Auf dem Kirchplatz in Ostinghausen wird es abenteuerlich:

Initiatoren wollen Bücherschrank beleben

Echt abenteuerlustig: Gemeinsam mit Tochter Emma freuen sich Juliane Kriegelstein-Plitzner (rechts) und Sandra Kriegelstein (2. von rechts) ebenso wie Angelika Kolkmann und Elmar Schumacher auf das Abenteuer unter den Linden.
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Echt abenteuerlustig: Gemeinsam mit Tochter Emma freuen sich Juliane Kriegelstein-Plitzner (rechts) und Sandra Kriegelstein (2. von rechts) ebenso wie Angelika Kolkmann und Elmar Schumacher auf das Abenteuer unter den Linden.

Ostinghausen - „Bücherschrank – Abenteuer unter den Linden“ - diese Aufschrift soll es in ein paar Tagen an einer Konstruktion aus Metall, Holz und Glas auf dem nördlichen Kirchplatz in Ostinghausen geben. Hinter den Türen verbirgt sich schon jetzt genau das, was das Schild verspricht: Abenteuerliches in Buchform.

Die Geschichte des neuen Bücherschrankes selbst hätte auch das Zeug, als Buch im Schrank zu landen. Die nämlich enthält neben Pioniergeist und viel Kreativität auch Durchhaltevermögen, Teamgeist und einige Kapitel, die noch gar nicht geschrieben sind. Aber der Reihe nach.

Wir wollen eine Pinwand installieren. Da kann jeder eine kleine Rezension dran machen und auf ein spezielles Buch verweisen.

Juliane Kriegelstein-Plizner, Bücherschrank-Patin

„Deutlich mehr als ein Jahr“ habe es von der Idee bis zur Realisierung gedauert, erzählt Ortsvorsteherin Angelika Kolkmann. Und dass sich mit der Familie Kriegelstein nun Menschen gefunden haben, die gleich nebenan wohnen und die Patenschaft für den neuen Schrank übernommen haben, das sei schlicht „ein Glücksfall“. „Ich habe die Idee ins Spiel gebracht“, erinnert sich Sandra Kriegelstein. Schnell wird klar: Bücher, das ist ihr Ding. Und das von Ehefrau Juliane Kriegelstein-Plizner. Die beiden blicken auf Erfahrungen in Büchereien zurück, auf Aktionen rund um Gedrucktes. Wer die beiden nach Ideen rund um den neuen Bücherschrank fragt, muss nicht lange auf Antworten warten. „Wir wollen eine Pinwand installieren. Da kann jeder eine kleine Rezension dran machen und auf ein spezielles Buch verweisen“, meint Juliane. Auch das „Blind Date“ geht auf ihr Initiative zurück: Einige Bücher sind verpackt und mit kleinen Texten versehen. Auf einem etwa steht: „Wer Blumen mag, wird dieses Buch lieben! … ein ernsthafter und gleichzeitig zauberhafter Roman.“ Überhaupt dürfe jeder sein Lieblingsbuch spendieren und mit einer kleinen Rezension versehen.

Drinnen im Schrank stehen zum Start Romane, Sachbücher und Literatur für Kinder. Viele Exemplare hat Angelika Kolkmann aus der Fahrbücherei des Kreises gerettet. „Wir haben aber auch schon einige Spenden bekommen“, sagt Sandra.

Das Schrank-Komitee

In Ostinghausen gibt es ein Vereinsgremium, in dem unter anderen neue Projekte besprochen werden. Nachdem Sandra Kriegelstein die Idee des Bücherschrankes wieder belebt hatte, bildete sich ein Schrank-Komitee. Dem gehören Elmar Schumacher, Simon Stegemann, Silvia Steinbach, Sandra Kriegelstein und Juliane Kriegelstein-Plitzner an.

Das sind die Bedingungen für den Start in der Corona-Zeit. Lassen es die Umstände wieder zu, soll es ziemlich lebhaft zugehen rund um den Schrank. Bastelaktionen mit alten Büchern (Sandra: „Da kann man ganz schöne Büchertischchen draus machen“), ein kleiner Buchclub (Juliane: „Wir lesen alle das gleiche Buch und sprechen dann drüber“) oder Buchvorstellungen und Lesungen regionaler Autoren am Schrank (Sandra: „Da darf jeder über sein Lieblingsbuch sprechen“) sind ebenso angedacht wie Lesungen für Kinder oder „all die neuen Ideen, die wir noch gar nicht kennen“.

Der kreative Teil also ist abgedeckt. Dass der Schrank seit Montagabend auf dem Kirchlatz steht, das hat aber auch mit Handwerk und Organisation zu tun. „Wir haben das Metall und die Konstruktion spendiert“, erzählt Elmar Schumacher. Der ist im Vereinsleben des Dorfes ebenso aktiv wie in der Metallfirma, auf die diese Spende zurück geht. Für die finanzielle Balance hatte zuvor Angelika Kolkmann in Kooperation mit Heinrich Frieling gesorgt. Der CDU-Landtagsabgeordnete hatte den Weg zum Heimat-Scheck in Höhe von 2000 Euro fürs Projekt geebnet. Zusätzlich gab es vom Kreis Soest einen 500-Euro-Zuschuss.

Ebenfalls mit im Bücher-Boot: Silvia Steinbach, die mit vielen Ideen zum Gelingen beitrug und sich künftig an den Aktionen beteiligen will. Und Simon Stegemann, der das Projekt begleitete und die Holzarbeiten am Schrank erledigte.

„Wer eine Idee hat, darf einfach klingeln“

Was die Menschen rund um Ostinghausen mit dem neuen Angebot nun anfangen sollen? „Das soll hier nicht so aussehen wie im Keller oder auf dem Dachboden“, lacht Juliane. Doch wer ein gutes Buch entbehren könne, dürfe das gerne in den Schrank stellen. Ansonsten soll es zugehen wie bei vielen Bücherschränken in der Region: Die Literatur darf beliebig entnommen, gelesen, weitergegeben oder zurück gestellt werden. Für hochwertigen Nachschub sorgen so die Menschen selbst – und die Bücherschrank-Paten. Die wohnen im Übrigen gleich nebenan. „Wer eine Idee hat, darf einfach klingeln“, macht Sandra Lust aufs Mitmachen beim Buch-Abenteuer.

Das „Abenteuer unter den Linden“ heißt im Übrigen so, weil es tatsächlich unter den Kirchplatz-Linden steht. Der Clou an der Sache: Der Schrank ist mobil. So kann er auch mal in Neuenkamp stehen – oder während der geplanten Sanierung des Platzes in diesem Jahr an einem anderen Standort seinen Charme versprühen.

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