigen brauchen die Kirche, und die Kirchen brauchen die offenen Türen und eine Gemeinschaft, in der sich die Menschen fest verwurzelt fühlen.

Dietrich Woesthoff, eng mit dem Kirchspiel Neuengeseke und der Evangelischen Möhne-Kirchengemeinde verbunden, geht in den Ruhestand. Er hätte am Sonntag nach Ostern gerne viele Hände geschüttelt, um mit persönlichen Worten „Auf Wiedersehen“ zu sagen, doch die Bänke im Gotteshaus St. Johannes der Täufer in Neuengeseke müssen leer bleiben. Weil Corona Abstand fordert, kommen die Bilder des Gottesdienstes mit der Entpflichtung durch Superintendent Manuel Schilling per Video ins Haus. Schön wäre, wenn es, wie geplant, am 20. Juni mit einer kleinen Feier im Freien klappt, so Woesthoff.

Viele bedauern, dass Seelsorger geht

Er wird im Sommer 66 Jahre alt. Dass er geht, löst in den beiden Gemeinden Bedauern aus. Der ein oder andere Anrufer übermittelte schon alle guten Wünsche. Woesthoff kam vor knapp zwanzig Jahren nach Neuengeseke. Seither wohnt er im Pfarrhaus, mitten im Dorf, gleich neben der im Grünen gelegenen evangelisch-lutherischen Pfarrkirche, die mächtigen, 800 Jahre alten Mauern und den Turm immer im Blick.

„Ein Pfarrer“, sagt er, „hat eine besondere Nähe zu den Menschen.“ Er teilt mit ihnen Freud und Leid, begleitet sie über Höhen und durch Tiefen. Der Seelsorger freut sich, viele Menschen in den Dörfern zu wissen, die sich für ihre Kirche am Ort einsetzen, deren Schicksal selber in die Hand nehmen und da sind, wenn Hilfe gefragt ist, egal welcher Konfession sie angehören.

Viele bedauern, dass Seelsorger geht

Der Verein der Freunde und Förderer von St. Johannes der Täufer leiste große Unterstützung, ebenso der Kirchbauverein an der Möhne. Beide Gemeinden seien völlig unterschiedlich, so Woesthoff, und ergänzten sich gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit – eine spannende Sache. Hier die evangelischen Christen eher ländlicher Prägung, viele von ihnen „schon immer“ in dem über Jahrhunderte gewachsenen Sprengel zuhause und dort eher städtisch geartete Strukturen mit zwei Kirchen jüngeren Datums für Menschen, die zur Talsperre ziehen und dort sesshaft werden. Für Dietrich Woesthoff ist klar: „Das passt gut zusammen.“

Er nennt einige Stationen seiner Biografie: In Merklingsen (Gemeinde Welver) aufgewachsen, studierte er in Münster, Marburg und Utrecht. Dem ersten theologischen Examen folgte das erste Vikariatsjahr in Siegen, das zweite absolvierte er in London. Auf der Insel lernte er auch die von Cicely Saunders mit dem St. Christopher’s Hospize begründete moderne Hospizbewegung und die Umsetzung in der Praxis kennen. Er brachte seine Eindrücke mit nach Soest und regte die Gründung eines Vereins an, der den Einsatz für ein würdiges Leben bis zum letzten Augenblick in den Mittelpunkt stellt.

Stelle wird ausgeschrieben

Im Jahr 1990 kam Dietrich Woesthoff in den Kirchenkreis Soest, 1992 nach Neuengeseke, seit 2006 betreut er auch die Möhne-Kirchengemeinde. Als großes Herzensanliegen bezeichnet er die Mitarbeit in der Jugendkirche, eine Aufgabe, die künftig Pfarrer Ralph Frieling aus Weslarn übernehme.

Was nach seinem Weggang geschieht? Die Stelle werde ausgeschrieben, antwortet Woesthoff. Möglicherweise steht bis zum Herbst fest, wer die Nachfolge antritt. Für ihn selber steht jetzt der Umzug nach Soest an. Sicherlich kehrt er demnächst mal als Radler nach Neuengeseke und zu seiner Kirche zurück, die – in der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik entstanden – mit ihren dicken Wänden Geborgenheit und Wärme ausstrahlt, sich aber gleichzeitig öffnet und Weite vermittelt.

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