Staatsanwalt Arnsberg prüft Strafanzeige

Corona-Infektion: Angehöriger wirft Klinik Quellenhof Körperverletzung vor

Bei Corona-Test in der Klinik Quellenhof sind immer wieder Infektionen festgestellt worden. Bei der Staatsanwaltschaft liegt nun eine Strafanzeige vor.
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Bei Corona-Test in der Klinik Quellenhof sind immer wieder Infektionen festgestellt worden. Bei der Staatsanwaltschaft liegt nun eine Strafanzeige vor.

Die Vorkommnisse um Corona-Ausbrüche in der Klinik Quellenhof werden derzeit auf ihre strafrechtliche Relevanz überprüft. Staatsanwalt Thomas Poggel als Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Arnsberg bestätigte, dass dort eine Strafanzeige gegen Geschäftsführung, Ärzteteam und Mitarbeiter der Klinik Quellenhof GmbH und der Holding Westfälisches Gesundheitszentrum (WGZH) eingegangen ist. Die Staatsanwaltschaft prüfe nun die Vorwürfe. Das weitere Vorgehen sei danach zu entscheiden.

Bad Sassendorf – Gestellt wurde die Strafanzeige, die dem Anzeiger in Kopie ebenfalls zugegangen ist, durch einen Angehörigen, dessen Schwiegermutter seit dem 29. Dezember in der Klinik behandelt worden war. Vorgeworfen wird den Verantwortlichen in der Strafanzeige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Schwerwiegend könnte in diesem Zusammenhang insbesondere der Vorwurf der Körperverletzung sein, sagte Poggel.

Der Angehörige der Patientin macht geltend, dass bereits ab November 2020 wiederholt Corona-Infektionen in der Klinik aufgetreten seien. Obwohl gerade in der geriatrischen Abteilung der Klinik besonders geschwächte und verletzliche Personen behandelt werden, sei der Betrieb vorsätzlich trotz der bekannten Ansteckungsgefahr bis zum 8. Januar mit dem dann verfügten Aufnahmestopp weiter gelaufen. Eine Ansteckung von Patienten und Mitarbeitern sei billigend in Kauf genommen worden, diese seien bewusst einer körperlichen Gefahr ausgesetzt worden. Diese Gefahr sei den Patienten auch nicht kommuniziert worden, diese seien also arglos gewesen.

Des Weiteren berichtet der Angehörige, Ärzte der Klinik hätten seine Schwiegermutter nach deren positivem Corona-Test mit großem Nachdruck bedrängt, die Klinik so schnell wie möglich zu verlassen, sie sei ja symptomfrei. Andererseits sei seine Schwiegermutter zu der Zeit kaum in der Lage gewesen, mit ihren Angehörigen zu telefonieren. Atemnot und Halsprobleme seien nicht zu überhören gewesen. Bis heute leide die Seniorin an den Folgen der Infektion. Angeführt werden in der Strafanzeige auch Mängel beim Hygieneschutzkonzept und bei der Einhaltung der Abstandsregeln. So hätten sich die Patienten vor den Mahlzeiten im Flur vor dem Speisesaal gedrängelt.

Vorwürfe dieser Art werden auch in verschiedenen, anonymen Zuschriften an den Anzeiger formuliert. Das Hygienekonzept habe nur auf dem Papier bestanden, heißt es in einer dieser Zuschriften. Der Spuckschutz an den Tischen im Speisesaal sei erst spät installiert worden. Auch sei lange geduldet worden, dass Patienten im Klinikfoyer beim Kaffeetrinken eng beieinander saßen.

Stephan Eydt, Geschäftsführer der Bäder-Holding, hatte bei Nachfragen unter anderem auf das Hygieneschutzkonzept und das Monitoring der Patienten verwiesen. Die Eingangstests bestätigt der Angehörige in seiner Strafanzeige. Seine Schwiegermutter sei seit ihrem Unfall durchgehend negativ getestet worden, ebenso bei einem klinikeigenen Test bei ihrer Aufnahme. Der Schwiegersohn schließt daraus, dass die Seniorin, die die Klinik wegen ihrer Erkrankung nicht verlassen konnte, sich in der Klinik Quellenhof infiziert haben muss. Auch dies deckt sich mit Aussagen aus anonymen Zuschriften. So wird berichtet, dass Patienten, die bei der Aufnahme negativ getestet wurden, häufig bei der Abschlusstestung positiv als Zufallsbefund entdeckt worden seien. Aus anderen Zuschriften geht zudem hervor, dass auch die Mitarbeiter wegen der Corona-Zahlen in Sorge seien.

Der Betriebsratsvorsitzende Lars Lewald bestätigte auf Nachfrage, dass auch den Betriebsrat eine anonyme Zuschrift über vermeintliche Mängel in Sachen Corona erreicht habe. Anonyme Zuschriften seien jedoch problematisch, weil nicht zugeordnet werden kann, wer sie verfasst hat. In diesem Fall habe der Betriebsrat einige Aussagen gleichwohl überprüft, die sich aber nicht bestätigt hätten. Zudem verwies Lewald auf die Hygienekonzepte der Saline-Kliniken, in denen oft weitergehende Maßnahmen als nach den Corona-Schutzverordnungen vorgesehen seien. Lewald bestätigte ansonsten, dass die Arbeit in der Klinik Quellenhof mit ihrer geriatrischen Ausrichtung schwierigere Anforderungen an die Mitarbeiter stelle, als im Reha-Bereich. Deshalb sei die Stimmung dort vielleicht eine andere als in den sonstigen Kliniken.

Was Landrätin Eva Irrgang zu den Vorwürfen gegenüber der Klinik sagt, lesen Sie hier.

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