Biogasanlage in Bettinghausen erneut ausgelaufen

Feuerwehr im Vollschutz

[UPDATE 15.45 Uhr] BETTINGHAUSEN - Zu einem Großeinsatz in Bettinghausen mussten die Freiwillige Feuerwehr Bad Sassendorf und weitere Einsatzkräfte Dienstagnacht ausrücken. Wegen eiens Defekts und eines offenen Schiebers lief eine große Menge an Gärsubstrat aus der Biogasanlage im Südfeld aus.

Der Unfall ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Gärbehälter der Biogasanlage im Februar 2008 schon einmal ausgelaufen war. Seinerzeit war der Flansch einer Rohrverbindung defekt gewesen. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte gegen 23.19 Uhr. Wegen der unmittelbar drohenden Gefahr für die Umwelt wurden die Löschzüge eins und zwei alarmiert, die Löschgruppen Bad Sassendorf, Lohne, Bettinghausen und Weslarn waren mit sechs Fahrzeugen und 45 Kameraden bis Mittwochmorgen gegen 4.55 Uhr im Einsatz. Für den Eigenschutz der Einsatzkräfte wurde zusätzlich ein Rettungswagen an den Unglücksort beordert. Mitglieder der Einsatzkräfte kamen zwar nicht zu Schaden, Betreiber Stefan Eickhoff musste jedoch vorsorglich ins Krankenhaus gebracht werden, da er das Luft-Gasgemisch eingeatmet hatte.

Der Unfall ereignete sich an der Beschickung des Fermenters, also an der ersten Stufe zum Aufschluss des Maises. Unter Vollschutz versuchten die Feuerwehrleute hier einen Schieber zu schließen. Dies erwies sich jedoch als schwierige Aufgabe. Die Einsatzkräfte und Betreiber der Anlage standen bis zu den Knien in dem Gärsubstrat, zudem bestand wegen des Gasgemisches aus der Anlage Explosionsgefahr, berichtete Wolfgang Geisler, der den Einsatz als Fachbereichsleiter des Bad Sassendorfer Ordnungsamts beobachtete.

Gegen 3.45 Uhr war der Schieber endlich geschlossen, wie Einsatzleiter Ralf Suckrau von der Bad Sassendorfer Feuerwehr berichtete. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch ein Großteil des Substrats bereits ausgelaufen. Der Gärbehälter, der etwa 1 800 Kubikmeter fasst, war nach den Angaben von Hartmut Eickhoff ziemlich voll und seiner Schätzung zufolge sind etwa 1 500 Kubikmeter Substrat aus der Anlage heraus geflossen.

Als Lehre aus dem Unfall von 2008, als größere Mengen des gülleähnlichen Substrats in den benachbarten Kützelbach gelangt waren, hatten die Betreiber der Biogasanlage auf Anordnung des Kreises Soest Schutzwälle angelegt. Diese Maßnahme hat sich Hartmut Eickhoff zufolge ausgezahlt. So sei es gelungen, rund 99 Prozent des Substrats zurück zu halten. Die Einschätzung, dass eher eine geringe Belastung des Kützelbachs mit Substrat erfolgte, wurde gestern Nachmittag vom Kreis Soest bestätigt. Trotz des Schutzwalls sei aus diffusen und nicht klar zu definierenden Quellen zwar eine geringe Beeinträchtigung des Kützelbachs festgestellt worden, berichtete Norbert Hurtig, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft, in einer Pressemitteilung des Kreises. Zu einem Fischsterben habe dies aber nach jetzigen Erkenntnissen nicht geführt. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz habe zudem Proben genommen, deren Ergebnisse aber noch nicht vorliegen.

Neben der Unteren Wasserbehörde wurde auch das Deutsche Rote Kreuz noch in der Nacht zur Unterstützung der Einsatzkräfte hinzu gezogen. Das DRK baute ein aufblasbares Wärmezelt auf, damit sich die Einsatzkräfte angesichts der Temperaturen um den Gefrierpunkt warm halten und stärken konnten. Dieses Zusammenspiel der Einsatzkräfte habe sehr gut geklappt, berichtete Geisler.

Zur Ursache des Unfalls könnten noch keine konkreten Angaben gemacht werden, sagte Hartmut Eickhoff, der Bruder des Betreibers Stefan Eickhoff, gestern. Es sei aber höchstwahrscheinlich von einem technischen Defekt auszugehen. Ähnlich berichtete der Kreis Soest, dass das Gärsubstrat durch einen noch nicht genau bekannten technischen Defekt ausgelaufen ist.

Noch in der Nacht begannen die Betreiber mit Unterstützung weiterer Landwirte damit, das Substrat mit sieben großen Güllefässern aus dem Stauraum abzufahren und zu anderen Behältern zu bringen. Diese Arbeiten sollten gestern Abend abgeschlossen sein. Vor diesem Hintergrund, so Hurtig, erwarte die Untere Wasserbehörde keine weiteren direkten Folgen für die Umwelt. Der Kreis werde sich der Sache allerdings weiterhin annehmen, um die Ursache des Unfalls herauszufinden und sie zusammen mit dem Betreiber der Anlage abzustellen.

Bei dem Unfall am 5. Februar 2008 waren 1 600 Kubikmeter Gärsubstrat ausgelaufen, seinerzeit war ein nennenswerter Teil in den Kützelbach und damit in die Ahse gelangt. Glücklicherweise habe sich damals eine gute Wasserführung positiv ausgewirkt, so dass sich die befürchteten langfristigen Schäden nicht eingestellt haben, berichtete die Pressestelle des Kreises. - tbg

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