Bettinghausen hat als letzter Ortsteil sein Wappen bekommen

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Bettinghausens Ortsvorsteher Reinhold Häken (rechts) zeigt den Ausdruck des neuen Ortswappens. Der Wappenbrief des Vereins „Herold“ wird schon bald die offizielle Sammlung der Gemeinde vervollständigen. Die ersten elf Originale liegen seit drei Jahren im Tresor. Für den Anzeiger hat Bürgermeister Malte Dahlhoff alle einmal ausgebreitet.

Bad Sassendorf - Das Dutzend ist voll: Als letzter Ortsteil der Gemeinde legt sich Bettinghausen offiziell ein Wappen zu – und schließt damit grollend Frieden.

Mehrfach spuckte der Verein „Herold“ sein geweihtes Pfui über Bettingser Entwürfe aus; der Kompromiss ist jetzt schlicht und einfach, in Rot und Gold und mit zwei Kleeblättern. In Rot.

Jetzt, wo die Wappen komplett sind, bleibt die Frage: Schmücken sie bald die Amtskette des Bürgermeisters? Pläne soll es gegeben haben, als Antonius Bahlmann die ersten Wappenbriefe der Berliner aushändigte. Drei Jahre und einen Bürgermeister weiter sind wohl andere Dinge wichtig.

Schlicht, das wirkte schon damals, auch auf Entfernung: Hier sind wir, und da sind die, und „Auf sie mit Gebrüll!“ Ja, so war’ns, die ganz Altvorderen. Kunst, teils Kitsch wurde alles später, und verdreschen will heute sicherlich kein Weslarner keinen Bettingser mehr und umgekehrt. Aber: „Mia san mia!“ – und das darf man ruhig nach außen zeigen.

Was zeigt das Wappen? „Es geht zurück auf die Familie derer von Betthinchusen“, sagt Bettinghausens Ortsvorsteher Reinhold Häken. „Das ist schon 700 Jahre alt.“ Nur war es eben im Lauf der Zeit viel filigraner ausgearbeitet, und diese schönen Verschnörkelungen hätte man gerne gezeigt. Da hatten sie die Rechnung allerdings ohne den „Kommunalheraldiker“ Jörg Mantzsch aus Magdeburg gemacht. Der hat die sogenannte Ortswappenrolle für den Wappenkunstverein „Herold“ erfunden. Für die Gemeinde kümmerte er sich um alles, sprach mit den Ortsvorstehern, die mit den Menschen im Ort.

Die Geschmäcker, sie waren verschieden, der Weg zum Wappen manchmal kraus, wenn der „Experte“ eigene Vorstellungen durchdrückte: Die Ostinghauser verschmähten eine Kuh auf dem Wappen, die Elfser hadern noch heute mit dem roten Fachwerkhaus, die Weslarner bekamen keinen Hahn aufs Schild, die Lohner sollten Napoleon abschwören und eine halbrunde Schildform führen. Taten sie aber nicht.

Die Opmünder sind stolz auf ihre roten Rüben, in Heppen liebt man das „sprechende“ Wappen mit den „Hippen“, die Enker im Klei sind stolz auf ihre Muschel, haben bereits eine Flagge mit dem Wappen drucken lassen. Herringsen erinnert an die „Kaiserlinde“, Neuengeseke präsentiert Kirche, Lamm und Sichelblatt, Beusingsen typische Mauerblüten, der Zentralort Mühlrad und Salzstein.

So weit, so bunt – oder eher nicht: Wappen kennen nur Gold und Silber als Metalle, Schwarz, Rot, Blau und Grün als Farben, allenfalls noch Purpur. Eine Reihe weiterer Regeln sollen zügellose Schnörkelei verhindern, weil man das Schild auf Entfernung gut erkennen soll. „Wir haben lange mit dem Verein in Berlin diskutiert“, erinnert sich Reinhold Häken, wie der Entwurf des heimischen Gestalters Detlev Wiontzek zerpflückt wurde. Am Ende beugte man sich, damit Frieden ist.

Präsentiert wurde Bettinghausens neues Wappen schon beim Schützenfest auf schmucken Schildern. Nutzen dürfen es wie anderswo nach Absprache auch die örtlichen Vereine, das soll Gemeinschaft stiften. Ein talentierter junger Mann aus dem Ort, verriet Häken, tüftele derzeit an einem Entwurf für Willkommensschilder: „Nicht diese üblichen Aufsteller – was Schickes...“

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