Asbest: Altlast steckt noch in der Fassade

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Die weißen, asbesthaltigen Fassadenplatten an dem Gebäudekomplex in der Eichendorffstraße sind in mehreren Abschnitten mit einem neuen Anstrich versehen worden. - Foto: Dahm

Bad Sassendorf - In mehreren Abschnitten sind in den vergangenen Monaten die weißen Fassadenplatten an dem Gebäudekomplex Eichendorffstraße 3 bis 13 neu angestrichen worden. Ein besonderes Problem besteht darin, dass diese Platten, wie von der Hausverwaltung bestätigt, geringfügig mit Asbestfasern belastet sind.

Dass die Arbeiten zum Überstreichen der Fassadenplatten durchgeführt werden sollen, hatte die Hausverwaltung den Bewohnern der Eigentumswohnungen vor der jüngsten Maßnahme mit Schreiben vom 29. September 2017 mitgeteilt. Darin wurde zudem darauf hingewiesen, dass die weißen Glasalplatten geringfügig asbesthaltig seien, die Arbeiten seien daher bei der Bezirksregierung Arnsberg beantragt und genehmigt worden, auch verfüge die beauftragte Firma über das nach Gefahrstoffverordnung erforderliche Zertifikat. „Da insbesondere bei der Säuberung der Glasalplatten eine besondere Technik angewandt wird, besteht kein Grund zur Besorgnis, da hierbei keinerlei Asbeststoffe freigesetzt werden“, heißt es in dem Schreiben.

Kein Grund zur Besorgnis: Das teilt nicht jeder Bewohner des Gebäudekomplexes. Gerade bei der ersten Maßnahme etliche Monate früher seien die Arbeiten an den Glasalplatten keineswegs sachgerecht durchgeführt worden. So sollen die Fassadenplatten mit Hochdruckreiniger und Spachteln bearbeitet worden sein, berichten Bewohner.

Genau das sollte nicht passieren: „Kritisch sind alle Arbeitsverfahren bei Abbruch, Sanierung und Instandhaltung, bei denen Asbestzement oder schwach gebundene Asbesterzeugnisse zerstört werden (Zerbrechen, Zerschlagen, Bohren, Sägen, Schleifen, Fräsen) oder durch Abrieb Asbestfasern freigesetzt werden (zum Beispiel Dampfstrahlen)“, heißt es in in dem Bericht „Gefahrstoff Asbest“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen.

Eine Anfrage, ob es bei Arbeiten an dem Wohnkomplex zu Verstößen gegen die Gefahrstoffverordnung kam, wurde von der Bezirksregierung Arnsberg nicht dezidiert beantwortet. Zu einzelnen Bauüberwachungsmaßnahmen gebe man keine Informationen, dies unterliege der Schweigepflicht, erklärte die Behörde in einer E-Mail.

Bundesamt empfiehlt Austausch statt Anstrich

Eine Pflicht zu einem Austausch der Platten besteht übrigens nicht. Das oben zitierte Bundesinstitut für Bauforschung empfiehlt gleichwohl ein Entfernen. Die Sanierungsmethode „Beschichtung“ führe fachgerecht ausgeführt zwar zu einem staubdichten Einschluss der Asbestfasern durch Schutzlacke oder andere Schutzschichten. Diese Methode „Beschichtung“ werde aber nicht mehr propagiert, da sie nur eine zeitliche Verschleppung eines ungelösten Problems sei: „Nur die Methode ,Entfernen’ ist ein vernünftiges und problemlösendes Sanierungsverfahren“, heißt es in dem Bericht „Gefahrstoff Asbest“ aus dem Jahr 2010.

Welchen Aufwand eine Erneuerung der Fassaden erfordert, war vor einigen Jahren beim Sassendorfer Rathaus zu erkennen, das ebenfalls zu dem Gebäudekomplex gehört. Die Arbeiter gingen seinerzeit mit Mundschutz und weiteren Schutzvorkehrungen ans Werk, um zu vermeiden, dass Asbestfasern in die Luft gelangten.

Dass demgegenüber die Platten an dem Wohngebäude durch einen neuen Anstrich überarbeitet wurden, begründete Hausverwalter Sven Jablonski damit, dass dies durch die Versammlung der Wohnungseigentümer mehrheitlich so beschlossen wurde; letztlich auch aus Kostengründen. So lange die Platten unbeschädigt sind und an der Fassade hängen bleiben, sei dies auch unproblematisch. Dies gelte schließlich auch für viele andere Gebäude aus den 1970er Jahren. Die Sanierung des Rathauses sei ein ganz anderer Fall gewesen, weil die Platten entfernt wurden. Überdies bekräftigte Jablonski, wie auch in dem Schreiben an die Bewohner der Anlage, dass die Arbeiten durch sachkundige und entsprechend zertifizierte Firmen durchgeführt worden seien.

Von Bedeutung könnte die Asbestbelastung aber noch aus einem anderen Grund sein: Bei den Eigentumswohnungen erfolgt aufgrund der Generationenfolge inzwischen ein reger Weiterverkauf. Daher stelle sich die Frage, so eine Bewohnerin, ob die Käufer jeweils über die Asbestbelastung der Fassaden informiert sind. Schließlich kämen auf die Eigentümer irgendwann doch entsprechende Sanierungskosten zu. Die Verkäufer müssten folglich auf die Asbestbelastung hinweisen. Falls dies nicht geschehe, handle der Verkäufer womöglich arglistig.

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