Erinnerung an die „Alte Fabrik“

Eine Künstlerfreundschaft - so war das in den 80er-Jahren

Ein Blick in die „Alte Fabrik“ im Jahr 1980: Der Soester Hana Asfur im Gespräch mit Karl Georg Schmidt und Jo Kuhn. 	Foto: Salzwelten
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Ein Blick in die „Alte Fabrik“ im Jahr 1980: Der Soester Hana Asfur im Gespräch mit Karl Georg Schmidt und Jo Kuhn. Foto: Salzwelten.

Die Ausstellung in den „Westfälischen Salzwelten“ über die Künstlerfreundschaft von H. G. Schmidt und Jo Kuhn erinnert an die Zeit der „Alten Fabrik“ in Soest als soziokulturelles Zentrum.

Bad Sassendorf – Ein Kotten in Lohne, und ein Ehepaar, das während eines Spaziergangs an die Tür klopft: So erinnert sich Jo Kuhn an die erste, unerwartete Begegnung mit Karl Georg Schmidt, den er „Schorsch“ nennt. Mit dem Besuch in dem von Jo Kuhn angemieteten kleinen Haus begann eine wunderbare Künstlerfreundschaft. Wie es weiterging, was die beiden Männer verband, wie sie ihre konkrete Kunst in Bad Sassendorf lebten, die Soester Szene prägten, sich austauschten, diskutierten, sich aneinander rieben und gegenseitig beeinflussten, erfuhren die Besucher einer Sonderausstellung in den Westfälischen Salzwelten.

Wegen Corona lief die Vernissage im Frühjahr vorsichtshalber im digitalen Format, zur Finissage öffneten sich die Pforten wieder für Besucher. „Das freut uns enorm“, sagte Jeanette Metz mit Blick auf die voll besetzten Stuhlreihen. Auch das Publikum und die Protagonisten des Abends genossen es sichtlich, dass endlich wieder ein Dialog in realen Räumen möglich ist. Der Blick richtete sich auf die 70er- und 80er-Jahre als die „neue Moderne“ in Soest Einzug hielt – Jo Kuhn (Jahrgang 1935) und Karl Georg Schmidt (1914-1987) mittendrin. Ein Foto zeigt die beiden mit Hana Asfur, einem Wegbereiter der „Alten Fabrik“ als damaliges Zentrum soziokulturellen Lebens, getragen vom bürgerschaftlichen Engagement, anfangs aber auch von vielen Soestern mit Skepsis betrachtet. Ein buntes Völkchen traf sich dort, ließ seiner Kreativität an einem außergewöhnlichen Ort freien Lauf und die Gesellschaft an diesem Tun teilhaben.

Die Räume waren nicht im landläufigen Sinne schön, hatten aber Charme – und die Umgebung wirkte als Inspirationsquelle. Die Kunsthistorikerin Jessica Hartmann berichtet: „Die Gegensätze der konkreten Kunst korrespondierten wunderbar mit den zerstörten Wänden des Gebäudes und die partizipativen Ausstellungs- und Workshop-Projekte der Bad Sassendorfer Künstlerfreunde stießen auf reges Interesse der Bevölkerung.“ „Die moderne Kunst und die marode Fabrik – der Schorsch wollte diesen Kontrast“, so John Kuhn.

Jo Kuhn und seine Lebensgefährtin Heide Hoffmann

Dorothee Merseburger-Zahrnt erzählte als Zeitzeugin über diesen „Spielort“ zeitgenössischer und experimenteller Kunst, mit Klaus Rogge, Leiter des K.G-Schmidt-Archivs sowie dem Sammler Carl-Jürgen Schroth beleuchtete sie in der Rückblende diese Zeit des Umbruchs. Die frühere Buchhändlerin: „Soest war damals absolut erregbar.“ Pfarrer Christian Casdorff begleitete den Abend musikalisch und gab einen emotionalen Eindruck von einer besonderen Freundschaft, die auch dann noch hielt, als sich die Wege trennten.

Alltag kehrt zurück

In die Westfälischen Salzwelten kehrt nach und nach der Alltag zurück. Die Ostereier-Ausstellung im vorigen Jahr hätte mehr Publikum verdient, ebenso die Geschichten rund um den „Kurschatten“, doch in der Pandemie ging es dem Bad Sassendorfer Museum so wie anderen Häusern auch, die über eine lange Strecke geschlossen bleiben mussten.

Dass zum Ausstellungs-Abschluss Gäste herzlich willkommen waren, freute eine Besucherin besonders: Hetty Tillmann, frühere Nachbarin Jo Kuhns in Lohne, die ihn strahlend begrüßte und ihm erzählte, wie sie früher hinter den Fenstern des Wohnhauses am Lohner Hellweg die Bilder des Künstlers sah und wie schön es für sie war, nun in den Salzwelten, das ein oder andere Werk wiederentdeckt zu haben.

Nächste Ausstellung: Ab in den Urlaub

Jetzt heißt es „Ab in den Urlaub“, so lautet nämlich der Titel der nächsten Sonderausstellung in den „Westfälischen Salzwelten“. Die Besucher dürfen sich auf Bademode im Wandel der Zeit freuen. Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Römertherme Zülpich – Museum für Badekultur und dem Museum Nordseeheilbad Norderney wird jetzt aufgebaut, zu sehen ist sie vom 20. August bis 25. November. Dass auch Bad Sassendorf eine eigene Badegeschichte als Kurort hat, zeigen Bilder aus den Anfängen des Thermalbades bis heute sowie von Bewegungstherapien in Sole.

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