Hightech auf dem Heuboden

Alter Bauernhof im Kreis Soest als Tonstudio: Moderner Sound zwischen alten Backsteinmauern

Matt Korr (links) und Markus Kampschulte (rechts) am MIschpult: In diesem Raum läuft die Technik zusammen – und gutgehen lassen kann man es sich hier auch.
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Matt Korr (links) und Markus Kampschulte (rechts) am MIschpult: In diesem Raum läuft die Technik zusammen – und gutgehen lassen kann man es sich hier auch.

Sie wollen mit ihrem zu den ersten Tonstudios im Land gehören - dafür haben Markus Kampschulte und Matt Korr unfassbar viel hypermoderne Technik in einem alten Bauernhof verbaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - oder besser gesagt: hören.

Herringsen – Mit so etwas rechnet niemand: Hinter den Backsteinmauern eines alten Bauernhofs bei Bad Sassendorf findet sich eine hypermoderne Einrichtung, die technisch und akustisch kaum einen Wunsch offen lässt. „Wir haben schon den Anspruch, zu den ersten Tonstudios in Deutschland zu gehören“, sagt Besitzer Markus Kampschulte.

Zu diesem Zweck haben er und Fachmann Matt Korr vor gut einem Jahr ihre Kenntnisse und Kontakte „zusammengeworfen“ und das Studio Red Roof Loft Sound gegründet. Ein Studio, in dem sich Klassik-, Jazz- -und Popmusiker die Klinke in die Hand geben, weil alle gleichmaßen professionelle Bedingungen für ihre Musik vorfinden.

Freunden historischer Aufnahmemöglichkeiten und Technik-Fans schlägt das Herz höher, wenn sie in den Regieraum kommen. Der Raum wird dominiert von einem riesigen Mischpult mit ungezählten Knöpfen. Monitore, Verstärker, weitere Mischpulte, Regler, Kassettenrekorder und Tonbänder flankieren das Herzstück.

Jahrzehntealte Schätze

Viele dieser Schätze sind Jahrzehnte alt, zum Beispiel die alten Röhrenverstärker, die es heute überhaupt nicht mehr zu kaufen gibt, geschweige denn, dass man sie reparieren kann. Manche kosteten schon damals Unsummen.

Wenn hier gearbeitet, geprüft und gemischt wird, interessiert das Drumherum wenig. Dabei ist das optisch mindestens ebenso spannend und erinnert an einen selbstgestalteten Jugendraum: Schwarz-Weiß-Fotos wie aus dem Familienalbum, Poster von Rockgrößen, gerahmte Uralt-Gemälde an den Wänden, auf dem Boden Teppiche unterschiedlicher Stilrichtungen, Barhocker aus den 70ern und direkt daneben ein wuchtiger Billardtisch. Da können Techniker und Musiker zwischendurch „eine ruhige Kugel“ schieben.

Rustikales Ambiente: Hier greifen die Musiker in die Saiten und Tasten, singen oder musizieren auf andere Art und Weise.

In den Aufnahmeraum, das eigentliche Studio, gelangt man durch den Garten und über eine Stahltreppe. Das Gebälk zeugt davon, dass sich früher hier der Heuboden befand. Heute fällt der erste Blick auf das Podest, das von Teppichen bedeckt ist. Wenn Bands aufgenommen werden, steht hier das Schlagzeug. Je nachdem, wie viel Hall erwünscht ist, werden Teppich weggeräumt oder hingelegt. Die Akustik des Raumes lässt alles zu.

In einer Ecke des Raums sind Gitarren und Bässe aufgestellt. „Old School“, sagen manche. Aber Instrumental-Fans wären wohl starr vor Ehrfurcht, wenn sie die froßen Namen wie Fender und Marshall lesen und die legendären Verstärker-Modelle sehen würden, die zum Teil schon vor 30, 40 Jahren ihren Dienst taten. Und an der Wand gegenüber wärmt eine hypermoderne Infrarot-Heizung.

Gerade kommt Philipp Weyer vorbei, bekannt von den Soester „Dime Daddies“, um Hallo zu sagen. Mittags hat eine schwedische Rockband einen Termin. Und nachmittags wird der renommierte klassische Gitarrist und Komponist Wulfin Liske erwartet.

Erstaunlich, wer sich hier alles einfindet auf dem früheren Bauernhof bei Bad Sassendorf zwischen Feldern und Wiesen. Keiner kann sich der Faszination entziehen, die die Symbiose von Alt und Neu ausübt.

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