Das Ende einer Ära - aber es geht weiter

Ballettschule von Ann Krusi ist ohne feste Heimstatt

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Die jüngsten aus der Ballettschule hatten kürzlich bei den Feuerwelten einen großen Auftritt.

Bad Sassendorf – Pünktlich zum 1. Januar hat Ballettpädagogin Ann Krusi den Schlüssel zu ihrem Ballettstudio im Kurmittelhaus an die Geschäftsleitung des Westfälischen Gesundheitszentrums zurückgegeben. Im Rahmen der Umbaumaßnahmen des Hauses soll der Raum im Dachgeschoss, in dem hunderte Kinder Tanzen gelernt haben, in einen Therapieraum umgestaltet werden. „Nach 35 Jahren geht eine Ära zu Ende“, sagt die Ballerina traurig.

29 Jahre residierte sie mit ihren Tanzgruppen im Tagungs- und Kongresszentrum, im Mehrgenerationenhaus und im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Lohne, bevor sie vor sechs Jahren im Kurmittelhaus eine Bleibe für die Ballettschule fand. Das ist jetzt Geschichte. 

„Mir ist zwar ein anderer Raum im Kurmittelhaus angeboten worden, doch der ist zu klein und zu teuer“, erklärt Ann Krusi. „Nach der letzten Stunde flossen Tränen“, berichtet sie von enttäuschten Kindern, die darauf gehofft hatten, nach dem Umbau des Kurmittelhauses dort weiter tanzen zu können. 

Hoffnungsvoll machte die Pädagogin sich, nachdem ihr im Herbst die Kündigung auf den Schreibtisch flatterte, auf die Suche nach einem neuen Raum im Kurort, wo ebenso wie im Kurmittelhaus all ihre Gruppen unter einem Dach untergebracht werden könnten. 

Ann Krusi vor dem ehemaligen Standort ihrer Ballettschule

Das ist bis heute nicht gelungen. Entweder waren die Räume zu teuer, zu klein oder es fehlte an Spiegel und Stange – fürs Ballett unerlässlich. Um die rund 100 Kinder von neun bis 17 und unter acht Jahren trotzdem ballettmäßig weiter ausbilden zu können, blieb der 75-Jährigen nichts anderes übrig, als sie, ebenso wie die angegliederte Yoga-Gruppe und den Salsa-Tanzkurs, in verschiedene Häuser auszulagern. 

Keine zufriedenstellenden Lösungen - aber es geht weiter

„Die großen Schülerinnen werden in der Musikschule unterrichtet, zwei Gruppen sind in der Residenz am Malerwinkel untergebracht und die süßen kleinen Eleven unter der Leitung von Sylvia Sauerland haben Zuflucht im Sportlerheim des SC Neuengeseke gefunden“, berichtet Ann Krusi: „Yoga-Lehrerin Mira Müller-Große ist in den Waldorf-Kindergarten Lohne umgezogen, die Salsa-Tanzgruppe trainiert künftig in einem Gymnastikraum“, berichtet die Ballettpädagogin. 

Keine zufriedenstellenden Lösungen, aber es gehe zumindest weiter, auch wenn der Transport der Kinder für viele Eltern nicht einfach zu organisieren sei. Ann Krusi hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich vielleicht über kurz oder lang doch noch ein bezahlbarer Raum finden wird, in dem alle Gruppen eine Bleibe finden: „Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.“

Ann Krusi, ihre Ballettschule und einige ihrer Schüler

Ann Krusi war 20 Jahre professionelle Ballettänzerin, unter anderem in Hagen, Essen und Dortmund, wo sie in großen Balletvorführungen, in Opern und Operetten getanzt hat. Anschließend widmete sie sich als Ballettpädagogin den jungen Talenten. Nach ihrem Umzug von Essen nach Lippetal unterrichtete sie zunächst in der VHS Lippetal und in der Tanzschule Kettner in Soest.

Später verlegte sie ihren Unterricht in den Kurort. Aus ihrer Schule kommt zum Beispiel Stefan Schmitz, der nach seinen Prüfungen an der „Royal Academy of Dancing“ einen Ausbildungsplatz in der John-Neumeier-Ballettschule in Hamburg bekam und professioneller Tänzer wurde. 

Profitänzerin Ina Brütting und Tanzpädagogin Davina Sauer stammen aus der Talentschmiede von Ann Krusi, ebenso Annika Bargel, die derzeit an der Stage-Schule in Hamburg lernt und auf eine Musical-Karriere hofft. Auf diese erfolgreichen Schüler sei sie besonders stolz, so Krusi.

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