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Bauhof-Mitarbeiter geschockt: Zerstörung im Ahrtal sprengt jede Vorstellung

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Von: Ludger Tenberge

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Die Schäden sind immens: Meterhoch türmen sich entlang der Straßen die Schuttberge.
Die Schäden sind immens: Meterhoch türmen sich entlang der Straßen die Schuttberge. © Marcel Sondermann

Was Jens Preutenborbeck, Cedric Rohe und Marcel Sondermann vom Bauhof Bad Sassendorf während ihres Einsatzes im Ahrtal zu sehen bekommen haben, sprengt jede Vorstellung.

Bad Sassendorf - Meterhohe Schuttberge entlang den Straßen, Kanalrohre mit fast mannsgroßem Durchmesser, die von der Wasserflut aus dem Untergrund gespült und fortgeschwemmt wurden. Straßenabschnitte, Brücken, Bahnanlagen, die komplett zerstört sind: Tief beeindruckt schilderten drei Mitarbeiter des Bauhofs Bad Sassendorf am Freitag ihre Erlebnisse aus dem Flutgebiet. Jens Preutenborbeck: „Was man im Fernsehen sieht, gibt die Lage nicht wieder, allein schon der Geruch...“

GemeindeBad Sassendorf
LandkreisSoest
Einwohner12.052 (31. Dez. 2020)

Die drei Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs waren für etwa eine Woche in Bad Neuenahr im Einsatz. Am Mittwoch, 4. August, waren sie morgens losgefahren. Am Dienstag drauf kehrten sie zurück. Tief beeindruckt von den gewaltigen Schäden des Hochwassers und ziemlich kaputt von dem siebentägigen Dauereinsatz.

Bauhof-Mitarbeiter geschockt: Zerstörung im Ahrtal sprengt jede Vorstellung

Untergebracht waren die drei in der Grundschule in Bad Neuenahr-Heimersheim, die Umkleide der Turnhalle war dort gewissermaßen ihr Zuhause. Eingesetzt wurden sie zum Schutt- und Schlammabräumen im Apollinaris-Stadion, einer Anlage mit drei Sportplätzen, darunter auch Kunstrasenplätze, in Bad Neuenahr. 30 Zentimeter hoch hatte sich der Schlamm nach der Flut dort abgelagert. Die Wassermassen selbst hatten zwischenzeitlich mehrere Meter hoch auf den Sportplätzen gestanden. Anhand der Wasserlinien an den Häusern konnte man das gut ablesen, erklärt Jens Preutenborbeck: „Das ganze Stadion ist verwüstet.“

Für Gerätschaften, Material und eigene Ausstattung waren sie mit einem Kleinlaster und einem Kastenwagen des Bauhofs ins Ahrtal gefahren. Vor Ort wurde ihnen zusätzlich ein Bagger und ein Radlager aus einem Mietpark an Fahrzeugen zur Verfügung gestellt. Denn der Bauhof von Bad Neuenahr war ebenfalls betroffen. Die Fahrzeughalle mit einem großen Teil der Fahrzeuge und Geräte hatte dreieinhalb Meter unter Wasser gestanden. „Das ist alles Schrott“, so Jens Preutenborbeck.

Flutkatastrophe im Ahrtal: Helfer schildern ihre Eindrücke

In Luftlinie liegt das Sportstadion, der Einsatzort der drei, vielleicht zwei Kilometer von der Grundschule entfernt, in der sie untergebracht waren. Über die B 266 wäre die Strecke früher in wenigen Minuten gefahren gewesen. Mehrere hundert Meter der Bundesstraße entlang der Ahr gibt es jedoch nicht mehr, ebenso wie auf der anderen Seite des Flusses die Bahnlinie. Fast alle Brücken über die Ahr sind zerstört, allein die Fahrt zum Sportstadion zog sich über Umwege lange hin. Vorbei an bis zu drei Meter hohen Schuttbergen in den Straßen, die, kaum dass sie mit Lastwagen abgefahren waren, schon wieder empor wuchsen. Oft standen die Häuser für mehrere Stockwerke unter Wasser. Möbel, Geräte, Einrichtungen landen auf den Schuttbergen, ein besonderes Problem sind dabei die Kühltruhen, weil die Lebensmittel darin ohne Kühlung langsam verrotten. Allein die Deponierung der Schuttmassen stellt die betroffenen Regionen vor immense Probleme, berichten die drei.

Hinzu kommen etliche Sammelplätze, wo die von der Wasserflut zerstörten Autos aufgestapelt werden. Zu allem Überfluss kommt es hier auch noch zu Diebstahl, etwa von Felgen, und sonstigen Plünderungen. Der Katastrophentourismus sei ein weiteres Problem, sagen die drei. Viele kämen angereist mit der Behauptung, sie wollten helfen, um sich dann als Schaulustige zu entpuppen oder sogar noch eigenen Müll abzuladen.

Koordiniert wurde der Einsatz der drei Bauhofmitarbeiter über eine Plattform des Städte- und Gemeindebundes, über die Hilfsangebote und Gesuche koordiniert werden. So haben die drei aus Bad Sassendorf im Ahrtal unter anderem Kollegen von den Bauhöfen in Köln, Lübeck, Rostock oder Offenbach gesehen.

Im Kurort musste der Ausfall der drei Kollegen natürlich kompensiert werden. Wichtige Aufgaben wie Rasenmähen wurden vorrangig erledigt, berichtet Ralf Berntzen, der stellvertretende Bauhofleiter. Zugleich bat er die Einwohner um Verständnis, wenn wegen der Abwesenheit der drei Kollegen die Pflege einzelner Beete einige Tage liegen bleibt.

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