Blinden-Tastmodell für den Kurpark

Felix Broerken arbeitet am Gradierwerk am Kleinen

Felix Broerken
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Das Gradierwerk entsteht im Maßstab 1:100. Das Modell zeichnet sich durch zahlreiche, originalgetreu nachempfundene Details aus

Im Sommer soll es fertig sein: Bad Sassendorf bekommt ein Modell mit Gradierwerk und Börde-Therme, das es auch blinden Besuchern ermöglicht, auf Entdeckungstour zu gehen.

Bad Sassendorf – Das neue Erlebnis-Gradierwerk – viel beachtetes Prunkstück im Kurpark – existiert auch im Kleinen. Felix Broerken, freischaffender Künstler, fertigt das Modell und arbeitet noch an den letzten Feinheiten vor dem Guss. Hochwertige Goldbronze gibt der Bad Sassendorfer Miniatur große Beständigkeit. Steht sie voraussichtlich ab Sommer an ihrem Platz, heißt es: Berühren ist ausdrücklich erlaubt und sogar erwünscht. Denn mit der Börde-Therme als zweites prägendes Bauwerk lädt die Plastik zum Spaziergang mit den Händen ein, die tastend Formen, Anordnungen und Größenverhältnisse erfassen.

So bekommen auch blinde und sehbehinderte Besucher, denen die optische Wahrnehmung verborgen bleibt, eine Vorstellung von den Dimensionen, die sie nun im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Sie sind eingeladen, jede Ecke zu erkunden. Wir haben uns in der Werkstatt des 33-Jährigen umgesehen, der in Welver-Berwicke lebt. Er ist in die Fußstapfen seines Vaters Egbert getreten: Beide schaffen maßstabgerechte und detailgetreue Darstellungen von Städten und Sehenswürdigkeiten, die sie aus der Vogelperspektive zeigen. Wie mit einem Suchbild eröffnen sie auch Sehenden andere Blickwinkel und eine neue Sicht auf womöglich Altbekanntes.

„Das ist schon ein besonderer Auftrag“, sagt Felix Broerken. Er kennt Bad Sassendorf seit seiner Kindheit, doch so genau, wie in den vergangenen Monaten hat er wohl noch nie hingeschaut. Schließlich soll sein Werk, das in der aufwendigen, jahrtausendealten Technik des Wachsausschmelzeverfahrens entsteht, die Gegebenheiten vor Ort so präzise wie möglich abbilden. Dazu sind viele einzelne Arbeitsschritte erforderlich.

Eine ruhige Hand, räumliches Verständnis und ein gutes Vorstellungsvermögen, zählt der Künstler einige der wichtigsten Grundlagen für sein Handwerk in Verbindung mit künstlerischer Gestaltungskraft auf. „Ich habe meinem Vater früher in den Schul- und Semesterferien geholfen“, berichtet er. Das Stadtmodell von Egbert Broerken vor dem Soester Rathaus gehört zu den beliebten Anlaufpunkten, auch für Touristen, die mehr über die historische Hansestadt erfahren wollen. „Die Bäumchen sind von mit“, schildert Sohn Felix. Fotos samt Luftaufnahmen fließen in erste Entwürfe ein. Schließlich beginnt der Aufbau. Felix Broerken schneidet mit Heißdraht oder Säge die Gebäude aus Styrodur-Platten, ein feinporiger Werkstoff, der sich so der Künstler, sehr gut handhaben lässt.

Wer sieht, wie er kleine, filigrane Teilen zum großen Ganzen zusammenfügt, der kann gut nachvollziehen, dass er als Kind gern mit Lego-Steinen spielte. Nun macht er ein Stück Bad Sassendorf erfassbar. Bald ist das Ur-Modell fertig, durch einen Anstrich gibt es bereits einen guten Eindruck vom Original und der Wirkung am Standort. Bevor die glühend heiße Kupfer-Zinn-Legierung in die Schamottform fließt, durchläuft das Panorama noch die Stadien Silikon und Wachs.

In der Gießerei Schwab in Münster-Sprakel entscheidet sich, ob das Werk gelungen ist. Doch bei der Vollendung baut Felix Broerken ganz auf die große Erfahrung des traditionsreichen Betriebes.

Er findet es spannend, wenn er seine Arbeit zwischendurch vor Ort präsentiert und mit den Menschen ins Gespräch kommt, die dann Gesichten erzählen und Anregungen geben. So war es kürzlich auch in Bad Sassendorf. Der Förderverein der Salzwelten und die NRW-Stiftung leisten finanzielle Unterstützung zu diesem Beitrag für einen barrierefreien Kurpark. Broerken freut sich schon darauf, demnächst zu sehen, wie sein Gradierwerk und die Börde-Therme ankommen: Zu erkennen am Glanz, den die Hände interessierter Besucher auf ihren Erkundungstouren hinterlassen. Ein Carnauba-Hartwachsüberzug schützt vor Umwelteinflüssen.

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