"Alt ist, wer den Mut verliert"

80-Jährige stürzt aus 4000 Metern in ihr nächstes Abenteuer - das ist ihre Geschichte

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Der Sprung: In Schleifen kreisen Tandem-Master Ansgar und Christa Besa über Lohne bis sie stehend landen.

Lohne - 80 Jahre alt und immer noch fit: Christa Besa aus Lohne macht jedes Abenteuer mit. Jetzt ist sie sogar aus einem Flugzeug gesprungen - natürlich mit Fallschirm. Die ganze Geschichte gibt es hier:

Es ist kurz vor halb sieben abends, als die Durchsage am Flughafen Soest-Bad Sassendorf aus den Lautsprechern erklingt: „In zwei Minuten sind die Springer zu sehen.“ Den Blick nach oben gerichtet warten die Menschen am Boden auf Christa Besa. Sie ist vor zwei Wochen 80 Jahre alt geworden. Heute löst sie ihr Geschenk ein: einen Tandemsprung aus 4000 Metern.

Die Frau aus Lohne wünschte sich ihren zweiten Tandemsprung zum runden Geburtstag. Bereits vor sieben Jahren war sie gesprungen und erinnert sich noch genau: „Das ist so schön. Es fühlt sich so ähnlich an wie beim Tauchen.“ Das habe sie früher oft mit ihrem Mann gemacht. 

Christa Besa ist 80 Jahre alt und hält sich durch Arbeit sowie sportliche Aktionen fit.

Ansgar, Tandem-Master beim Skydive-Verein, hilft seiner Mitspringerin beim Anziehen eines gelben Overalls. „Geht einfacher als beim Tauchanzug“, stellt Besa fest. Darüber schnallt er das Gurtkonstrukt, das ihn und die 80-Jährige beim Sprung zusammen hält. „Beim zweiten Mal ist man wesentlich entspannter“, erklärt er. 

Der freie Fall reizt die Lohnerin. Und dass man die Erdkrümmung richtig gut erkenne. Im Grunde findet Christa Besa den Sprung „viel zu kurz“. Deshalb bittet sie Ansgar, möglichst lange im freien Fall zu bleiben und nicht zu Straucheln, wenn der Schirm geöffnet ist. Das bekomme ihr nicht gut. 

Erster Sprung spontan

Eigentlich wollte vor sieben Jahren nur ihre Tochter Wenke springen. Ganz spontan ist Christa Besa mitgekommen. Angst habe sie nicht gehabt. „Passieren kann immer was“, sagt Besa. Sie wolle lieber alles positiv sehen. Schließlich sei sie fit und mache viel Sport. Viermal die Woche geht sie zur Gymnastik. Außerdem fährt sie gerne Rad und auf der Kirmes mit Karussells. Jeden Dienstag arbeitet sie in einem Modegeschäft im Kurort. „Schon seit 30 Jahren“, erklärt sie und sagt bestimmt: „Alt ist, wer den Mut verliert.“ 

Zum Flugplatz mitgenommen hat Christa Besa ihre Tochter Wenke, die heute ebenfalls zum zweiten Mal Tandem springt. Auch ihr Ehemann Heinz, ihr Sohn und Schwiegersohn sind gekommen, um dabei zu sein. Mit den Worten „Komm, alte Leute brauchen ein Sofa“, setzt sich die 80-Jährige zu ihrer Familie und bleibt dann doch nicht lange darauf sitzen, weil ihre Enkelin kommt. „Oma, ich glaube, ich bin aufgeregter als du“, sagt Ann-Kathrin und umarmt ihre Oma. 

Bei der Vorbereitung prüft Ansgar vom Skydive-Verein alle Schnallen und Ösen des Gurtes.

Auch Chef Stefan Eck ist dabei, um seine älteste Mitarbeiterin zu sehen – voller Achtung, wie er deutlich macht. 

Dann ist es soweit: Neben ihrem Tandempartner Ansgar geht Christa Besa zum Flugzeug. Die beiden werden es als letztes Gespann verlassen. Die Propeller drehen sich immer schneller, bis die Maschine über die Startbahn rollt, beschleunigt und in die Luft abhebt. Besas Familie beobachtet den Himmel. Die Sonne blendet. Zehn Minuten nach dem Start wird ein lila Fallschirm mit weißen Streifen sichtbar und nähert sich langsam dem Boden. Das Gespann kreist in Schleifen über den Ort, in dem die 80-Jährige wohnt. 

Landung auf den Füßen

Der Fallschirm mit den beiden Springern nähert sich der Wiese. Langsam berühren die Füße von Ansgar und Christa Besa den Boden – bis beide zum Stehen kommen. Wie in Zeitlupe sieht das aus. „Ich hab einen trockenen Mund vom Schreien“, sagt die Frau. „Nichts geht über den freien Fall. Das ist ein Kick.“

Springen ohne Altersgrenze

Die Voraussetzung zum Springen ist es, „gesund zu sein“, erklärt Norbert Meier, Sprungdienstleiter und erster Vorsitzende im Skydive-Verein. Er erklärt: „Tandemspringer müssen fit genug sein, um bei der Landung zu unterstützen und die Beine zehn Sekunden hoch zu heben.“ Außerdem gebe es eine Gewichtsgrenze von 90 Kilogramm mit Kleidung. „Wir hatten auch schon eine 90-jährige Tandemspringerin“, berichtet Meier.

Fallschirmsprung der 80Jährigen Christa Besa in Lohne

Von Karin Schlüter

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