Baugebiet Landerpfad: Hinweise auf eine Besiedlung um Christi Geburt

Für die Untersuchung werden jeweils auf einer Breite von sechs Meter die obersten Bodenschichten abgenommen.
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Für die Untersuchung werden jeweils auf einer Breite von sechs Meter die obersten Bodenschichten abgenommen.

BAD SASSENDORF -   Wenn die Häusle-Bauer sich in dem neuen Baugebiet Landerpfad niederlassen, sind sie womöglich nicht die ersten, die hier ihren Wohnsitz haben. Zuletzt war das Areal zwar landwirtschaftlich genutzt, allerdings gibt es Hinweise auf eine sehr frühe Besiedlung. Das hat zur Folge, dass nun zunächst eine archäologische Untersuchung des Terrains durchgeführt wird.

Dies teilte Baufachbereichsleiter Wolfgang Stember jetzt im Bauausschuss der Gemeinde mit. Demnach gebe es Hinweise auf eine frühe Siedlungstätigkeit unter anderem im Bereich der Flächen, die für die Regenrückhaltebecken vorgesehen sind. Für eine konkretere archäologische Voruntersuchung sind so genannte Sondierungen mit dem Bagger erforderlich. Um Verzögerungen für die Bauwilligen so gering wie möglich zu halten, sollen nach Möglichkeit zunächst die Areale mit Baugrundstücken untersucht werden. Die Flächen der Regenrückhaltebecken oder erst später zum Verkauf stehende Baugrundstücke könnten danach an die Reihe kommen.

Was es mit den Hinweisen auf sich hat, erläuterte Dr. Eva Cichy, Wissenschaftliche Referentin bei der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Wie die Archäologin erläuerte, sind im Bereich der geplanten Regenrückhaltebecken Lehmentnahmegruben gefunden worden. Der hier entnommene Lehm wurde dann benutzt, um die Flechtwände der damals üblichen Häuser zu bestreichen. Aufgefunden wurden zudem einige Keramikreste, die eine Datierung für den Zeitraum 800 vor Chr. bis 400 nach Chr. nahe legen würden. „Das alles deutet darauf hin, dass wir hier einen Siedlungsplatz haben“, erklärte Cichy. In der Fachterminologie werde der Zeitraum der vorrömischen Eisenzeit beziehungsweise der römischen Kaiserzeit zugerechnet.

Wo eventuell die Häuser gestanden haben, für deren Bau der Lehm aus den Gruben entnommen wurde, ist derzeit nicht bekannt. Um diese Frage zu klären, werden im Bereich des Baugebiets durch eine archäologische Fachfirma 14 Sondierungsschnitte mit dem Bagger vorgenommen. Dabei wird jeweils auf einer Breite von sechs Metern die Humusschicht abgenommen. Verfärbungen in den tiefer liegenden Schichten können zum Beispiel auf die Pfostenlöcher hinweisen, die mit dem Hausbau vor 2 000 Jahren entstanden sind. Ebenso sind auf diese Weise Gruben zu erkennen, die nach der Lehmentnahme zum Beispiel häufig mit Siedlungsabfall wie Scherben verfüllt wurden.

Typisch für den besagten Zeitabschnitt und die Region sind autarke Einzelhöfe aus mehreren Gebäuden. Überrachend wäre eine Besiedlung jedenfalls nicht, schließlich gilt die Region insgesamt als siedlungsgünstiger Raum. So wurden andernorts im Gemeindegebiet bereits Siedlungsspuren der ersten Bauernkulturen nachgewiesen, erklärte Cichy.

Aufgrund der weiteren frühmittelalterlichen und mittelalterlichen Siedlungsgeschichte in Lohne und Sassendorf kann durchaus von einer kontinuierlichen Besiedlung ausgegangen werden. Die Urheber der bislang gefundenen Hinterlassenschaften wären so gesehen gewissermaßen „Ur-Lohner“ oder „Ur-Sassendorfer“. - tbg

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