Abschied von der Fußgängerbrücke

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Bald Relikt der Vergangenheit? Die Fußgängerbrücke Bad Sassendorf soll weg und möglichst veräußert und woanders aufgestellt werden.

Bad Sassendorf – 2020 wird der renovierte Mittelteil der Querung 25 Jahre alt. Die Fußgängerbrücke zwischen Tagungs- und Kongress-Zentrum und der Eisdiele Venezia am Jahnplatz wird laut Verkehrszählung nur von 5 Prozent der Passanten zur Querung der viel befahrenen Weslarner Straße genutzt.

Deshalb hat der Rat schon den Grundsatzbeschluss gefasst, die Brücke abzubauen, denn solange die Brücke als sicherer Überweg steht, genehmigt die Verkehrsbehörde beim Kreis Soest nicht den gewünschten Zebrastreifen an der Überquerungshilfe der Weslarner Straße zum Jahnplatz. Bürgermeister Malte Dahlhoff konkretisierte jetzt in der 31. Ratssitzung der Amtsperiode in der Mensa der Gesamtschule das Vorhaben, indem er den Umbau der Betonschlange zu einer barrierefreien Einrichtung auf rund 605 000 Euro bezifferte. 

Zebrastreifen statt Brücke

„Komfort für wenige oder Sicherheit für viele“, so hatte Dahlhoff schon im Haupt- und Finanzausschuss die Ansicht begründet, dass ein Fußgänger-Überweg in Form eines Zebrastreifens an der Querungshilfe an der Weslarner Straße besser geeignet sei, um die Fußgänger sicher zwischen dem Ostteil und dem Westen des Ortskerns hin und her zu bekommen. Denn für Menschen mit Handicap stellt die Brücke ein schweres Hindernis dar. Zumindest dann, wenn es nach den gesetzlichen Vorschriften für eine Barrierefreiheit geht. Das Gefälle von der Mitte der Brücke in Richtung Fußgängerzone beträgt laut Malte Dahlhoff 11 Prozent und liegt damit fünf Prozent über der Barrierefreiheit, die mit sechs Prozent angegeben wird. 

Neigung verringern, Ruheflächen schaffen

Außerdem müssten noch alle paar Meter waagerechte Ruheflächen eingebaut werden, um die Überquerung barrierefrei zu machen. Wollte man die 45 Meter lange Rampe verlängern, um das Gefälle auf sechs Prozent zu reduzieren, dann würde die Rampe 104 Meter lang werden und vor dem Juwelierladen Fischer enden, so der Rathaus-Chef. Alternativ müsste sie in Serpentinen vor dem Jahnplatz nach unten geführt werden. In Richtung Tagungszentrum beträgt das Gefälle nur 7,3 Prozent, damit müsste die 20 Meter lange Rampe in diese Richtung auf auf 30 Meter verlängert werden. Als die Brücke im Jahr 1995 im Mittelteil neu gebaut wurde, habe der Meter rund 4 300 Euro gekostet, jetzt würden bei einem Umbau rund 6 000 Euro pro Meter anfallen. 

Früherer Abriss wäre teuer geworden

Somit errechneten sich bei einem Anbau von rund hundert Metern für die Barrierefreiheit der Fußgängerbrücke ein Kostenfaktor von rund 605 000 Euro, wobei die steigenden Baupreise noch nicht eingerechnet seien. Die Frage von Reinhard Varnholt (CDU), warum die Fußgängerbrücke nicht bereits 1995 weggekommen sei, konnte Axel Droste (SPD) als Rats-Senior beantworten. Damals hätten die Zuschüsse für die Brücke, die die Bezirksregierung in Arnsberg für die Überquerung im Badeort bewilligt hatte, zurückgezahlt werden müssen. Um das zu umgehen, sei dann die Brücke saniert worden. Damals habe sich sogar eine Bürgerinitiative für den Abriss der Brücke stark gemacht, das Vorhaben sei aber eben dann daran gescheitert, dass die 25-jährige Bindungsfrist der Zuschüsse noch nicht abgelaufen gewesen sei. 

Brücke an anderen Standort verkaufen

Deshalb hätte man im Falle eines Abrisses sämtliche Zuschüsse an das Land zurückzahlen müssen. Bürgermeister Dahlhoff gab im Rat seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Brücke nicht geschreddert werden muss. Die Substanz sei nicht so schlecht, daher sei es vielleicht möglich, das Bauwerk an einen anderen Ort zu veräußern und dorthin zu versetzen, wo eine solche Brücke nützlicher sein könne als im Kurort.

Jahnplatz-Neugestaltung für 680 000 Euro

Diese Zahlen stehen sich gegenüber: Sollten in den barrierefreien Umbau der Fußgängerbrücke 600 000 Euro investiert werden oder besser 680 000 Euro für die Neugestaltung des Jahnplatzes. Da ergibt sich die Antwort laut Bürgermeister malte Dahlhoff bei einer gezählten Nutzung der Brücke durch fünf Prozent der Passanten, die die Weslarner Straße überqueren, fast von selbst. Überdies wird der Kurort das Stahl- und Betonbauwerk sicherlich nicht als Attraktion feiern und in die Denkmalliste wird das Schlichtviadukt sicher auch nicht aufgenommen

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