Das Gegenteil von Ostern

Diana und John Sidney Royer leben in Ostinghausen ihren Western-Traum

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John Sidney Royer hat mit seiner Frau den kleinen Raum auf dem Speicher in einen Saloon verwandelt.

Ostinghausen –  Diana und John Sidney Royer haben einen denkmalgeschützten Gutshof in Ostinghausen in ihren persönlichen amerikanischen Traum verwandelt. Heute heißt der Hof Five-Star-Ranch und ist eine Westernreitschule.

Es sieht hier vielleicht nicht aus wie im Wilden Westen. Keine Kakteen, keine zerklüfteten Canyons, keine vertrockneten Tumbleweed-Sträucher, die vom Wind durchs Bild geweht werden, und statt hungriger Aasgeier sitzt ein Storchenpaar in seinem Nest und schaut aus sicherer Entfernung auf die Szenerie. Doch wenn Diana und John Sidney Royer auf der Bildfläche erscheinen, kommt Wildwest-Atmosphäre auf. Von den reich verzierten Stiefeln samt Sporen über große Gürtelschnallen bis zum Stetson, dem klassischen Cowboyhut. Mit ihrem Auftreten wird der Bauernhof zur Ranch. 

Und so heißt die Anlage auch: Vor 13 Jahren kam das Paar nach Ostinghausen, übernahm einen denkmalgeschützten Gutshof aus dem 18. Jahrhundert, den ältesten Hof im Ort, und machte aus der 17 Hektar großen Anlage die „Five Star Ranch“. Damals im Jahr 2006 waren sie noch sehr jung, bedenkt man, dass John heute erst 42 ist und Diana gerade einmal 40. Mit ihnen zog jede Menge amerikanisches Flair in den Bauernhof ein, so wie in ihrem „Saloon“ oder in dem kleinen Raum im Speicher, in dem das Ehepaar mit texanischen Möbeln und Accessoires handelt. 

Das Auto? Ein Pickup-Truck!

Vor der Tür steht ein Pickup-Truck der Marke Dodge, neben den Pferden wuseln noch allerlei andere Tiere herum, darunter Katzen, ein stattlicher Bernhardiner-Mischling und der verschmuste dreijährige Rüde Rusty, ein Australian Shepherd, der der typische Hütehund der Cowboys ist. 

Bei einem Mann, der auf den Namen John Sidney Royer hört, möchte man meinen, der Hang zu den Vereinigten Staaten und ihrer Geschichte sei ihm in die Wiege gelegt gewesen. Doch weit gefehlt: Royer wuchs als Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen im Oberbergischen auf, „in einem ganz einsamen Nest auf einem Berg, dessen einzige Attraktion eine Familie mit Kindern in meinem Alter war, die Westernpferde züchtete“. Auch einen amerikanischen Akzent hat Royer nicht. 

Für Western im Fernsehen fehlt heute die Zeit

Sein Vater war kein Cowboy, sondern Lehrer an einer Gesamtschule, Dianas Mutter war ebenfalls Lehrerin, der Vater Betriebswirt. „Von Haus aus hatten wir also wenig bis gar keinen landwirtschaftlichen Bezug“, erzählt Royer. Immerhin, Fernsehen gab es in seinem „Nest“, und John Wayne, Roy Rogers, Fuzzi und all die schwarz-weißen Helden aus „Western von gestern“ ritten auch durch sein Kinderzimmer. „Ich würde mir diese Filme auch heute gerne noch anschauen, doch dazu fehlt mir die Zeit. Dafür ist es umso schöner, selber den ganzen Tag in Cowboystiefeln und mit einem Stetson herumzulaufen. Das ist schon etwas anderes, als in der typischen Reithose. Dieser Lifestyle liegt uns mehr.“ 

Und es ist nicht nur seine Arbeitskleidung. In Ostinghausen ist man den Anblick des Cowboys von der Ahse gewohnt, außerhalb der Ortschaft trägt er weniger dick auf, in dezenteren Stiefeln, und dann propft er auch die Jeans nicht in den Schaft, sondern trägt sie über dem Schuhwerk. 

Mit Hut, Fransen und Cowboy-Stiefeln reiten Diana John Sidney Royer über ihre Ranch. Neben Pferden gibt es hier noch viele andere Tiere.

Das Paar ist seit der Schulzeit zusammen. Diana kam vom Dressurreiten und wechselte mit 16 zum Westernreiten, weil ihr dort die Haltung und der Umgang mit den Pferden artgerechter erschien. Gemeinsam machten sie auf dem selben Hof ihre Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister, „und irgendwie hatten wir immer diesen Westernbezug. Mittlerweile betreiben wir hier mit 15 Schulpferden mindestens eine der größten Westernreitschulen Deutschlands, vielleicht sogar die größte.“ 

Zuvor hatten sie in der Nähe Kölns eine Anlage gepachtet, erzählt John Royer. „Wir wollten aber die ganze Zeit einen eigenen Hof besitzen. Wir haben zwei Jahre lang gesucht, und als wir schon kurz davor waren, die Hoffnung aufzugeben, stießen wir über ein Immobilienportal auf diesen Hof. Er war mit ganz viel Liebe zum Detail renoviert worden, sodass wir im Prinzip sofort loslegen konnten.“ 

Reiten wie ein Cowboy

Das Westernreiten gehe zurück auf die Arbeitsweise der Cowboys, erklärt er: „Da musste das Pferd funktionieren. Es hilft ihnen bei der Arbeit. Das Reiten ist ja nicht ihre eigentliche Arbeit, so wie ein Handwerker, der mit dem Bulli auf die Baustelle fährt, kein Berufskraftfahrer ist.“ Auf dem Platz vor ihm gibt seine Frau gerade einen Reitkurs mit Teilnehmern aus ganz Deutschland, zeigt ihnen, wie Pferde lernen, wie man ihnen vermittelt, was sie tun sollen. Ist es also so, als würden die gerade bloß ihren Führerschein machen? „Nein“, meint Royer, „im Gegenteil, das Westernreiten ist sogar noch facettenreicher als andere Reitweisen, die ich so kenne. 

Man hat immer einzelne Aspekte aus der Arbeitsweise der Cowboys genommen und daraus eigene Disziplinen gemacht. Zum Beispiel im Reining, einem Begriff, der sich von englischen Wort für Zügel ableitet.“ In dieser im Galopp gerittenen Disziplin wird von Pferd und Reiter eine Abfolge von Manövern verlangt, „und all diese Manöver kommen aus der Arbeit mit dem Rind, zum Beispiel eine Drehung um die eigene Achse. Sie hat ihre Wurzeln darin, dass man sich mit dem Pferd in eine Herde stellt und die Rinder auseinandertreibt, sodass man an einzelne wieder mit dem Lasso rankommt. Dieses Einfangen ist wiederum eine Disziplin für sich, die in Deutschland aufgrund des Tierschutzes nur sehr eingeschränkt möglich ist.“ 

Royer zeigt auf ein Mädchen, das mit seinem Pferd gerade zögerlich auf ein Gebilde aus mehreren Stangen zugeht: „Die junge Dame versucht gerade, dem Pferd die Angst davor zu nehmen, durch ein Tor zu gehen. Diese Disziplin nennt sich Trail. Dazu muss man an das Tor heran reiten, es ohne abzusitzen mit einer Hand öffnen und durchreiten, was kontrollierte, exakte Bewegung des Pferdes erfordert.“

Hoffest im Juli

Wer sich selber einmal ein Bild machen möchte vom Westernreiten, der sollte sich das Hoffest am Samstag, 13. Juli, im Kalender anstreichen. Ab 11 Uhr gibt es allerlei Wettbewerbe, Vorführungen, unter anderem Quadrillen, sowie ab 18 Uhr Barbeque und Livemusik mit den Düsseldorfer „Outlaws of Lubbock“. Und die spielen was? Natürlich Country and Western.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Ranch.

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